Sechs Tipps

Psychotherapie: Wie bekommt man schnell einen Termin in BW?

Wer psychotherapeutische Hilfe in Baden-Württemberg sucht, braucht starke Nerven und Geduld. Dabei gibt es verschiedene Angebote, die bei der Suche helfen. Welche sind das?

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Für gesetzlich Versicherte ist die Suche nach einem Termin beim Psychotherapeuten mühsam. Oft sind viele Therapieplätze bereits besetzt, mit etwas Glück landen Betroffene auf einer langen Warteliste. Laut der Psychotherapeutenkammer vergehen bundesweit im Schnitt rund 20 Wochen, bis Patientinnen und Patienten einen Therapieplatz bekommen. Wie bekommt man schneller psychotherapeutische Hilfe in Baden-Württemberg?

Patientenservice 116 117 vermittelt Termine

Der Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) verspricht, schnell ein Erstgespräch mit Psychotherapeuten zu vermitteln. Betroffene melden sich dafür unter der Telefonnummer 116 117. Eine Überweisung vom Hausarzt ist laut KV nicht notwendig. In den vergangenen zwölf Monaten seien in Baden-Württemberg über den Terminservice monatlich rund 1.900 Sprechstunden vermittelt worden. Im besten Fall erhalten Betroffene innerhalb weniger Tage oder spätestens nach vier Wochen einen Termin.

Dabei handle es sich allerdings nicht automatisch um dauerhafte Therapieplätze, betont Petra Neumann von der Landespsychotherapeutenkammer in Baden-Württemberg. Das Erstgepräch diene in erster Linie zur diagnostischen Abklärung. Es könne trotzdem bis zu einem Jahr dauern, bis ein fester Therapieplatz vergeben wird.

Psychotherapeuten direkt anrufen

Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung kritisiert, dass die Terminservicestellen nicht den Schweregrad einer psychischen Erkrankung und die Dringlichkeit einer Behandlung feststellen könnten. Der Verband empfiehlt daher, die Praxen direkt anzurufen. Betroffene würden dabei die psychotherapeutische Sprechstunde "in einer angemessenen und zumutbaren Zeit" erreichen.

Neumann empfiehlt dazu die App Tamly. In der Anwendung werden alle in der Nähe befindlichen Praxen angezeigt, jeweils mit den telefonischen Erreichbarkeitszeiten. Die App verschickt als Erinnerung auch Push-Nachrichten und erinnert User so an die Sprechstundenzeiten, die von Psychotherapeut zu Psychotherapeut verschieden sind. Die Erfahrung zeige, dass den Betroffenen "mit der App vieles leichter fällt", sagt Neumann. Die App wurde vom gemeinnützigen Verein Ophelia entwickelt, um "den Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung zu verbessern", heißt es. Tamly kann bisher in Baden-Württemberg als auch in Berlin genutzt werden.

Psychotherapeuten in Ausbildung an Unikliniken

Eine weitere Möglichkeit, um an psychotherapeutische Hilfe zu kommen, gibt es bei angehenden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Mehrere Ausbildungsstätten in Baden-Württemberg bieten Therapieplätze bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) an. Auch an Universitätskliniken wird die Ausbildung angeboten.

Um nach einem PiA zu suchen, kann man auf die Liste der Ausbildungsstätten zugreifen und das passende Institut kontaktieren. Laut der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg wird die Therapie in den meisten Fällen von der Krankenkasse übernommen. Es kann jedoch zu längeren Wartezeiten kommen.

Psychologische Ambulanzen in Baden-Württemberg

Auch psychologische Ambulanzen bieten Hilfe. In erster Linie behandeln die Ambulanzen akute Fälle. Für Therapiesuchende können sie als Erstanlaufstelle dienen - eine Überweisung zu niedergelassenen Therapeutinnen und Therapeuten ist möglich.

Eine vollständige Liste aller psychotherapeutischen Ambulanzen in Baden-Württemberg gibt es nicht, da viele Angebote nicht zentral erfasst sind. In Stuttgart-Bad Cannstatt gibt es beispielsweise das Zentrum für seelische Gesundheit, eine Anlaufstelle sind auch die Zentren für Psychiatrie etwa in Calw, Emmendingen und Weinsberg (Kreis Heilbronn).

Behandlung bei Privattherapeuten - Kosten erstatten lassen

Wenn ein Betroffener trotz ärztlichem Dringlichkeitsbescheid keinen Platz bei einem Kassentherapeuten findet, kann er sich auch an einen Privattherapeuten wenden. In diesen äußersten Ausnahmefällen muss die Krankenkasse die Kosten für die Therapie erstatten. Laut der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung sind Terminwartezeiten unzumutbar, die länger als sechs Wochen dauern. Zudem sollten Betroffene mindestens fünf Kassentherapeuten erfolgslos kontaktiert haben, bevor sie sich an einen Privattherapeuten wenden. Für die Krankenkassen muss das als Nachweis dokumentiert werden. Ebenfalls sollte eine Dringlichkeitsbestätigung vom Hausarzt vorliegen. Wichtig: Patientinnen und Patienten sollten die Kostenerstattung vorab mit der Krankenkasse absprechen. Sonst könnten sie auf den Kosten sitzen bleiben.

Der Nachweis bei der Krankenkasse kann schriftlich erfolgen. Die AOK in Baden-Württemberg weist auf Anfrage des SWR darauf hin: Wichtig sind das Datum, die Uhrzeit und der Name der kontaktierten Praxis. Als Nachweis könne grundsätzlich auch die App Tamly genutzt werden. Bisher sei das zwar noch nicht der Fall gewesen, wäre aber in Form von Screenshots vorstellbar, so die AOK.

Selbsttherapie durch KI und Apps

Immer öfter vertrauen sich Menschen Chatbots an. Angesichts langer Wartezeiten auf einen Therapieplatz erscheint das für viele wie eine verlockende Lösung. Harald Baumeister, Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Ulm, sieht das kritisch. Ende Juli sagte er im Gespräch mit dem SWR, Anwendungen wie ChatGPT seien nicht zur Behandlung psychischer Krankheiten zugelassen worden.

Von Mental-Health-Chatbots wie etwa Wysa rät der Experte ab, diese seien zu wenig erforscht. Baumeister hält von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) für psychologische Erkrankungen mehr als von KI-Chatbots. Die gebe es jetzt schon auf Rezept und seien jahrzehntelang erforscht worden. Mit DiGA können sich Patientinnen und Patienten beispielsweise Therapiepläne erstellen lassen, die Aktivitäten und Übungen umfassen. Die Kosten dafür werden von den Krankenkassen übernommen.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Nicolas Friese
SWR-Redakteur Nicolas Friese.
Berkan Cakir
SWR Aktuell-Redakteur Berkan Cakir

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