Den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) laufen die Kosten davon. 2026 wird mit einem Defizit von 117 Millionen Euro gerechnet. Bis 2030 geht man sogar von etwa 146 Millionen jährlich aus. Seit 2024 wird hinter verschlossenen Türen über Fahrplankürzungen und Linienstreichungen diskutiert. Die hochverschuldete Stadt muss sparen und tut es doch viel weniger als geplant. Vom ursprünglichen Sparkonzept ist nach dem Beschluss im Gemeinderat kaum noch etwas übrig.
Spardiskussion im Nahverkehr: Gemeinderat einigt sich auf Minimallösung
Die Mehrheit der Stadträte im Karlsruher Gemeinderat hat sich nach monatelangem Gezerre auf ein zeitlich begrenztes Sparkonzept geeinigt. Die Einsparungen sollen zunächst auf zwei Jahre befristet sein. Die ursprünglich geplante Taktverlängerung am Samstag wird es nicht geben. Das bedeutet, dass die Bahnen auch tagsüber weiterhin alle 10 Minuten fahren. Auch der Wechsel vom 20- auf den 30-Minutentakt soll statt um 21 Uhr erst um 23 Uhr beginnen. Einzelne wenig genutzte Buslinien fallen weg, aber dafür soll ein Ruftaxi als Ersatz angeboten werden.
Von der ursprünglichen Beschlussvorlage und den geplanten Maßnahmen blieb am Ende nur ein kleiner Bruchteil übrig. In Zahlen heißt das, dass das ursprüngliche Einsparziel von 20 Millionen Euro weit verfehlt wird. Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) rechnet nach der Entscheidung mit einer Sparsumme von etwa 3,7 Millionen Euro.
Suche nach Mehrheiten: Gemeinderat dampft Sparkonzept weiter ein
Die Grünen als größte Fraktion im Gemeinderat hatten Einschnitte im Fahrplan von Anfang an entschieden abgelehnt. Skepsis gab es auch bei anderen. Hinter den Kulissen wurde, wie vom SWR berichtet, bis kurz vor der Gemeinderatssitzung am Dienstag an dem Konzept gearbeitet. Herausgekommen ist der nun beschlossene Antrag von Grünen, CDU und SPD.
Aus Kreisen des Gemeinderats hieß es vor der Entscheidung, dass es sich bei dem verabschiedeten VBK-Sparkonzept um reine Symbolpolitik handele. Der Nutzen wird in Frage gestellt. Fraktionsübergreifend wird unterdessen erneut eine bessere finanzielle Ausstattung des Öffentlichen Nahverkehrs durch Land und Bund angemahnt.
Massiver Widerstand gegen ÖPNV-Sparpaket in Karlsruhe
Das ursprüngliche Sparkonzept sah ein dreistufiges Sparkonzept mit gravierenden Einschnitten in Fahrpläne und Linienführung vor. Bis zu 30 Prozent des innerstädtischen Fahrplans für Busse und Bahnen standen auf der Kippe. Die Zielsetzung war, das jährliche Defizit der Verkehrsbetriebe Karlsruhe um 20 Millionen Euro zu reduzieren. Dieses Konzept fand nach SWR-Informationen weder in den Aufsichtsgremien noch bei den Stadträten eine Mehrheit und wurde überarbeitet.
Monatelange Verzögerung um Entscheidung über VBK-Sparpläne
Die Entscheidung über das Sparkonzept wurde mehrfach vertagt. Im Dezember 2025 sollten die Stadträte über eine abgespeckte Sparvariante für den Nahverkehr entscheiden. Doch auch diese Abstimmung wurde erneut verschoben, weil das Konzept offenbar weiterhin nicht mehrheitsfähig war.
Diese abgespeckte Variante sah bei den Tramlinien im Karlsruher Stadtgebiet einen 20- statt 10-Minuten-Takt am Wochenende und ebenfalls verlängerte Takte in den Randzeiten vor. Die Linie 3 und zahlreiche Buslinien wären von weiteren Einschränkungen betroffen gewesen. Dadurch sollten rund fünf Millionen Euro eingespart werden.
ÖPNV in Karlsruhe: Einsparungen ab Sommer spürbar
Die Kürzungen im Karlsruher Nahverkehr werden voraussichtlich für die Bahnfahrgäste mit dem Sommerfahrplan 2026 spürbar werden. Busfahrgäste trifft es den Plänen zufolge erst 2028.