Der Rhein ist einer unserer wichtigsten Flüsse im Südwesten. Doch im Wasserstrom fließt auch Müll - und zwar viel mehr als gedacht. Leandra Hamann, Biologin an der Universität Bonn, hat die Müllmenge wissenschaftlich untersucht. Schätzungsweise mehr als 50.000 Müllteile schwimmen jeden Tag durch den Rhein - innerhalb eines Jahres kommt eine Gesamtmenge von 3.000 bis zu 4.700 Tonnen zusammen.
Laut Hamann ist alles zu finden, was Menschen auch zuhause haben. Die größte Menge Müll entfällt auf Plastikfragmente und Plastikflaschen. Und - für die Forscherin überraschend - auch erstaunlich viel Feuerwerk: Fast zehn Prozent des schwimmenden Abfalls entfällt auf Feuerwerkskörper.
Falsch entsorgter Müll ist das größte Problem
Ein Teil des Mülls im Rhein kommt etwa aus dem Straßenverkehr oder von Baustellen, schätzungsweise mehr als die Hälfte sind aber Gebrauchsgegenstände. Und diese gelangen wahrscheinlich nur deswegen in den Fluss, weil Menschen ihren Abfall falsch entsorgen.
Das Problem bei der Ursprungs-Bestimmung: Der gesammelte Müll ist häufig so klein und in Fragmente zerfallen, dass er sich kaum identifizieren lässt. Mikroplastik kann viele negative Effekte haben - zum Beispiel auf Kleinstlebewesen im Wasser, aber auch auf uns Menschen.
Forscher untersuchen Müll größer als 2,5 Zentimeter
Zu Mikroplastik gibt es bereits einiges an Forschung. Auch deshalb hat Biologin Leandra Hamann mit ihrem Forschungsteam Makro-Abfallteile gesammelt - vor allem solche, die größer als 2,5 Zentimeter sind. Gesammelt wurde der Müll mithilfe einer sogenannten "Müllfalle". Das ist eine Art schwimmendes Floß, das im Rhein verankert ist und mehr als ein Jahr lang das Wasser mit Hilfe von Gittern nach Müll durchsiebte.
Die Falle filtert den Angaben zufolge etwa ein Prozent des Rheinwassers. Der Verein K.R.A.K.E. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) e.V. betreibt sie. Auf diese Weise haben auch Freiwillige an der Studie mitgewirkt. Für Biologin Hamann kann die Untersuchung aber nur der Anfang sein.
Ich denke, dass unsere Studie ein guter Hinweis ist, dass viel mehr Müll im Rhein ist, als wir gedacht haben. Und wir müssen uns viel mehr mit den negativen Auswirkungen beschäftigen.
Weniger Müll im Rhein durch erweitertes Pfandsystem?
Lösungen für das Müllproblem beginnen laut Hamann an der Quelle des Abfalls: Die Forscherin schlägt etwa vor, das Pfandsystem zu erweitern - zum Beispiel um Wein- oder Schnapsflaschen. Denn auch die hat das Team im Rheinwasser gefunden.
Beim Thema Feuerwerk gibt es außerdem bereits eine Diskussion, ob es nur beschränkt zugelassen werden sollte oder zumindest nicht in der Nähe des Rheins oder generell lediglich fernab von Flüssen. Um die Müllmenge insgesamt zu reduzieren, hält es Leandra Hamann für unerlässlich, viele Wege zu gehen und verschiedene Strategien auszuarbeiten.