Demenz, Lähmungen und andere körperliche Einschränkungen machen den Weg zur Zahnarztpraxis für viele Pflegebedürftige unmöglich. In Aalen kommt deshalb Zahnärztin Jana Renee Ceylan mit einem mobilen Behandlungskoffer direkt in Pflegeeinrichtungen und Privatwohnungen - damit auch Menschen mit Pflegegrad eine gute zahnärztliche Versorgung erhalten.
Hausbesuch: Wenn die Zahnärztin ins Pflegeheim kommt
Die junge Zahnärztin hat seit zwei Jahren eine Praxis in Aalen. Dass sie auch Hausbesuche anbietet, hat mit einer persönlichen Erfahrung zu tun: "Mein Großvater hatte Alzheimer und Parkinson, und meine Großmutter hat ihn so gut es ging zu Hause betreut. Gerade bei der zahnärztlichen Versorgung war das immer schwierig", sagt sie und fügt an: "Da dachte ich mir: Wenn ich irgendwann die Möglichkeit haben werde, möchte ich das gerne anders machen."
Rollkoffer statt Behandlungsstuhl
Wenn Jana Renee Ceylan mit dunkelblauer Jacke und Arzthaube ins DRK Altenhilfezentrum Wiesengrund in Aalen kommt, hat sie ihren großen Rollkoffer dabei. Eigentlich ist es ein rollender Schrank mit Schubladen: "Hier habe ich Spiegel, Pinzetten, Watterollen, Patientenlätzchen, Spülbecher und Zement für kleinere Versorgungseingriffe", erzählt sie.
Wir nehmen uns immer sehr viel Zeit und arbeiten mit sehr viel Ruhe und Geduld
Heute ist eine ältere Patientin dran, bei der eine Brücke herausgefallen ist. Die Seniorin sitzt schon auf einem Stuhl in ihrem Zimmer. Ruhig erklärt die Zahnärztin, was sie macht. Nach kurzer Zeit sitzt die Brücke wieder fest - ein überschaubarer Eingriff, der für Menschen, die nicht mehr in eine Praxis kommen können, dennoch entscheidend ist.
Warum mobile zahnärztliche Versorgung wichtig ist
"Ich sehe, dass gerade in der häuslichen Versorgung unheimlich viel Bedarf besteht und wir den Patientinnen und Patienten, aber auch den Angehörigen einen wirklich einen großen Gefallen tun können", sagt Ceylan.
Die Prophylaxe - also vorbeugende Maßnahmen wie die Entfernung von Zahnbelägen oder die Reinigung von Prothesen - spielt dabei eine große Rolle. Zusätzlich verfügt die Praxis über ein kleines Labor, sodass manche Arbeiten unmittelbar im Pflegeheim gemacht werden können, "so Kleinigkeiten, wie eine kleine Füllung oder sowas", sagt die Zahnärztin.
Hausbesuch mit viel Geduld und Ruhe
Wenn die Zahnärztin pflegebedürftige Menschen zu Hause oder im Heim behandelt, seien es die Patienten, die den Takt vorgeben: "Wir nehmen uns immer sehr viel Zeit und arbeiten mit viel Ruhe und Geduld", sagt Jana Renee Ceylan. Wenn eine Behandlung an einem Tag nicht möglich ist, wird der Termin verschoben.
Zahnärztin Ceylan: Zahngesundheit für Lebensqualität
Für Ceylan bedeutet Zahngesundheit vor allem Lebensqualität: "Uns ist wichtig, dass die Patientinnen und Patienten schmerzfrei und beschwerdefrei das essen können, was sie möchten."
Bei einem 88-Jährigen, der krankheitsbedingt stark abgenommen hat, passt sie die Zahnprothese neu an. Seine Frau ist erleichtert: "Das ist so gut, dass sie kommt. Das finde ich toll." Das Ehepaar wohnt auch in der Altenpflegeeinrichtung. Während Ceylan den Patienten behandelt, bereitet ihr Mann, Sehmus Ceylan - Zahnarzt und Zahntechniker - im Hintergrund den Einsatz der Prothese vor.
Eine über 90-jährige Bewohnerin kann den Mittagstisch im Speisesaal des DRK Altenhilfezentrums Wiesengrund in Aalen wieder genießen - nur für den Abdruck musste sie in die Zahnarztpraxis, alles andere wurde im Heim erledigt. Zwei Eckzähne waren ihr vor kurzem rausgebrochen. Eine Behandlung vor Ort würde sie jederzeit wieder machen lassen, sagt sie.
Mobile Zahnarztpraxis: Hausbesuch als Kassenleistung
Seit Jana Renee Ceylan ihre Praxis eröffnet hat, ist die Nachfrage nach Hausbesuchen gestiegen. Mehrere Pflegeeinrichtungen gehören inzwischen zu ihren festen Anlaufstellen. Menschen mit Pflegegrad haben grundsätzlich Anspruch darauf, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte Hausbesuche über die gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können.
Im DRK Altenhilfezentrum Wiesengrund ist man froh über die regelmäßigen Besuche der Zahnärztin, sagt Brigitte Muschitz, stellvertretende Heimleiterin: "Wir haben etwa 80 Bewohnerinnen und Bewohner. Fachärzte in die Einrichtung zu bekommen, ist sonst äußerst schwierig." Das Pflegepersonal erhalte zudem wertvolle Tipps für die Zahnreinigung bei Pflegebedürftigen.