Biologischer Wintermantel

Welche Folgen hat plötzlicher Frost für Pflanzen und Stechmücken?

Die Folgen von plötzlichem Frost für die Natur sind vielfältig. Der Temperatursturz ins Minus stresst sogar winterharte Pflanzen. Gibt es auch Vorteile durch den Kälteeinbruch?

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Stand

Von Autor/in Sabine Stöhr, Petra Thiele

Zum Jahreswechsel kam plötzlich der Winter. Mittlerweile sind klare Nächte, Ostwind, Schnee und Minusgrade fast schon etwas Besonderes. Durch die Klimaveränderung sind unsere Winter wärmer geworden.  

Dieser Winter war bisher auch einer, der eher an November erinnerte: viel Grau, wenig Schnee, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Der abrupte Temperaturwechsel ins Minus fordert den Pflanzen nun einiges ab.  

Wie gehen Pflanzen grundsätzlich mit Kälte um? 

Viele Pflanzen sind erstaunlich winterhart, weil sie sich im Herbst schon "abhärten". Dabei fahren sie ihren Stoffwechsel herunter und lagern Zucker und andere Schutzstoffe ein. So reduzieren Pflanzen sogenanntes freies Wasser in empfindlichen Zellen und schaffen sich so etwas wie einen biologischen Wintermantel.

Kommt die Kälte langsam und bleibt stabil, ist Frost für viele Gehölze und Stauden dann Teil der normalen Winterpause - sie können der Kälte entspannt trotzen. Das, was jetzt gerade passiert, ist allerdings Stress für die Natur: Weil der Winter lange mild war, sind die Pflanzen möglicherweise nicht komplett in den Schutzmodus gegangen, haben vielleicht auch schon Knospen aktiviert. Die abrupten Minustemperaturen jetzt haben sie also buchstäblich kalt erwischt.

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Welche Folgen kann ein Temperatursturz haben?

So ein schneller Temperatursturz kann bereits angelegte Blüten und Knospen schädigen, vor allem, wenn sie schon weit entwickelt sind. Das zeigt sich später daran, dass die Pflanzen weniger blühen und weniger Früchte ansetzen. Dann ernten wir auch später weniger.

Schwierig wird es auch, wenn zusätzlich eine isolierende Schneedecke fehlt. Dann kann der Boden stärker auskühlen und tiefer durchfrieren: Flach wurzelnde Stauden und frisch gepflanzte Gehölze spüren das zuerst, können im Zweifel nicht gegensteuern und sterben ab.

Außerdem droht auch Trockenheit durch Frost: Immergrüne Pflanzen verdunsten auch im Winter Wasser. Wenn der Boden gefroren ist, können sie daraus nichts nachziehen. Dann werden Blattränder braun, Nadeln verlieren Glanz, ganze Partien wirken wie verbrannt. Häufig sieht man das aber erst mit etwas Verzögerung.

Sterben dank Frost Stechmücken?

Frost ist kein kompletter Ausschalter. Ob Mücken sterben, hängt davon ab, in welchem Stadium sie überwintern. Manche Arten - wie beispielsweise die Hausmücke, die wir oft als Schnake bezeichnen - überstehen den Winter als erwachsenes, begattetes Weibchen. Vor ihrem Ruhezustand hat sie sich in Kellern, Schuppen oder Garagen versteckt. Dort ist die Hausmücke dann weitgehend vor starkem Frost geschützt.

Viele andere Stechmücken dagegen überwintern als Eier, die erstaunlich kälteresistent sein können. Auch bei der invasiven asiatischen Tigermücke überwintern die Eier. Nur Larven und Puppen in kleinen Wasserstellen wie Pfützen oder Regentonnen sterben, wenn die Wasserstellen komplett durchfrieren. Ein Frostschub kann also die Mückenpopulation eindämmen, löscht sie aber meist nicht aus: Entscheidend sind am Ende die Dauer und die Tiefe der Kälte und ob Verstecke frostfrei bleiben.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Sabine Stöhr
Porträtfoto der SWR4 Moderatorin Sabine Stöhr, lächelnd
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele

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