41 Stiche mit dem Küchenmesser – so soll eine Seniorin im Herbst vorigen Jahres in Ellwangen (Ostalbkreis) ihren pflegebedürftigen Ehemann umgebracht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft der 79-jährigen Frau Mord aus Heimtücke vor. Die Angeklagte hat die Tat am Dienstag zugegeben. Ihr Anwalt hat eine entsprechende Erklärung vorgelesen.
In der schriftlichen Stellungnahme erklärt die Frau unter anderem, dass sie keinen Ausweg gesehen habe und gemeinsam mit ihrem Mann sterben wollte. Ihr 84-jähriger Ehemann sei schwer krank gewesen, habe aber von den Plänen nichts gewusst. Ihr selbst sei es psychisch immer schlechter gegangen, ihren Zustand habe sie aber nicht erkannt.
Tat in Ellwangen: Ehemann verblutet im Schlafzimmer
Die Tat geschah im ländlich gelegenen Ellwanger Teilort Rindelbach: Am 05. Oktober 2026 versucht die Tochter der 79-jährigen, ihre Eltern telefonisch zu erreichen. Als niemand abnimmt, fährt sie zum Wohnhaus. Was sie findet, ist ein handgeschriebener Abschiedsbrief ihrer Mutter.
Die Tochter ruft ihren Mann und ihren Sohn zur Hilfe - gemeinsam finden sie die Eltern im Schlafzimmer. Der Vater ist tot. Die Mutter lebt zwar, ist aber bewusstlos. Ein Rettungshubschrauber bringt die Frau in eine Klinik.
Frau schwer verletzt Polizeieinsatz in Ellwangen: 78-Jährige soll Ehemann getötet haben
Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermitteln in Ellwangen wegen eines mutmaßlichen Tötungsdelikts. Eine 78-jährige Seniorin soll ihren 84 Jahre alten Ehemann umgebracht haben.
Ihr toter Ehemann ist fürchterlich zugerichtet: Der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Ellwangen zufolge hat er Messerstiche an der linken Hals- und Gesichtshälfte, in der Brust sowie an Armen und Beinen, insgesamt 41. An einem Stich, der die Halsschlagader durchtrennt, verblutet der Mann.
Im Prozess am Landgericht Ellwangen erklärt der Staatsanwalt, er gehe davon aus, dass der Mann schlief, als seine Frau auf ihn einstach. Wie die Ermittlungen ergaben, hatte die 79-Jährige unmittelbar nach der Tat versucht, sich mit verschiedenen Methoden das Leben zu nehmen. Der Abschiedsbrief, den die Frau hinterlassen hat, wird nach Ansicht ihres Verteidigers im Prozess noch eine Rolle spielen.
Angeklagte war möglicherweise mit Pflege überfordert
Der getötete Ehemann war pflegebedürftig. Er hatte zwei Schlaganfälle und litt außerdem an Prostatakrebs in fortgeschrittenem Stadium. Seine Frau hatte ihn gepflegt. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die Seniorin mit der Pflege überfordert war und befürchtete, sie und ihr Mann müssten bald ins Pflegeheim. Vor allem diese Angst soll die 79-Jährige zu der Tat getrieben haben.
In der schriftlichen Stellungnahme wird diese Annahme bestätigt. Darin heißt es, die Angeklagte habe Angst gehabt, in ein Pflegeheim zu müssen und ihren Kindern zur Last zu fallen. Beide, die 79-Jährige und ihr Mann, hätten nicht in ein Pflegeheim gewollt, heißt es in der Erklärung. Die Frau erklärte, sie bereue die Tat sehr.
Plädoyers im Mordprozess am Dienstag erwartet
Der Mordprozess hat am 26. März begonnen, es wurde zunächst nur die Anklageschrift verlesen. Die Angeklagte hat nur Angaben zu ihrer Person gemacht. Prozessbeobachtern zufolge wirkte sie sehr bewegt und weinte mehrfach während der Verhandlung.
Am Dienstag, dem zweiten Prozesstag, sollten ursprünglich noch zwei Sachverständige und elf Zeugen gehört werden. Das ist teilweise auf Mittwoch verschoben worden. Dann soll auch plädiert werden und möglicherweise ein Urteil fallen.