Wenn Jörg Kutscher mit seinem Auto im Schwarzwald unterwegs ist, dann sind ihm bewundernde Blicke von Kennern sicher. Er fährt einen DeLorean, Baujahr 1981. Eine Autolegende, nur wenige Exemplare gibt es davon noch weltweit.
Und dieses ist ein ganz Besonderes: Denn Kutscher hat das Auto selbst umgebaut und den Verbrennungsmotor durch einen E-Antrieb ersetzt. "Höchstgeschwindigkeit will man nicht ausprobieren, ist wahrscheinlich jenseits von Zweihundert", sagt Jörg Kutscher, der im Hauptberuf Zahnarzt ist. "Aber darum ging es ja nicht. Ich wollte ein hübsches Elektroauto in einem edlen Design." Autos mit Vergangenheit faszinieren ihn. Erst recht, wenn sie mit einem Antrieb der Zukunft fahren.
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Autos mit Vergangenheit und dem Antrieb der Zukunft
So geht es auch Johannes Hübner. Mit seinem VW Touran fährt er seit einiger Zeit nicht mehr zu Zapf- sondern zu E-Ladesäulen. Er ist einer der Pioniere des sogenannten "Retrofit" - der Umwandlung von Verbrennern in Elektrofahrzeuge. Sein Touran ist inzwischen 21 Jahre alt und funktioniert einwandfrei.
"Wir haben die größten Fehlerquellen ausgebaut, und das sind halt Motor, Kühlsystem, Auspuff", sagt Hübner. "Also das ist schon mal kein Grund mehr, ihn zu verschrotten. Die Elektrotechnik wird auf jeden Fall länger halten als alles drum herum". Hübner ist Elektroingenieur und hat in den Umbau in Eigenregie viele hundert Arbeitsstunden gesteckt. Das können natürlich nur die wenigsten, räumt er ein. "Aber wenn eine Firma es schafft, so einen Umbau günstiger anzubieten als ein gebrauchtes, vergleichbares Elektroauto, dann hätte das Konzept auch in Deutschland eine Chance".
Baustein für die Verkehrswende?
Und an solchen Konzepten wird in inzwischen gearbeitet. Einige Firmen haben sich auf Retrofits spezialisiert und bieten Bausätze oder komplette Umbauten an. Die Firma E-Revolt im bayerischen Dachau zum Beispiel hat einen Umrüstsatz für den VW Golf 7 entwickelt, eines der meistverkauften Autos in Deutschland.
"Wenn wir schnell eine Trendwende in der Elektromobilität hinbekommen wollen, dann führt um die Umrüstung kein Weg vorbei", sagt Ralf Schollenberger. Er ist einer der Gründer des Startups und verweist auf die 250 Millionen Verbrenner, die auf europäischen Straßen fahren.
Aus seiner Sicht sind Umrüstungen ein ergänzender Baustein, der dafür sorgen kann, dass schneller emissionsfrei gefahren werden kann. Denn das Geschäft mit neuen E-Fahrzeugen läuft verhalten. Aktuell sind in Deutschland 1,7 Millionen E-Fahrzeuge zugelassen. Doch laut Plänen der Bundesregierung sollten es bis 2030 eigentlich 15 Millionen sein - in nur noch fünf Jahren. Mit dem Verkauf von Neufahrzeugen kaum zu schaffen.
Wirtschaftlichkeitsrechnung überrascht
Ob sich solche Umrüstkonzepte durchsetzen, dürfte sich vor allem über den Preis entscheiden. Zwischen 12.000 und 15.000 Euro veranschlagt die Firma E-Revolt für ihr Umbaukonzept. Würde sich diese Investition für Fahrzeugbesitzer lohnen? "Die Wirtschaftlichkeitsrechnung war tatsächlich überraschend", sagt Michael Krail, Verkehrsexperte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung. Er hat für den SWR eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt.
Demnach amortisiert sich die Investition beim Umbau eines 10 Jahre alten VW Golf Diesel nach sieben Jahren, bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 14.000 km pro Jahr. Bei einem Benziner-Modell amortisieren sich die Umbaukosten nach neun Jahren.
Staatliche Retrofit-Förderung in Frankreich
Staatliche Förderungen wie etwa in Frankreich könnten Verbrenner-Umbauten deutlich attraktiver machen. Dort können Privatpersonen bis zu 5.000 Euro Förderung für den Umbau beantragen. Anders als in Frankreich hält das Bundesverkehrsministerium auf SWR-Anfrage aber eine "serielle Umrüstung von Pkw wirtschaftlich nicht für sinnvoll".
In anderen Ländern sieht man das anders. So auch in Äthiopien, das gerade eine rasante Verkehrswende hinlegt. Die Regierung hat 2024 als erstes Land ein Einfuhrverbot für neue Verbrennerfahrzeuge erlassen und setzt stark auf erneuerbare Energie. Davon hat das Land reichlich und bei Strompreisen von rund 0,5 Cent pro Kilowattstunde ist elektrisch fahren hier besonders attraktiv. Entsprechend interessant ist daher auch der Umbau von alten und sehr alten Verbrennerfahrzeugen. Und das sind in Äthiopien immer noch die meisten.
Günstige Retrofits für Afrika
In Addis Abeba hat sich das Startup UEMT gegründet, das die Umrüstung in Afrika vorantreiben will. Eshetu Mekonnen aus Böblingen berät das junge Unternehmen. Seit 35 Jahren arbeitet der gebürtige Äthiopier als Ingenieur für Mercedes Benz. Und will mit seinen Erfahrungen seinem Heimatland helfen: "Dort fahren so viele Schrottautos, produzieren viel mehr Abgas als hier. Warum sollen wir das Land nicht vor dieser Umweltkatastrophe schützen?"
Die Technik und ein Prototyp sind schon da: ein umgerüsteter Mercedes 200E, Baujahr 1982. Die Reichweite liegt bei etwa 150 Kilometern. Nicht viel, aber für die meisten Wege in der Hauptstadt reicht es. Der Preis für die Umrüstung soll nach Planungen des Startups dort zwischen 2.000 und 5.000 Euro liegen.
Bislang wenig Interesse in Deutschland
Solche Umrüstkonzepte scheinen in anderen Ländern mehr politisches Interesse zu wecken als in Deutschland. Jüngst bekam das Überlinger Startup E-Revolt Besuch von einer malaysischen Regierungsorganisation. Auch andere Länder wie Norwegen zeigen Interesse und stellen staatliche Förderung in Aussicht. Interesse, das in Deutschland noch auf sich warten lässt.