Wenn im Frühjahr neue Bienenköniginnen schlüpfen, beginnt für Imkerinnen und Imker eine besondere Zeit. Die Bienenvölker vermehren sich und gleichzeitig läuft die Suche nach widerstandsfähigen Bienen auf Hochtouren. In Baden-Württemberg setzen Züchter und Politik dabei jetzt mehr auf eine Art Tinder für Bienen.
Varroamilbe sorgt nach wie vor für massive Verluste
Der größte Feind der Honigbiene bleibt die Varroamilbe. Der Parasit befällt die Brut der Tiere und sorgt laut Experten jedes Jahr für massive Verluste. Die meisten mitteleuropäischen Bienenvölker, die eingehen, gingen auf das Konto der Varroamilbe, sagt Berufsimker Daniel Pfauth aus Schweighausen im Ostalbkreis. Er betreut selbst 300 Bienenvölker. Im Durchschnitt verliere er etwa fünf Prozent an die Milbe, sagt er. Er kenne aber auch Imker, bei denen es 50 oder sogar 70 Prozent waren.
Bislang müssen viele Imker ihre Völker regelmäßig behandeln - etwa mit Ameisen- oder Oxalsäure. Pfauth setzt nach eigenen Angaben zusätzlich auf biotechnische Verfahren, bei denen die Königin zeitweise eingesperrt wird. So könnten sich die Milben schlechter vermehren. Ideal sei das aber nicht: "Gut wäre es, wenn man das Behandeln weglassen könnte durch eine gute Zucht", so Pfauth.
Landesregierung will "Varroaresistenz 2033" unterstützen
Hier setzt das Projekt "Varroaresistent 2033" an, das zum ersten Mal ausdrücklich im neuen grün-schwarzen Koalitionsvertrag erwähnt wird. Ziel der Initiative ist die Züchtung einer varroaresistenten Honigbiene in ganz Europa. So soll ab 2033 komplett auf Chemie und Medikamente gegen die Varroamilbe verzichtet werden können.
Der Grünen-Landtagsabgeordnete und Hobby-Imker Ralf Nentwich beschreibt das Projekt als eine Art Liebesmatching - "sowas wie Bienen-Tinder, Bienen-Parship. Die besten Drohnen kommen mit den passenden Königinnen zusammen. Und dadurch werden die Bienen gegen die Varroamilbe resistenter."
Es ist ein bisschen wie ein Bienen-Tinder für Königinnen und Drohnen.
Ziel sei es dabei, Bienenvölker zu züchten, die befallene Brut selbst erkennen und aus dem Stock entfernen, erklärt Matthias Arndt, Zuchtkoordinator des Landesverbands der Buckfastimker Süd, der sich auf die Bienenrasse Buckfast spezialisiert hat. Einige Tiere hätten diese Fähigkeit bereits: Manche Bienen würden etwa besser riechen und könnten so erkennen, wenn sich in einer Brutzelle eine Varroamilbe ausbreitet, so der Experte. Andere Arbeiter-Bienen öffneten dann die betroffene Zelle und räumten die kranke Brut aus dem Stock. So werde der Vermehrungszyklus der Milbe unterdrückt.
Damit genau diese Eigenschaften weitervererbt werden, werden Königinnen gezielt mit ausgewählten Drohnen zusammengebracht - entweder auf abgelegenen Belegstellen oder durch eine künstliche Besamung. Letzteres laut dem Experten so gut wie immer erfolgreich: "Wir haben es inzwischen geschafft, das erfolgreich zu machen. Mindestens so gut wie die Natur".
Aber die Zucht sei aufwendig und zeitkritisch. Außerdem seien die Besamer rar: "Es gibt nur ganz wenige Experten, die das machen", so Zuchtkoordinator Arndt. Es gebe einen strikten Zeitplan, weil die Zucht saisonbedingt nur in bestimmten Wochen möglich sei.
Für die Landesregierung ist das Projekt wichtig genug, es erstmals in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. "Die Honigbiene ist unser drittwichtigstes Nutztier in Baden-Württemberg", sagt Landtagsabgeordneter Ralf Nentwich. Ein Großteil landwirtschaftlicher Erträge hänge direkt von der Bestäubung durch Honig- und Wildbienen ab.
Flächendeckende Basisresistenz soll aufgebaut werden
Neu ist das Projekt "Varroaresistenz 2033" nicht. Es wurde 2022 von mehreren europäischen Imkerverbänden gestartet. Das Land Baden-Württemberg unterstützt bereits seit Jahren Forschung und Zucht varroaresistenter Bienen. Aber bislang seien viele Projekte im Pilotstadium gewesen, so Nentwich. Jetzt solle die Zucht widerstandsfähiger Bienen stärker in die Fläche gebracht werden. "Es wird wirklich darum gehen, dass man diese Basisresistenz in die Imkerei, auch wenn es nur zwei oder drei Völker sind, reinbekommt", so Nentwich.
Der Landtagsabgeordnete schätzt die bisherige Förderung auf einen niedrigen sechsstelligen Bereich. Künftig könnte die Förderung jedoch deutlich höher sein. Nentwich hofft auf einen siebenstelligen Betrag, das werde man aber erst in den Verhandlungen sehen, so der Grünen-Politiker.
Für Imker Daniel Pfauth lohne sich die zusätzliche Arbeit im Projekt trotz Fördergeld bislang kaum: "Es kostet mich mehr, mitzumachen, als wenn ich in der Zeit Honig ernten würde". Während der Saison arbeitet der Imker nach eigenen Angaben oft 90 bis 100 Stunden in der Woche. Trotzdem beteiligt sich Pfauth seit Jahren an dem Zuchtprogramm - aus Überzeugung, sagt er. Denn für die Beteiligten steht fest: Ohne resistente Bienen wird der Kampf gegen die Varroamilbe langfristig kaum zu gewinnen sein.