Oliver Gekeler hat mit Schönheitsoperationen und Aktien ein Vermögen gemacht. In seinem Schlafzimmer in Reutlingen: eine vergoldete Decke, limitierte Lampen, ein maßgefertigter Teppich. Das 90 Quadratmeter große Zimmer kostete rund 100.000 Euro. "Ich versuche immer, etwas zu haben, was nicht jeder nachbauen kann", sagt Gekeler. Auch Weihnachten ist entsprechend großzügig. Sein achtjähriger Sohn hat dem Weihnachtsmann bereits einen Wunschzettel geschrieben: Neben einer Spielzeugpistole und einer Videospielkonsole stehen da auch 100 Euro.
Auch beim Einkaufen spielt der Preis kaum eine Rolle. Bio-Produkte sind Standard, das monatliche Lebensmittelbudget schätzt er auf 800 bis 1.000 Euro. Selbst einkaufen geht er nicht - das erledigt seine Frau. Und er erfüllt sich seine Kindheitsträume: Zum Beispiel einen Lamborghini für rund 350.000 Euro. Gekeler sagt, er hätte sich davon auch eine Wohnung kaufen können. Aber mit der wäre er "nicht von A nach B gekommen und hätte so viel Spaß gehabt."
Der Schönheitschirurg findet, dass er sich seinen Wohlstand hart erarbeitet habe. Ohne Unterstützung vom Staat.
Deutschland: Soziale Mobilität so gering wie in den USA
So wie Familie Gekeler lebt nur ein kleiner Teil der Menschen. In Baden-Württemberg verdienen die obersten zehn Prozent mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Das zeigen Zahlen des Statistischen Landesamtes.
Ich hätte mir auch eine Wohnung kaufen können dafür. Sicherlich. Aber mit der wäre ich nicht von A nach B gekommen und hätte so viel Spaß gehabt.
Nach aktuellen Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (ifo) gilt als reich, wer mehr als 250 Prozent des mittleren Einkommens verdient. Für Alleinstehende sind das 5.780 Euro netto im Monat, für Familien ab 12.140 Euro. Zu dieser Gruppe gehören nur rund vier Prozent der Bevölkerung. Zugleich zeigt die Studie: Soziale Mobilität - also die Chancen für einen gesellschaftlichen Aufstieg - ist in Deutschland seit den 1970er Jahren zurückgegangen, sie sinkt auch im internationalen Vergleich. Mittlerweile sind die Chancen, sich hoch zu arbeiten, etwa so niedrig wie in den USA.
Die Debatte darüber, ob sehr hohe Einkommen, große Vermögen und Erbschaften stärker besteuert werden sollten, flammt immer wieder auf. Eine Vermögenssteuer wurde 1996 ausgesetzt.
CDU-Steuerberater: Regierung will Steuerreform
Eine Steuerreform unterstützt auch der Steuerberater und CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hiller (Wahlkreis Nürtingen). In der SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" betonte er, dass die Regierung an einer Änderung der Einkommenssteuer arbeite. "Das ist ein Ziel im politischen Raum. Sowohl von unserer Fraktion als auch von der SPD-Fraktion in der Koalition." So besteuere die Einkommenssteuer kleine und mittlere Einkommen zu hoch.
Kein Weihnachten für dreifache Mutter
Wie stark sich die Lebensrealitäten in Baden-Württemberg unterscheiden, zeigt der Alltag einer alleinerziehenden Mutter. Peggy Franz lebt mit ihren drei Kindern in der Bodenseeregion. Das Geld ist so knapp, dass sie eine Bescherung ganz ausfallen lässt. "Dieses Jahr steht gar nichts auf dem Wunschzettel", sagt sie. "Weil wir dieses Jahr kein Weihnachten feiern."
Dieses Jahr steht gar nichts auf dem Wunschzettel. Was ich erarbeite, muss ich schnell wieder ausgeben für Lebensnotwendiges.
Franz arbeitet als Köchin, verdient rund 2.800 Euro netto im Monat. Mehr als die Hälfte davon geht künftig für die Miete drauf. Ihre alte Wohnung wurde gekündigt, aktuell lebt sie übergangsweise in einer Ferienwohnung. Erst im Januar kann sie in eine neue Wohnung umziehen. Dann stehen Kaution, neue Möbel und eine Waschmaschine an. "Ich arbeite und arbeite. Aber das, was ich hart erarbeitet habe, muss ich schnell wieder ausgeben. Für lebensnotwendige Sachen wie Miete, Fahrkosten, Essen."
Jeden Einkauf überlegt sich Peggy Franz genau. Sie hat ein Budget von 65 Euro. Das muss für Milch, Butter, Champignons, Toilettenpapier reichen. "Ich muss immer mitrechnen, damit ich mich an der Kasse nicht blamiere", gibt sie zu. Am Ende bleiben knapp 20 Euro übrig. Ihre Einkäufe bringt sie mit dem Fahrrad nach Hause. Ein Auto besitzt sie nicht.
Dabei würde sie sich selbst gern mal etwas gönnen. "Natürlich würde ich mich gerne mal so verwöhnen lassen. Kosmetik, Massage, so etwas." Und einen Traum hat sie schon lange: Sich mal eine Auszeit leisten zu können. "Das letzte Mal war ich vor etwa zwölf Jahren mit meinen Kindern weg", sagt Franz.
Schönheitschirurg: Lieber spenden als Abgaben zahlen
Oliver Gekelers Welt ist eine völlig andere. Aber er ist sich dessen bewusst: "Man lebt in seiner eigenen Blase, mehr oder weniger. Das ist mir durchaus bewusst." Doch er habe sich seinen Reichtum verdient und findet, er kann selbst entscheiden, ob und wie viel er von seinem Geld abgeben möchte. Etwa durch Spenden. Für ihn steht fest: Er möchte sich nicht für seinen Wohlstand schämen müssen. "Ich sage mir: Wenn jemand etwas geschafft und gearbeitet hat in seinem Leben, dann darf er das doch auch leben."