Wer derzeit an einem Erdbeerstand vorbeigeht, merkt es spätestens beim Griff in den Geldbeutel: Die Schale mit den Erdbeeren ist längst kein Schnäppchen mehr. Im Gegenteil - heimische Erdbeeren kosten rund 70 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Der Preisanstieg ist kein Zufall, sondern Folge von einigen Herausforderungen für Erdbeerbauern.
2015 zahlten Verbraucher im Schnitt noch 3,94 Euro pro Kilogramm Erdbeeren aus deutschem Anbau. 2024 waren es bereits 6,65 Euro - Tendenz steigend. Auch in diesem Jahr liegen die Preise laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft tendenziell über dem Vorjahr. Aber was treibt die Preise nach oben?
Teure Erdbeeren: Lohnkosten als größter Preistreiber
Ein wesentlicher Faktor sei der Mindestlohn, sagt der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE). "Wir kommen von 8,50 Euro Mindestlohn und sind jetzt bei 12,82 Euro", erklärt Simon Schumacher vom VSSE. Das sei eine "immense" Steigerung. Bis zu 60 Prozent der Produktionskosten entfielen auf Löhne, da Erdbeeren nach wie vor in Handarbeit geerntet werden.
Diese Entwicklung zwingt viele Betriebe zum Rückzug: Seit 2015 ist die Zahl der Erdbeerbauern um gut 24 Prozent gesunken. Die Anbaufläche hat sich um über 28 Prozent reduziert - die Erntemenge sogar um 30 Prozent.
Klimakrise und Strukturwandel machen Erdbeeren teuer
Hinzu käme der Klimawandel. Extremwetter wie Starkregen und Hagel setzten den empfindlichen Pflanzen zu. Der Anteil des Freilandanbaus sei massiv zurückgegangen, sagt Obstbauexperte Tobias Gabler von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg in Baden-Württemberg.
Die Lösung: geschützter Anbau in Folientunneln, oft kombiniert mit brusthohen Rinnen, um die Ernte zu erleichtern. 2024 wurden bereits 2.045 Hektar unter Folie bewirtschaftet, fast dreimal so viel wie noch 2015. Der Ertrag dort ist mehr als doppelt so hoch wie im Freiland.
Wenn wir mit der Erdbeere kein Geld mehr verdienen, dann frage ich mich, mit was dann?
Doch der Ausbau ist teuer. Die Umstellung von Freiland in einem Hektar Tunnel kostet bis zu 100.000 Euro. "Tatsächlich investieren wir seit 2019 immer wieder Stück für Stück in Folientunnel.", Dominic Ell, Erdbeeranbauer aus dem Oberkirch bei Offenburg. Für ihn steht fest: "Wenn wir mit der Erdbeere kein Geld mehr verdienen – womit dann?"
Auch für Bio-Landwirt Andreas Frank aus Weinsberg-Gellmersbach (Kreis Heilbronn) sind die Folientunnel wichtig, um Erdbeeren vor der Witterung zu schützen. Er zeigte sich im Frühling sehr optimistisch:
Hoffnung auf Technik
Doch wie weit lassen sich die Preise noch senken? Ernteroboter könnten künftig helfen. Die werden laut Marktanalystin Eva Würtenberger allerdings bisher etwa in den Niederlanden getestet, aber nicht in der Produktion eingesetzt. Eine Herausforderung sei zum Beispiel, die Erdbeere vor dem Pflücken per Kamera von allen Seiten zu prüfen.
Würtenberger rechnet mit weiter steigenden Kosten - allein schon durch eine mögliche Anhebung des Mindestlohns. Auch der steigende Preis für Jungpflanzen oder Bewässerungssysteme treibe die Produktionskosten.
Erdbeer-Verkauf in kleineren Mengen
Agrarwissenschaftler Gabler sieht jedoch auch eine Schmerzgrenze der Verbraucher: "Ich sage mal, fünf Euro pro 500-Gramm-Schale ist eine gewisse Schallmauer." Eine Möglichkeit seien dann noch kleinere Schälchen im Verkauf, wie es sie heute auch schon gebe.