Rund ein halbes Jahr nach dem Mord an ihrem Ehemann muss eine 79-jährige Frau ins Gefängnis. Das Landgericht Ellwangen hat die Seniorin am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Sie ist demnach des heimtückischen Mordes schuldig, weil ihr Ehemann bei dem Angriff geschlafen hat und arglos war. Das Urteil ist noch nicht rechtkräftig.
Die Frau hatte im gemeinsamen Schlafzimmer mehr als 41 mal auf ihren krebskranken Mann eingestochen - für den Richter zeigte das "ein hohes Maß an Brutalität". Es handle sich um einen "außergewöhnlichen Fall", sagte er. Während der Urteilsverkündung hat die Angeklagte geweint. Das Ehepaar war 55 Jahre verheiratet.
Mord: Staatsanwaltschaft hat neun Jahre Haft gefordert
Mit dem Urteil ist das Landgericht Ellwangen unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft geblieben. Diese hatte neun Jahre Haft gefordert. Ihren Erkenntnissen zufolge war der 84-Jährige aufgrund von zwei Stichen in den Hals verblutet. Nach der Tat hatte die Frau auf verschiedene Weisen versucht, sich das Leben zu nehmen.
Nach Ansicht des Gerichts war die Frau zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig, weil sie unter einer schweren Depression litt. Allerdings ändere das nichts an der Tatsache, dass es ein geplanter Mord war, erklärte der Richter.
Ehemann im Schlaf getötet 41 Messerstiche: Urteil im Mordprozess gegen 79-Jährige erwartet
Die Angeklagte hat am Dienstag zugegeben, ihren Ehemann getötet zu haben. Ihr Anwalt hat im Prozess vor dem Landgericht Ellwangen eine Stellungnahme der Seniorin verlesen.
Die Frau hatte am zweiten Verhandlungstag gestanden, ihren Mann im gemeinsamen Schlafzimmer umgebracht zu haben. Dazu hatte sie ein schriftliche Erklärung verlesen lassen. Die Rentnerin hatte demnach Angst, zusammen mit ihrem schwerkranken Mann in ein Pflegeheim zu müssen. Sie habe sich mit der Pflege ihres Mannes überfordert gefühlt.
Die Lösung, die sie für sich in dieser Situation gefunden habe, sei die "grundfalsche" gewesen, erklärte der Richter am Mittwoch. Es sei ein großer Fehler gewesen, ihre Ängste nicht gegenüber ihrem Umfeld anzusprechen.