- 71 Prozent des Windkraft-Ziels erreicht
- Umweltministerium hält nächsten Meilenstein für erreichbar
- Weniger Strom durch Windflaute
- Solar: Ziele der Landesregierung übererfüllt
- Entwicklung abhängig von Bundesregierung
Ehrgeizig, aber erreichbar. So nannte die baden-württembergische Klimaschutzministerin Thekla Walker (Grüne) im Jahr 2022 die Klimaziele. Damals wurde in einer Studie unter anderem ein Pfad für den Ausbau von Wind- und Solarenergie berechnet. An diesem orientiert sich die Landesregierung. Nach dem vergangenen Jahr, dem ersten Meilenstein, zeigt sich: Die Klimaschutzministerin behält teilweise Recht. Beim Photovoltaik-Ausbau erreicht das Land bisher seine Ziele, die für Windkraft scheinen weiterhin ehrgeizig.
71 Prozent des Windkraft-Ziels erreicht
2025 wurden in Baden-Württemberg 71 Prozent des Ausbauziels für Windkraft erreicht. Um das Ziel für 2030 zu schaffen, müsste sich die Leistung in den nächsten fünf Jahren fast verdreifachen.
Das Umweltministerium schreibt auf Anfrage, dass der Zubau von Windrädern in Baden-Württemberg wegen der Standortnachteile von Anfang an deutlich langsamer verlief als in anderen Bundesländern. Dazu gehören demnach der schwächere Wind, die hügelige Landschaft und geschützte Vogelarten, für die Windräder zur Gefahr werden können.
Umweltministerium hält nächsten Meilenstein für erreichbar
Das Ministerium hält es trotzdem für möglich, die Ziele für 2030 und 2040 zu erreichen. Über 1.000 Megawatt Windkraft-Leistung seien bereits genehmigt. Dazu beigetragen hätten unter anderem die Digitalisierung der Genehmigungsverfahren und die Ausweisung von Flächen für Windräder, so das Ministerium.
Zudem ist Ende Juni eine bundesweite Frist für ein erleichtertes Genehmigungsverfahren ausgelaufen. Da viele Projektplaner diese Regelung hätten ausnutzen wollen, seien im ersten Halbjahr über 1.000 Anlagen beantragt worden. Allerdings: "Der Bau von genehmigten Windenergieanlagen liegt nicht in der Hand der Landesregierung", so der Pressesprecher.
Schon jetzt ist eine Beschleunigung in den Ausbau-Zahlen sichtbar: 2025 wurden in Baden-Württemberg 35 Windräder in Betrieb genommen. Dadurch kam eine Leistung von rund 166 Megawatt hinzu - deutlich mehr als im Jahr zuvor.
Weniger Strom durch Windflaute
Wie viel Strom tatsächlich aus Wind gewonnen werden kann, hängt nicht nur von der Leistung ab, sondern auch von der Wetterlage. Weil im ersten Halbjahr 2025 deutschlandweit weniger Wind geweht hat, haben die Windräder in Baden-Württemberg weniger Strom erzeugt als in den vergangenen Jahren. Laut dem Umweltministerium können auch Abschaltzeiten oder Anlagenausfälle den Ertrag beeinflussen. Rund sieben Prozent des erzeugten Stroms wurden 2025 aus Wind gewonnen.
Die Stromproduktion durch Solaranlagen stieg hingegen auch in diesem Jahr. Der Anteil des Stroms, der in Baden-Württemberg durch Sonne erzeugt wird, liegt bei knapp 30 Prozent. Alle Erneuerbaren Energien machten 2025 insgesamt rund 64 Prozent der Stromerzeugung im Land aus.
Solar: Ziele der Landesregierung übererfüllt
Anders als bei Wind ist das Land bei den Zielen für den Photovoltaik-Ausbau auf Kurs. Durch den Boom der letzten Jahre wurden die Ziele der Landesregierung übertroffen.
Neben dem langfristigen Ausbaupfad hat sich die Landesregierung Jahresziele gesteckt: Bis 2025 sollten jedes Jahr 1.150 Megawatt ausgebaut werden. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 2.000 Megawatt.
Allerdings hat das Ausbautempo 2025 im Vergleich zum Vorjahr etwas abgenommen. Und ab 2026 sollen jährlich 2.530 Megawatt erreicht werden. Laut dem Umweltministerium müsse sich das Land vor allem bei Freiflächen-Photovoltaik steigern. Bei Solaranlagen auf Dächern stimme das Ausbau-Tempo.
Entwicklung abhängig von Bundesregierung
Das baden-württembergische Umweltministerium erklärt den Rückgang so: Nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sei die Sorge um die Versorgungssicherheit erst einmal groß gewesen. Das habe zu einem Boom bei Photovoltaik geführt. Die Angst habe seitdem wieder abgenommen.
Außerdem hätten die Äußerungen der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in der Branche und der Bevölkerung für Verunsicherung gesorgt. Diese hatte angekündigt, die Einspeisevergütung abzuschaffen. "In der Folge wurden viele PV-Projekte zurückgestellt", so das Umweltministerium.
Beim Ausbau von Erneuerbaren Energien sei man stark vom Bund abhängig: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das unter anderem die Bedingungen für den Photovoltaik-Ausbau setzt, muss 2026 erneuert werden. Der vom Bundeswirtschaftsministerium für November 2025 geplante Entwurf kommt nun aber erst dieses Jahr. "Für die Branche bedeutet diese Verzögerung eine weitere Zeit der Unsicherheit", so das Ministerium.