Viele Hunde in "schlechtem Zustand"

Illegaler Welpenhandel: Worauf muss man beim Kauf achten?

Im Online-Handel werden tausende Hunde angeboten - oft aus unseriösen Quellen. Wie erkennt man sie? Und was sollte man bei den geretteten Hunden aus dem Tierheim beachten?

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Von Autor/in Levin Horst

Immer wieder werden in Baden-Württemberg Transporter aus Osteuropa gestoppt, die Hundewelpen an Bord haben. Bestellt werden sie meist von ahnungslosen Käuferinnen und Käufern, die nicht wissen, dass sie mit ihrem Kauf "kriminelle und betrügerische Machenschaften" unterstützen, schreibt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.

Doch was passiert mit den Vierbeinern nach ihrer Rettung? Wie schwierig ist es, einen solchen Hund zu adoptieren? Und mit welchen gesundheitlichen Problemen müssen neue Halter rechnen? Expertinnen und Experten raten: Wer sich für einen Hund entscheidet, sollte vor allem eines mitbringen - Wissen.

Betrügerische Anzeigen: Herkunft der Welpen sollte genau überprüft werden

Wer auf Verkaufsportalen wie "Kleinanzeigen" oder in sozialen Netzwerken unterwegs ist, stößt schnell auf zahlreiche Angebote von vermeintlich niedlichen Welpen. Doch der Eindruck täuscht: "Aus tierärztlicher Sicht befinden sich Tiere aus illegalem Handel häufig in einem schlechten gesundheitlichen Zustand", sagt Tim Bogs, Vizepräsident der Landestierärztekammer. Viele Tiere seien "unzureichend versorgt und erheblichen Stresssituationen ausgesetzt".

Die Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord rät Interessierten grundsätzlich misstrauisch zu werden, wenn Tiere anonym angeboten werden oder wichtige Informationen fehlen - etwa wenn "keine Muttertiere gezeigt werden oder Impfpässe fehlen". Allerdings sind laut Bogs die Verkaufssituationen häufig so gestaltet, dass eine "Überprüfung der tatsächlichen Herkunft kaum möglich ist".

Letztlich muss der Käufer verstehen, wie viel Tierleid seine Entscheidung für ein Tier aus dem Welpenhandel mit sich bringt.

Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt zudem, durch eine Bildersuche zu prüfen, ob die Fotos von anderen Plattformen kopiert wurden. Verdächtig sei auch, wenn Anbieter die Übergabe nicht am eigenen Wohnort durchführen wollen, sondern öffentliche Treffpunkte vorschlagen. Bogs rät, das Tier vor Ort anzuschauen und dann persönlich zu übernehmen.

Vorsicht geboten: Welpenhandel kann Seuchen einschleppen

Auch wenn die Welpen augenscheinlich einen gesunden Eindruck machen, werden "Auffälligkeiten dann oft erst im Nachhinein sichtbar", sagt Bogs. Typisch seien Infektionskrankheiten wie Parvovirose oder Staupe, aber auch Parasitenbefall. Besonders kritisch sind die Transportbedingungen: "Insbesondere sehr junge sowie stark verzwergte Tiere besitzen nur geringe Energiereserven und sind hierfür besonders anfällig", sagt Bogs. Immer wieder komme es nach langen Transporten zu lebensbedrohlichen Zuständen bis hin zum Tod.

Auch Krankheiten, die für Menschen gefährlich werden können, spielen eine Rolle. Ein aktueller Fall aus Rheinland-Pfalz zeigt das Risiko: Ein illegal eingeführter Welpe starb an Tollwut - die Diagnose wurde erst nach seinem Tod gestellt.

Die besonders beliebten "Rassewelpen", wie Malteser, Zwergspitze oder Französische Bulldoggen, können zudem Qualzuchtmerkmale aufweisen und machen laut Bogs nicht selten umfangreiche tierärztliche Behandlungen bis hin zu chirurgischen Eingriffen erforderlich - diese sind letztlich von den Käuferinnen und Käufern zu tragen.

Die Folgen früher Aufzucht oder fehlender Sozialisation kann auch das Verhalten der Welpen später bestimmen, erwähnt Bogs. Dazu gehören etwa ausgeprägte Ängstlichkeit oder Aggressionsverhalten.

Was gilt es bei Hunden aus den Tierheimen zu beachten?

Laut einem Report der Tierschutzorganisation "VIER PFOTEN" wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 737 Tiere aus dem illegalen Handel sichergestellt. Nach der Beschlagnahmung durch Veterinär- und Polizeibehörden sind Tierheime in der Regel die erste Anlaufstelle, erklärt Martina Klausmann vom Landestierschutzverband. Dort werden die Tiere zunächst tierärztlich untersucht und - wenn nötig - behandelt. Tiere ohne gültige Impfpapiere müssen zudem aus "seuchenrechtlichen Gründen" einige Wochen in Quarantäne. Erst wenn ihr Gesundheitszustand stabil ist, entscheiden die Behörden über das weitere Vorgehen. Dann könnten "die Tiere sobald sie wieder stabil sind, dem Transporteur beziehungsweise Händler zurückgegeben" oder schließlich zur Adoption ab dem Alter von zehn bis zwölf Wochen freigegeben werden, erklärt Klausmann.

Wer darüber nachdenkt, einen Hund aus dem Tierheim aufzunehmen, braucht vor allem Geduld. "Notfalls muss man etwas warten und öfter mal vorbeischauen, bis man den 'Richtigen' dort findet", sagt Klausmann. Auch die Tierschutzorganisation PETA betont die Vorteile einer Adoption: Sie sei nicht nur kostengünstiger, sondern gehe in der Regel auch mit einer umfassenden Beratung und Unterstützung einher.

Landestierschutzverband: Aufklärung über Vermehrungszuchten soll Nachfrage mildern

Die Anschaffung eines Hundes sei immer eine langfristige Verantwortung über viele Jahre, betont Bogs. Entsprechend entscheidend seien Herkunft und Aufzuchtbedingungen der Tiere. Ein unüberlegter Kauf - vor allem über das Internet - habe jedoch direkte Folgen: "Mit dem Kauf von billigen Hunden aus dem Internet bleibt die Nachfrage weiterhin hoch", warnt Klausmann. Ein Ende der "tierquälerischen Vermehrungszuchten" sei so nicht in Sicht.

Um dem entgegenzuwirken, setzt das Landesministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz auf Aufklärung. Mit der Kampagne "FREI SCHNAUZE" sollen Bürgerinnen und Bürger über Qualzucht informiert werden, um fundierte Entscheidungen im Sinne des Tierschutzes zu treffen.

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Levin Horst
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