In Baden-Württemberg steigen derzeit weniger Privatleute auf ein E-Auto um als in vielen anderen Bundesländern. Das geht aus einer Auswertung der Kfz-Versicherung HUK Coburg hervor.
Die Berechnung basiert auf unternehmenseigenen Daten. Demnach haben sich zwischen Juli und September bei einem Fahrzeugwechsel 5,6 Prozent der HUK-Versicherten in Baden-Württemberg für einen Umstieg - vom Verbrenner zum E-Auto entschieden.
Bundesweit lag die Wechselquote im Schnitt höher, bei 6,2 Prozent - der höchste Wert seit zwei Jahren. Im Ländervergleich liegt Baden-Württemberg damit auf Rang acht. An der Spitze stehen Niedersachsen und Bayern.
Auch weniger E-Autos im Privatbesitz
Auch was den Bestand an E-Autos anbelangt, liegt das Land nicht mehr an der Spitze. Ende September hatten 3,7 Prozent der bei der HUK in Baden-Württemberg versicherten Privat-Pkw einen reinen Elektroantrieb.
In Bayern, Niedersachen und Schleswig-Holstein waren es mehr. Allerdings beziehen sich die Zahlen, die die HUK Coburg erhebt, nur auf Menschen, die ihr Auto privat versichern. Flotten zählen nicht dazu.
2022 hatte Baden-Württemberg noch die höchste Bestandsquote an Elektroautos unter Privatleuten. Dann zogen andere Bundesländer vorbei. In Bayern haben demnach gut 3,9 Prozent der Privatleute ein Elektroauto, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein 3,8 Prozent.
Im Gegensatz zum Kraftfahrt-Bundesamt berücksichtigt die HUK Coburg bei ihren Daten nur den privaten E-Auto-Anteil inklusive Gebrauchtwagen. In diesem Jahr hat demnach bereits die Hälfte der E-Auto-Umsteiger einen Gebrauchtwagen gekauft.
Experten sehen erste Sättigung im Südwesten
Anzeichen für eine Abkehr von der Elektromobilität seien im Südwesten allerdings bei den aktuellen Zahlen nicht erkennbar, meinen Fachleute.
Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft sagte gegenüber dem SWR: Baden-Württemberg stehe beim absoluten Bestand an E-Autos weiterhin gut da. Dass in anderen Ländern derzeit mehr Menschen zum E-Antrieb wechselten, hänge auch mit einer ersten Sättigung des Marktes im Südwesten zusammen.
Laut ICCT (International Council on Clean Transportation) werden E-Autos in Deutschland vor allem von sogenannten "Early Adoptors" gekauft. Das sind Menschen, die über ein höheres Einkommen, Wohneigentum und eine gute Ladeinfrastruktur verfügen, erklärt Stefan Reindl.
Diese Gruppen seien in einem wohlhabenden, industriestarken Land wie Baden-Württemberg überdurchschnittlich vertreten - und hätten bereits in den Jahren 2019–2022 stark zugeschlagen. Konsequenz: Nun sei hier ein großer Teil der "einfach zu gewinnenden" Kunden bereits bedient.
Mehr Hamburger und Berliner finden E-Autos gut
Eine Umfrage, die die HUK Coburg quartalsweise mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov durchführt, ergab kürzlich, dass 42 Prozent der Baden-Württemberger Elektroautos grundsätzlich "gut" oder "sehr gut" finden.
Das liegt unter dem Bundesschnitt von 47 Prozent und ist der niedrigste Wert in westlichen Bundesländern. Zum Vergleich: In Hamburg und Berlin finden 67 Prozent beziehungsweise 61 Prozent der Menschen Elektroautos "gut" oder "sehr gut", in Bremen und dem Flächenland Niedersachsen sind es über 50 Prozent.
Auch ohne Prämie weg vom Verbrenner
Nach dem Wegfall der staatlichen Kaufprämie für Elektroautos Ende 2023 war die deutschlandweite Wechselquote zunächst deutlich auf 3,9 Prozent gefallen. Dieses Tief scheint überwunden.
Im dritten Quartal 2025 stieg die Quote auf den 2023er-Wert von 6,2 Prozent. Außerdem werden mehr E-Gebrauchtwagen gekauft, was auch an dem gestiegenen Angebot liegt. 2020 waren laut der Kfz-Versicherung beim Elektroumstieg nur etwa 10 Prozent aller Elektroautos gebraucht, 2025 war es über die Hälfte.
Für die Auswertung greift HUK Coburg auf die Daten von 14 Millionen Versicherten zurück, was knapp einem Viertel aller privat in Deutschland zugelassenen Pkw entspreche.