Busse und Bahnen in Baden-Württemberg

Streiks im Nahverkehr: "Viele sehen unseren harten Job nicht"

Der Streik im kommunalen Nahverkehr sorgt auch in Baden-Württemberg für Probleme. Die Beschäftigten fordern Verständnis für den Streik und mehr Wertschätzung für ihre Arbeit.

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Von Autor/in Jochen Braitinger

Insgesamt haben etwa 3.500 Beschäftigte im kommunalen Nahverkehr ihren Dienst nach Angaben der Gewerkschaft am Montag nicht angetreten. In vielen baden-württembergischen Städten sind die Fahrzeuge deshalb im Depot geblieben. Auch die Fähre am Bodensee zwischen Meersburg und Konstanz fiel aus. Laut dem ADAC machte sich der Warnstreik im morgendlichen Berufsverkehr besonders in den Ballungsräumen auf den Straßen bemerkbar. Auch Schulbusse fielen aus, viele Menschen kamen nur mit dem Auto zur Arbeit.

ver.di fordert höhere Nachtzuschläge

Zum Streik aufgerufen hat die Gewerkschaft ver.di. Sie will vor allem, dass die Nachtzuschläge für Fahrerinnen und Fahrer steigen. Außerdem soll es mehr Geld für Überstunden und Wochenendarbeit geben.

Einer der Streikenden ist Daniel Rungenhagen von der Freiburger Verkehrs-AG (VAG). Er hat Verständnis, dass der Streik die Fahrgäste ärgert. Aber er sagt auch:

Es muss einfach gemacht werden, weil diese Nachtarbeit und diese Wochenendarbeit einfach schlecht für uns sind.

Darum sind Nachtfahrten und Wochenenden im Nahverkehr Stress

Das Problem ist laut Rungenhagen vor allem die Dunkelheit, weil man mehr auf den Verkehr achten muss: "Da sind Radfahrer ohne Licht, oder Fußgänger, die wenig auf den Verkehr achten, weil sie denken, es ist wenig los. Oder samstags sind Demonstrationen in der Stadt - gepaart mit dem Einkaufstourismus - das ist wirklich Stress pur", erklärt der Fahrer der VAG. Deshalb hält er die aktuellen Forderungen von ver.di für gerechtfertigt.

Unser Job ist anspruchsvoll und anstrengend. Das sehen viele Leute nicht. Die steigen in die Straßenbahn ein und denken nicht daran, dass vorne jemand sitzt, der einen harten Job hat.

Arbeitgeber: "Kassen sind leer"

Die Arbeitgeberseite sieht bei den Verhandlungen nur wenig Spielraum. Die Kassen der Kommunen seien leer, viele Unternehmen stünden mit dem Rücken zur Wand, sagt Oliver Benz, der Vorstand der Freiburger Verkehrs-AG. "Allein in Freiburg liegt das Defizit für den ÖPNV zwischen 25 und 30 Millionen Euro - Tendenz steigend", so Benz. Für den bundesweiten Streik hat er kein Verständnis.

Wir haben erst vor zwei Wochen mit den Verhandlungen begonnen und ich habe gehofft, dass wir weiter verhandeln können, ohne zu Lasten der Fahrgäste einen Streik zu haben.

Am kommenden Montag (9. Februar) werden die Tarifverhandlungen in Stuttgart fortgesetzt. Die Gewerkschaft ver.di hat angekündigt, dass weitere Streiks im kommunalen Nahverkehr bis dahin nicht geplant sind - aber auch nicht ausgeschlossen.

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Jochen Braitinger
Onlinefassung
Jenny Beyen

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