So präzise wie ein Finger im Wind

Wetter-Apps: Warum sie regional so ungenau sind

Vorhersagen versprachen Sonne für Baden-Württemberg - stattdessen liegt dichter Nebel über dem Land. Wieso Wetter-Apps keine lokalen Wetterereignisse erfassen können.

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Von Autor/in Levin Horst

Ein goldener Oktober - für viele Herbstfans sollte er nach dem verregneten Sommer die ersehnte Abwechslung bringen. Statt strahlender Sonne gibt es jedoch vielerorts dichten Nebel. Vorinstallierte Wetter-Apps auf Smartphones schüren dabei oft falsche Hoffnungen: Sie können lokale Wetterphänomene wie Nebel kaum vorhersagen und zeigen stattdessen Sonne an. Woran liegt das? SWR-Wetterexperten erklären die Gründe.

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Wetter-Apps: In Kürze erklärt

Hinter den Prognosen von Wetter-Apps stecken hochkomplexe Modelle, die unzählige Wetterdaten auswerten. Die Apps stützen sich dabei ausschließlich auf globale Wettermodelle, die Vorhersagen für die ganze Erde erstellen. Für die meisten Apps wird in der Regel das US-amerikanische Wettermodell Global Forecast System (GFS) verwendet. Dieses wird von der Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) betrieben.

Bei lokalen Wetterlagen stoßen globale Wettermodelle an ihre Grenzen. Globalmodelle wie das das GFS, das Europäische ECMWF oder das deutsche ICON des Deutschen Wetterdiensts (DWD) besitzen nur eine begrenzte räumliche Auflösung. Sie bilden die gesamte Erde in einem Raster aus Gitterpunkten ab, um atmosphärische Prozesse zu simulieren. Ein Gitterpunkt deckt dabei eine Fläche von rund 30 bis 60 Kilometern ab. "Dadurch gehen lokale Unterschiede verloren", erklärt SWR-Wetterexperte Gernot Schütz. Trotzdem werden diese Modelle häufig genutzt - sie sind global, kostenlos und überall verfügbar.

Unsere Apps sind manchmal so präzise, als würde man den Finger in den Wind halten.

Wenn die Wetter-App daneben liegt: Deshalb wird Nebel nicht erfasst

Gerade im Herbst zeigt sich die Schwäche dieser Systeme, wenn der Nebel häufig über dem Land liegt. Er entsteht sehr kleinräumig, meist in Tälern, über Wiesen oder in Senken. Globale Modelle können solche feinen Unterschiede nicht erfassen und zeigen Nebel daher oft erst an, wenn er schon entstanden ist. Die Folge: In der App wird Sonne angezeigt, während draußen dichter Nebel liegt.

Das liegt daran, dass sich in kalten Nächten feuchte Luft am Boden sammelt und darüber wärmere Luftschichten liegen bleiben - eine sogenannte Inversionslage. Diese wird in den Modellen als stabiles Hochdruckwetter interpretiert, also als sonnig. In Wirklichkeit bleibt die Sonne jedoch hinter einer dichten Nebeldecke verborgen.

Regionalmodelle liefern genauere Vorhersagen, haben aber auch Grenzen

Regionale Wettermodelle verfügen über ein deutlich dichteres Gitternetz und sind speziell auf die meteorologischen Bedingungen in Deutschland abgestimmt. Das ICON-D2-Modell des deutschen Wetterdiensts (DWD) deckt ganz Deutschland, die Schweiz, Österreich sowie Teile der übrigen Nachbarstaaten in einer Auflösung von 2,1 Kilometern ab - wesentlich präziser als globale Modelle. Es kommt unter anderem in der Warn-App des DWD zum Einsatz. Wer noch genauere Vorhersagen möchte, kann auf die kostenpflichtige Vollversion zugreifen.

Selbst mit Regionalmodellen lassen sich jedoch keine hundertprozentig genauen Ergebnisse erzielen - insbesondere in Regionen mit komplexen geografischen Verhältnissen wie dem Schwarzwald oder den Alpen, erklärt SWR-Wetterexperte Gernot Schütz. Darüber hinaus können sogenannte Föhnwinde die Vorhersage zusätzlich erschweren, fügt der Meteorologe hinzu: Während auf der einen Seite eines Berges die Sonne scheint, kann sich auf der anderen dichter Nebel bilden. "Nebel unter diesen Umständen korrekt vorherzusagen, ist fast unmöglich", ergänzt SWR-Wetterexperte Michael Kost.

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