Die Klimakrise ist für viele Menschen im Südwesten längst spürbar. Laut Deutschem Wetterdienst war der vergangene Sommer der heißeste, der je in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gemessen wurde. In Zukunft wird sich die Situation weiter verschärfen.
Extremwetterkongress bringt Experten zusammen
In dieser Woche treffen sich in Hamburg Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen zum 16. Extremwetterkongress. Dort werden neue Erkenntnisse vorgestellt und diskutiert. Unter anderem geht es um Extremwetter in Deutschland, um Hitze als Gesundheitsrisiko und um Klima-Anpassung.
85 Zentimeter tiefer als normalerweise Erholung nicht in Sicht: Auch im Herbst historisch niedriger Bodenseepegel
Nach einem trockenen und heißen Sommer liegt der aktuelle Bodenseepegel unter dem historischen Minimalwert. Ein Anstieg ist laut Experte in den kommenden Monaten unwahrscheinlich.
Klimazone Norditalien in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
Auch im Südwesten werde man mit Voranschreiten der globalen Erwärmung mehr Wetterextreme erleben. Schon heute seien deutliche Veränderungen bei der Temperatur zu sehen, erklärt der Wetter- und Klimaexperte Frank Böttcher, der den Extremwetterkongress veranstaltet.
Schauen wir uns die Hitzetage über 30 Grad in Stuttgart an: In den 30 Jahren 1961 bis 1990 gab es davon 137. In den 30 Jahren bis 2020 waren es 296, also mehr als doppelt so viele. Und von 2021 bis 2050 erwarte ich rund 600 Tage. Damit erreicht der Südwesten eine Klimazone Norditalien.
Hitze, Dürren und Starkregen
Neben länger andauernden Hitzephasen steigt auch das Risiko für Starkregen. Wenn es schüttet wie aus Kübeln, können Keller volllaufen. Es kann aber auch zu so verheerenden Sturzfluten kommen wie 2016 im baden-württembergischen Braunsbach und 2021 im Ahrtal. Gleichzeitig dürfte es im Sommer in Zukunft längere Trockenzeiten geben, so der Deutsche Wetterdienst. In der Landwirtschaft fehlt dann das Wasser. Die Waldbrandgefahr nimmt zu. Im Rhein werden wir im Sommer und Herbst wohl häufiger extremes Niedrigwasser erleben.
Je nach Region und Landschaft variieren die konkreten Risiken, sagt Kongress-Präsident Frank Böttcher: "Alle Regionen werden betroffen sein. Im Schwarzwald werden die Fichtenbestände bis 2050 zum großen Teil verschwinden. In den Tälern der Mittelgebirge drohen Hochwasser-Ereignisse wie im Ahrtal und entlang des Oberrheins werden besonders heiße Sommertage, die vor 50 Jahren 35 Grad brachten, um 2050 bis zu 45 Grad bringen."
Sturm, Gewitter, Feuer Nach heftigen Unwettern: Welche Versicherung zahlt was?
Unwetter verursachen öfter Schäden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Eigentümer und Mieter sind teils nicht versichert oder unzureichend informiert über Versicherungen.
Die Menschen müssten sich auf teils erhebliche Veränderungen und auch Gefahren einstellen. Deshalb sei es unverzichtbar, neben dem Klimaschutz auch Klimaanpassung zu betreiben, meint der Extremwetterexperte.
Klimaanpassung muss einfacher werden
Vielerorts wird inzwischen an der Anpassung an Klimawandelfolgen gearbeitet. Städte, Kommunen und Gemeinden bereiten sich vor. Manche mehr, andere weniger. Diese Anpassung läuft aber insgesamt noch zu langsam, kritisieren Experten. Auch Frank Böttcher betont, es dauere oft unnötig lange.
Studie: Eine halbe Million Extremwettertote
Extremwetter ist eine reale Bedrohung für das Leben vieler Menschen. Im Hitzesommer 2026 dürften allein im deutschen Südwesten mehr als 5.800 Menschen in Folge der Hitze gestorben sein. Das geht aus Schätzungen des Robert Koch-Instituts hervor.
Eine Studie der World Weather Attribution zeigt, dass die zehn weltweit tödlichsten Wetterereignisse seit 2004 mehr als eine halbe Million Menschen das Leben gekostet haben. Die Auswertung ist aus dem Herbst 2024, inzwischen dürfte sich die Zahl nochmal vergrößert haben.
Wirtschaftsfaktor Extremwetter
Extremwetter bedroht nicht nur ganz direkt das Leben, sondern auch den Wohlstand. Denn die Wetterextreme kosten uns jede Menge Geld. Ein einziger Tag mit Temperaturen ab 30 Grad Celsius verursache direkte Kosten von rund 431 Millionen Euro, hat das Forschungs- und Beratungsunternehmen Prognos berechnet.
Einer Schätzung von Greenpeace zufolge sind durch den Hitzesommer 2026 insgesamt mindestens 36 Milliarden Euro an wirtschaftlichen Schäden entstanden.