Superkolonien mit Millionen Tieren

Invasive Ameisen erobern den Südwesten - So verbreiten sie sich

Sie kommt aus dem Mittelmeerraum und ist inzwischen auch bei uns im Südwesten eine echte Plage - die invasive Ameisenart Tapinoma magnum. Aber wie kommt sie eigentlich hierher?

Teilen

Stand

Sie ist zwischen zwei und vier Millimetern groß, komplett schwarz gefärbt und breitet sich im Südwesten aus wie keine andere Ameisenart. Die invasive Ameise Tapinoma magnum wird immer öfter in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gesichtet.

Große Schäden durch invasive Ameisen

Das Problem: Sie verursacht vielerorts Schäden auf Grundstücken oder auch an kritischer Infrastruktur. Die eingeschleppte Art ist ein sogenannter opportunistischer Nester. Das heißt, die Ameisen suchen auch vom Menschen gemachte Orte, um dort Nester zu bauen.

Da die Art aus dem Mittelmeerraum eingewandert ist, hat sie es auf warme und trockene Höhlungen abgesehen. So hat die Ameise zum Beispiel bereits für Stromausfälle, gesperrte Spielplätze und unpassierbare Gehwege gesorgt. Wissenschaftler untersuchen aktuell, ob Tapinoma auch heimischer Arten verdrängt. Fest steht: Sie ist aggressiver als unsere Ameisen hierzulande.  

Wie kommen die Ameisen in den Südwesten?

Gerhard Heller von der Deutschen Ameisenschutzwarte e.V. aus Ingelheim hat einen konkreten Verdacht: Tapinoma wird mit mediterranen Gewächsen eingeschleppt. Er hatte die Ameisenart 2009 als erstes in Deutschland entdeckt - damals auf dem Gelände einer Baumschule.

Im Nachbarland Frankreich ist dieses Problem bereits länger bekannt. Dort werden immer wieder Ameisen in Baumschulen und Pflanzencenter gefunden. Eine Meldepflicht dafür gibt es jedoch weder in Frankreich noch in Deutschland.

An der Verschalung eines Hochbeets krabbeln Ameisen der invasiven Art Tapinoma magnum.
An der Verschalung eines Hochbeets krabbeln Ameisen der invasiven Art Tapinoma magnum. picture alliance/dpa | Uli Deck

Stichprobe: Invasive Ameisen kommen aus Baumärkten

Eine Recherche des SWR zeigt: Auch im Südwesten konnte Tapinoma in Pflanzkübeln in diversen Baumärkten gefunden werden. Zwischen Mainz und Karlsruhe wurden 14 Märkte überprüft. In fünf Proben befanden sich Kolonien der Ameisen. So können die Tiere in den Vorgärten der Kunden und Kundinnen landen und sich dort entsprechend ausbreiten.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Maßnahmen gegen Ameisen-Ausbreitung

Baumärkte sind sich der Problematik bewusst. Gegenüber dem SWR sagte ein Baumarktbetreiber, dass es eine Prüfung zu Auffälligkeiten in Bezug auf Ameisen oder Insektenbefall gibt. Eine genaue Überprüfung, um welche Art es sich bei den Ameisen handelt, könne jedoch nicht durch die Handelsunternehmen erfolgen. Dennoch würden Maßnahmen gegen Ameisen ergriffen werden, wenn sie auffallen. Auch würde der Vorgang mit Lieferanten geklärt werden.

Für Kundinnen und Kunden heißt das aber auch: Augen auf beim Pflanzenkauf. Wer die Tiere nicht sieht, könnte sich ein Nest in den Garten pflanzen.

Am Bordstein einer Strasse krabbeln Ameisen (Symbolbild: Tapinoma magnum)
Die invasiven Ameisen sind bis zu vier Millimetern groß und komplett schwarz gefärbt. picture alliance/dpa | Uli Deck

Wege, um die invasiven Ameisen loszuwerden

Die Bekämpfungsstrategien gegen Tapinoma magnum sind vielfältig, auch in Baden-Württemberg. In Esslingen wurden sie zum Beispiel mit einem Köder-Gel bekämpft und die Ausbreitung erfolgreich eingedämmt. In Tübingen hatten Anwohner mittels Hochdruckreiniger heißen Wasserdampf in Mauerritzen, unter Platten und in Löcher gespritzt und die Krabbler so getötet.

Tapinoma-Ameisen werden in Tübingen im Beethovenweg mit kochendem Wasser bekämpft. Die Anwohner sind erfolgreich gegen die invasiven Tiere vorgegangen.
Hartnäckigkeit zahlt sich aus: Schon seit Monaten bekämpfen die Anwohnerinnen und Anwohner in Tübingen die invasiven Ameisen. Heißes Wasser und vor allem ein Hochdruckreiniger haben jetzt gewirkt. Jochen Krumpe

Ameise auch mit Kieselgur erfolgreich bekämpft

In Rheinland-Pfalz wird bei der Bekämpfung vor allem auf Kieselgur gesetzt. Die besteht aus fossilen Kieselalgen und wird in Pulverform auf die betroffenen Stellen gegeben. Die Ameisen laufen durch das Pulver, verletzen dabei ihre Schutzschicht an den scharfen Kanten des Mittels und trocknen aus.

Das Mittel kann in Baumärkten gekauft werden - beim Auftragen sollte man allerdings eine Sicherheitsbrille, Handschuhe und einen Atemschutz tragen, um das Einatmen des Pulvers zu vermeiden. 

Edenkoben

Ameisenplage in der Pfalz Edenkoben: Ameisenplage Tapinoma Magnum erfolgreich bekämpft

Im Mai wurde in der VG Edenkoben erstmals das Vorkommen der Ameisenart Tapinoma magnum bestätigt. Mit Kieselgur und Nematoden und sollen die Ameisen nun verdrängt worden sein.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Tübingen

Tapinoma-Ameisen nicht mehr zu sehen Anwohner in Tübingen kämpfen erfolgreich gegen invasive Ameisen - es krabbelt nicht mehr

Invasive Tapinoma-Ameisen sind vielerorts eine Plage. In Tübingen wurden sie jetzt erfolgreich bekämpft - erst mit kochend heißem Wasser, dann mit einem Hochdruckreiniger.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!