Zwölf Tage nach der Ankündigung des Pharmaunternehmens BioNTech, den Konkurrenten CureVac zu übernehmen, hat CureVac-Vorstandschef Alexander Zehnder um die Zustimmung der Anleger geworben. Die Übernahme sei "ein wichtiger Meilenstein für CureVac und die Zukunft des Unternehmens", sagte Zehnder am Dienstag auf der virtuellen Hauptversammlung seines Unternehmens in Amsterdam. Dort fand das Treffen statt, da CureVac zwar seine Zentrale in Tübingen hat, den rechtlichen Sitz aber in den Niederlanden.
Der Deal sei "im besten Interesse" für das Unternehmen, sagte Zehnder. Davon würden auch die Aktionäre profitieren. Der Vorstand und der Aufsichtsrat unterstützten das Angebot von BioNTech voll und ganz, so der CureVac-Chef.
Am 12. Juni hatte BioNTech die Übernahme von CureVac mit einem Volumen von rund 1,25 Milliarden US-Dollar angekündigt. Die Mainzer wollen alle CureVac-Aktien per Aktientausch übernehmen. Eine finale Entscheidung dazu wird auf einer außerordentlichen CureVac-Hauptversammlung erwartet, die noch in diesem Jahr stattfinden soll.
Bundeskartellamt stimmt zu BioNTech darf seinen Konkurrenten CureVac übernehmen
Der Mainzer-Impfstoff-Hersteller BioNTech darf seinen Konkurrenten CureVac aus Tübingen übernehmen. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme erlaubt.
80 Prozent der CureVac-Aktionäre müssen Angebot annehmen
Für einen erfolgreichen Abschluss des Deals müssen mindestens 80 Prozent der CureVac-Anteilseigner dem Aktientausch zustimmen. Laut Zehnder gibt es schon eine Zustimmung von Aktionären, die zusammen mehr als 50 Prozent der Papiere besitzen.
Für die CureVac-Aktionäre dürfte der Deal lukrativ sein. Zum einen bedeutet das Angebot aus Mainz einen deutlichen Aufschlag von etwa 30 Prozent auf den derzeitigen Aktienkurs. Zum anderen entsteht durch die Zusammenführung der beiden Unternehmen ein größerer vielversprechender Akteur im globalen Pharmasektor.
Experte: BioNTech vor allem an CureVac-Patenten interessiert
Markus Manns, bei Union Investment verantwortlicher Portfoliomanager für Pharmazie und Biotechnologie, vermutet als Hauptgrund für BioNTechs Übernahmewunsch die Patente, die CureVac hält. Just diese Patente führten in den vergangenen Jahren zu einem Rechtsstreit zwischen den beiden Unternehmen: CureVac wirft dem Mainzer Rivalen vor, CureVac-Patente verletzt zu haben. BioNTech bestreitet das.
Manns zufolge hätte CureVac aber gute Chancen gehabt, den Prozess in Deutschland zu gewinnen. Durch die angestrebte Übernahme ist die juristische Auseinandersetzung hinfällig. "Der Gerichtsprozess über die CureVac-Patente geht jetzt in seine heiße Phase", so Manns. "Das heißt, jetzt ist eigentlich ein guter Zeitpunkt für BioNTech, wenn sie ihre Prozessrisiken und Schadensersatzklagen minimieren wollen, dass man eben CureVac übernimmt."
In SWR-Aktuell erklärt CureVac-Gründer Ingmar Hoerr, warum er die Fusion mit BioNTech für den richtigen Schritt hält:
Gemeinsam an neuen Krebs-Medikamenten arbeiten
Insofern ist der Deal eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Laut BioNTech-Chef Uğur Şahin wollen BioNTech und CureVac gemeinsam an neuen Medikamenten gegen Krebs auf Basis von sogenannten Boten-RNA (mRNA) arbeiten. Beide Unternehmen sind spezialisiert auf die mRNA-Technologie und wurden in der Corona-Pandemie allgemein bekannt. CureVac scheiterte allerdings mit einem Covid-Vakzin.
Das Unternehmen war zunehmend unter Druck und strich knapp ein Drittel der Stellen. Zudem verkaufte CureVac Lizenzrechte zur weiteren Entwicklung, Herstellung und Vermarktung bestimmter mRNA-Impfstoffe an den britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) und legte den Fokus verstärkt auf Forschung und Entwicklung.
CureVac-Chef: BioNTech bekennt sich zu Standort Tübingen
In diesem Bereich könnte der CureVac-Hauptstandort Tübingen auch künftig eine wichtige Rolle innerhalb des BioNTech-Konzerns spielen. Laut CureVac-Vorstandschef Zehnder gibt es von BioNTech ein Bekenntnis zu Tübingen. Dort arbeiten weit über 80 Prozent der insgesamt rund 700 CureVac-Mitarbeitenden. Zehnder sieht auch langfristig Potenzial für Tübingen.
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Das Mainzer Biotech-Unternehmen BioNTech will den Tübinger Konkurrenten CureVac übernehmen. Dessen Gründer Ingmar Hoerr hat das lange erwartet und sieht den Schritt als Chance.
BioNTech entwickelt sich zum Spezialisten für Krebsmedikamente
BioNTech entwickelte 2020 den ersten zugelassenen Covid-Impfstoff, positioniert sich mittlerweile aber als Onkologie-Spezialist: Das Unternehmen arbeitet an Krebs-Immuntherapien.
Erst kürzlich gab BioNTech eine Partnerschaft mit dem US-Pharmariesen Bristol Myers Squibb (BMS) bekannt, auch dabei geht es um ein neues Krebsmedikament - dessen Wirkstoff wurde allerdings nicht von BioNTech entwickelt, sondern von einem chinesischen Unternehmen, das Ende 2024 von BioNTech übernommen worden war. Erst der Deal in China, dann mit BMS, nun die Übernahme von CureVac: BioNTech arbeitet offenkundig strategisch an seinem Wachstum zu einem nationalen Champion in der Pharmaindustrie.