Experten diskutieren auf Klima-Kongress

Extremwettergefahr im Südwesten steigt - Sommer bei uns so heiß wie nie zuvor

Die Extremwettergefahr nimmt weltweit zu: Auch bei uns wird es immer heißer, das Risiko für Starkregen steigt. Fachleute beraten jetzt wieder, wie wir uns besser schützen können.

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Stand

Von Autor/in Katha Jansen, Stefanie Peyk

Die Klimakrise ist für viele Menschen im Südwesten längst spürbar. Laut Deutschem Wetterdienst war der vergangene Sommer der heißeste, der je in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gemessen wurde. In Zukunft wird sich die Situation weiter verschärfen.  

Extremwetterkongress bringt Experten zusammen

In dieser Woche treffen sich in Hamburg Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen zum 16. Extremwetterkongress. Dort werden neue Erkenntnisse vorgestellt und diskutiert. Unter anderem geht es um Extremwetter in Deutschland, um Hitze als Gesundheitsrisiko und um Klima-Anpassung.

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Klimazone Norditalien in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Auch im Südwesten werde man mit Voranschreiten der globalen Erwärmung mehr Wetterextreme erleben. Schon heute seien deutliche Veränderungen bei der Temperatur zu sehen, erklärt der Wetter- und Klimaexperte Frank Böttcher, der den Extremwetterkongress veranstaltet.

Schauen wir uns die Hitzetage über 30 Grad in Stuttgart an: In den 30 Jahren 1961 bis 1990 gab es davon 137. In den 30 Jahren bis 2020 waren es 296, also mehr als doppelt so viele. Und von 2021 bis 2050 erwarte ich rund 600 Tage. Damit erreicht der Südwesten eine Klimazone Norditalien.

Hitze, Dürren und Starkregen

Neben länger andauernden Hitzephasen steigt auch das Risiko für Starkregen. Wenn es schüttet wie aus Kübeln, können Keller volllaufen. Es kann aber auch zu so verheerenden Sturzfluten kommen wie 2016 im baden-württembergischen Braunsbach und 2021 im Ahrtal. Gleichzeitig dürfte es im Sommer in Zukunft längere Trockenzeiten geben, so der Deutsche Wetterdienst. In der Landwirtschaft fehlt dann das Wasser. Die Waldbrandgefahr nimmt zu. Im Rhein werden wir im Sommer und Herbst wohl häufiger extremes Niedrigwasser erleben.

Ein Feuerwehrmann steht vor der zerstörten Landgrafenbrücke nach der Flutkatastrophe im Ahrtal. Unwetterereignisse wie dieses werden laut Experten durch den Klimawandel häufiger vorkommen.
Die Landgrafenbrücke in Bad Neuenahr nach der Flut im Sommer 2021. picture alliance/dpa | Thomas Frey

Je nach Region und Landschaft variieren die konkreten Risiken, sagt Kongress-Präsident Frank Böttcher: "Alle Regionen werden betroffen sein. Im Schwarzwald werden die Fichtenbestände bis 2050 zum großen Teil verschwinden. In den Tälern der Mittelgebirge drohen Hochwasser-Ereignisse wie im Ahrtal und entlang des Oberrheins werden besonders heiße Sommertage, die vor 50 Jahren 35 Grad brachten, um 2050 bis zu 45 Grad bringen."

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Die Menschen müssten sich auf teils erhebliche Veränderungen und auch Gefahren einstellen. Deshalb sei es unverzichtbar, neben dem Klimaschutz auch Klimaanpassung zu betreiben, meint der Extremwetterexperte.

Klimaanpassung muss einfacher werden

Vielerorts wird inzwischen an der Anpassung an Klimawandelfolgen gearbeitet. Städte, Kommunen und Gemeinden bereiten sich vor. Manche mehr, andere weniger. Diese Anpassung läuft aber insgesamt noch zu langsam, kritisieren Experten. Auch Frank Böttcher betont, es dauere oft unnötig lange.

Studie: Eine halbe Million Extremwettertote

Extremwetter ist eine reale Bedrohung für das Leben vieler Menschen. Im Hitzesommer 2026 dürften allein im deutschen Südwesten mehr als 5.800 Menschen in Folge der Hitze gestorben sein. Das geht aus Schätzungen des Robert Koch-Instituts hervor.

Eine Studie der World Weather Attribution zeigt, dass die zehn weltweit tödlichsten Wetterereignisse seit 2004 mehr als eine halbe Million Menschen das Leben gekostet haben. Die Auswertung ist aus dem Herbst 2024, inzwischen dürfte sich die Zahl nochmal vergrößert haben.

Wirtschaftsfaktor Extremwetter

Extremwetter bedroht nicht nur ganz direkt das Leben, sondern auch den Wohlstand. Denn die Wetterextreme kosten uns jede Menge Geld. Ein einziger Tag mit Temperaturen ab 30 Grad Celsius verursache direkte Kosten von rund 431 Millionen Euro, hat das Forschungs- und Beratungsunternehmen Prognos berechnet.

Einer Schätzung von Greenpeace zufolge sind durch den Hitzesommer 2026 insgesamt mindestens 36 Milliarden Euro an wirtschaftlichen Schäden entstanden.

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Autor/in
Katha Jansen
SWR-Wirtschaftsredakteurin Katha Jansen
Stefanie Peyk
SWR-Umweltredakteurin Stefanie Peyk

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