Nach Übergriffen im Landauer Nachtleben

Gleichstellungsbeauftragte verteilen in Landau Armbänder gegen K.o.-Tropfen

In der Südpfalz wollen die Gleichstellungsbeauftragten auch im kommenden Jahr über die Gefahren durch K.o.-Tropfen informieren. Bei einem Streifzug durch das Landauer Nachtleben haben sie schnell gemerkt, dass sie mit dem Thema einen Nerv getroffen haben.

Teilen

Stand

Als sich mehrere Gleichstellungsbeauftragte aus der Südpfalz am ersten Adventswochenende ins Landauer Nachtleben gestürzt haben, um junge Frauen auf sexualisierte Gewalt anzusprechen, wussten sie nicht, was sie erwarten würde. "Ich habe gedacht, die nehmen schnell einen Flyer mit: "Alles klar, danke, auf Wiedersehen", so Isabell Stähle von der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße: "Aber die waren total offen - junge Frauen, aber auch junge Männer. Die sind stehengeblieben, und haben sich minutenlang mit uns unterhalten."

Die Gleichstellungsbeauftragten haben im Landauer Nachtleben über K.o.-Tropfen informiert
Isabelle Stähle, Gleichstellungsbeauftragte im Kreis Südliche Weinstraße Kreis SÜW; Kreis Germersheim; Stadt Landau

Übergriffe im Landauer Nachtleben

Der Anlass für die Aktion: Im Sommer haben sich gleich mehrere junge Frauen an Laura Hess gewandt, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Landau, und über sexuelle Übergriffe im Landauer Nachtleben berichtet. Daraus entstand die Idee, dass Hess zusammen mit ihren Kolleginnen aus den Kreisen Germersheim und SÜW und einer Mitarbeiterin des Frauenzentrums Aradia in Landau über sexualisierte Gewalt informiert - spät am Freitagabend mitten in der Landauer Fußgängerzone. Außerdem haben sie Tüten mit einem K.o.-Tropfen-Band an die Nachtschwärmer verteilt, mit dem Getränke auf das chemische Betäubungsmittel getestet werden können. Dazu wird ein Tropfen auf ein Testfeld getupft und nach spätestens zwei Minuten zeigt sich ein Ergebnis: Färbt sich das Feld blau, enthält das Getränk vermutlich K.o.-Tropfen.

Unsere Message war: Bleibt beisammen, bleibt in der Gruppe, achtet aufeinander, schaut, dass ihr nicht getrennt werdet.

"Als die mitbekommen haben, dass es um K.o.-Tropfen geht, wurden die sofort hellhörig," erzählt Isabelle Stähle. Sie habe mit kurzen Begegnungen im Vorbeigehen gerechnet. Stattdessen seien da spät am Abend auf der Straße richtige Gespräche entstanden. "Viele haben sich einfach total gefreut, dass sich jemand für sie und das Thema interessiert", so der Eindruck von Laura Hess.

Die Gleichstellungsbeauftragten haben im Landauer Nachtleben über K.o.-Tropfen informiert
Laura Hess, Gleichstellungbeauftragte der Stadt Landau Kreis SÜW; Kreis Germersheim; Stadt Landau

Denn: Einige der angesprochenen Frauen seien selbst bereits Opfer von K.o.-Tropfen geworden. "Erschütternd" sei einiges von dem gewesen, was den Gleichstellungsbeauftragten da anvertraut wurde. Auch danach hätten sich noch mehrere junge Frauen gemeldet, die den Verdacht haben, ihnen könnte beim Feiern was ins Glas gemischt worden sein. "Die vermitteln wir dann an Aradia", so Isabell Stähle: "Der Frauennotruf kann konkrete Kriterien benennen, inwieweit K.o.-Tropfen mit im Spiel gewesen sein könnten und hilft auch beim Kontakt mit der Polizei." Aber das Wichtigste: "Vor allem wird diesen Frauen zugehört!"

Die Gleichstellungsbeauftragten haben im Landauer Nachtleben über K.o.-Tropfen informiert
Die Gleichstellungsbeauftragten haben im Landauer Nachtleben über K.o.-Tropfen informiert und Tüten mit Drinkcheck-Armbändern und Notfallnummern verteilt Kreis SÜW; Kreis Germersheim; Stadt Landau

Auch Männer können Opfer werden

Auch die jungen Männer seien bei den Gesprächen sehr aufgeschlossen und interessiert gewesen, sagt Isabelle Stähle: "Einer hat auch gefragt, ob er was von unseren Materialien für seine Freundin mitnehmen dürfe." Doch: Auch Männer können Opfer von K.o.-Tropfen werden: "Es gab Fälle, wo Männer betäubt und ausgeraubt wurden." Auch der SWR hat in diesem Jahr über entsprechende Fälle berichtet.

Pirmasens

Diebstahl nach K.o. Frau aus Pirmasens soll Männer mit K.o.-Tropfen betäubt und ausgeraubt haben

In zwei Fällen soll eine Frau aus Pirmasens Männer betäubt und anschließend ausgeraubt haben. Dafür ist sie jetzt in Untersuchungshaft gekommen.

SWR4 am Nachmittag SWR4

2026 geht es weiter

"Diese Rückmeldungen machen klar, wie dringend notwendig kontinuierliche Präventionsarbeit ist. Wir müssen weiter informieren, sensibilisieren und unterstützen“, betonen die Gleichstellungsbeauftragten. Deswegen werden sie auch im kommenden Jahr wieder im Nachtleben in der Südpfalz unterwegs sein. Und sie nehmen die Wirte in die Pflicht: "Schutz vor K.O.-Tropfen ist eine gemeinsame Verantwortung. Jede Bar und jeder Club kann zu einem sicheren Ort beitragen."

Speyer

Kurz vor den Ferien Schülerinnen in Speyer erhalten Armband gegen K.o.-Tropfen

Der ZONTA-Club Speyer-Germersheim verteilt Armbänder gegen K.o.-Tropfen. Am Edith-Stein-Gymnasium und der Edith-Stein-Realschule wurden Mädchen über die Gefahren der Drogen aufgeklärt.

Landau

Prozess vor dem Landgericht Landau Hat ein Mann in der Südpfalz seine Ehefrau mit K.o.-Tropfen betäubt und missbraucht?

Eine Frau wirft ihrem Ex-Mann vor, sie während ihrer Ehe mit Drogen und Alkohol ruhig gestellt und missbraucht zu haben. Zu Prozessbeginn am Landgericht Landau hat der Beschuldigte alle Vorwürfe vehement abgestritten.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Ludwigshafen

Jetzt die SWR Aktuell App runterladen Aufs Handy: Nachrichten aus Ludwigshafen, der Süd- und Vorderpfalz

Die SWR Aktuell App bringt Ihnen kurz und knapp alles Wichtige auf Ihr Smartphone. Sie bekommen auch gezielt Nachrichten aus Ludwigshafen und der Pfalz. So funktioniert's:

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!