Lena Grabenauer steht vor einem verwilderten Grundstück in Mechtersheim (Rhein-Pfalz-Kreis). Es liegt am Hang, Brombeersträucher wuchern auf dem Boden, drei alte Kirschbäume stehen in der Mitte. Seit 15 Jahren schon wird hier nichts mehr angebaut. Lena Grabenauer will das ändern. Die junge Landwirtin plant genau hier einen "syntropischen Agroforst". Es ist ein, sagt sie, bisher einmaliges Vorhaben in der Pfälzer Landwirtschaft.
Syntropischer Agroforst: Kräuter, Beeren, Nüsse und Obst auf einer Fläche
In diesem Herbst will Grabenauer das Grundstück bepflanzen, mit Hunderten Bäumen, Sträuchern und Kräutern gleichzeitig. Hier sollen heimische und exotische Beeren wachsen, Aprikosen und Mandeln, Pinien und Esskastanien. Die Kräuter will sie schon im nächsten Jahr ernten, Jahre später die Aprikosen, sehr viel später die Kastanien. "Das heißt, ich pflanze nicht nur eine Nussplantage oder eine Kräuterplantage, ich pflanze quasi alles übereinander", sagt Lena Grabenauer.
Auf diesem Hanggrundstück und auf anderen Flächen bei Mechtersheim will die 27-Jährige die ganz großen Themen der Landwirtschaft angehen: widerstandsfähiger werden gegen Extremwetter wie Dürren oder Starkregen, Ernteausfälle kompensieren, Biodiversität fördern, den Boden fruchtbar halten.
Ich will ein System entwickeln, das Dürren länger aushält, das Starkregen besser abkann, wo durch Hagel kein Komplettausfall stattfindet.
Ziel: Sicher Lebensmittel produzieren trotz Klimakrise und Extremwetter
Grabenauer will eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln trotz Klima- und Biodiversitätskrise. "Das muss besser gehen", sagt sie. Im syntropischen Agroforst sieht sie einen Lösungsansatz.
Doch der Extremsommer hat in die Pläne der 27-Jährigen eine finanzielle Lücke gerissen. Die Äpfel auf den Obstwiesen, die sie im Februar übernommen hat, hatten teilweise Sonnenbrand und konnten nicht verarbeitet werden. Sie musste Geld für die Bewässerung in die Hand nehmen. Dazu kamen noch teure Reparaturen von Maschinen.
Landwirtin aus Mechtersheim hofft auf Baumspenden
"Ich kann das alleine nicht stemmen", sagt die Landwirtin. Sie hofft auf Spenden und Hilfe beim Pflanzen im Herbst. Sie hat sich die Aktion "Pflanz mir einen Baum" ausgedacht. Für 30 Euro verspricht sie, einen Baum in ihrem Agroforst zu pflanzen und sich um ihn zu kümmern. Sie will Menschen ansprechen, die etwas tun wollen für Klimaschutz und Artenvielfalt, für eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet.
100 gespendete Bäume wären sehr gut, sagt sie, mit 200 wäre sie "über alle Maßen glücklich": "Dann könnte ich diese Fläche komplett und auf einmal bepflanzen".
Bäume für syntropischen Agroforst werden im Herbst gepflanzt
Neben dem Geld fehlt für den syntropischen Agroforst aber noch etwas anderes: Regen. Grabenauer führt ein Wettertagebuch. Wenn es in den vergangenen Wochen geregnet habe, dann meistens ein paar Orte weiter, "der Regen ist oft an uns vorbeigezogen". Vor der großen Pflanzung im Herbst aber muss der Boden feucht werden.
Wie schnell die 27-Jährige ihre Vision vom syntropischen Agroforst in der Pfalz umsetzen kann, werden die nächsten Wochen zeigen. Genug Energie hat die Landwirtin: "Ich brenne für mein Projekt und ich glaube daran, dass es funktioniert."