Ernte 2026

Macht der steigende Mindestlohn Obst und Gemüse zu teuer?

Der Mindestlohn steigt auch für ausländische Erntehelfer. Macht das den Obst- und Gemüseanbau bei uns unrentabel? Werden die Preise für Spargel, Salat oder Äpfel in die Höhe gehen?

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Von Autor/in Dominik Bartoschek

Ein Frühjahr ohne Erdbeeren und ohne Spargel aus Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg: kaum vorstellbar für Menschen, denen Obst und Gemüse aus der Region wichtig ist. Doch glaubt man einigen Stimmen aus der Landwirtschaft, dann könnte dieses Szenario bald Realität werden. Denn ab Januar 2026 steigt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 12,82 Euro auf 13,90 Euro. Im Jahr 2027 wird er dann auf 14,60 Euro angehoben.

Preise steigen für Handarbeit bei der Ernte

Diesen Lohn bekommen auch ausländische Saisonarbeiter, die auf unseren Feldern Spargel stechen und Erdbeeren pflücken. Aus Sicht vieler Landwirte könnte das die heimische Ware so teuer machen, dass sich ihr Anbau früher oder später nicht mehr lohnt.

Nach Angaben von Hildegard Garming, Agrarökonomin am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, betrifft die Steigerung des Mindestlohns alle Bereiche, die mit der Hand geerntet werden müssen: beispielsweise auch Himbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und auch Salate. All diese Produkte werden dann auch langfristig teurer werden müssen.

Forum Mindestlohn für Erntehelfer – Werden regionale Produkte zu teuer?

Dominik Bartoschek diskutiert mit
Dr. Hildegard Garming, Agrarökonomin, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig
Benjamin Luig, Fachreferent für Agrarwirtschaft bei der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Berlin
Simon Schumacher, Vorstandssprecher und Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V.

Forum SWR Kultur

Obst- und Gemüseanbau im Südwesten stark verbreitet

Geben die Landwirte die höheren Produktionskosten an die Kunden weiter, könnten die auf günstigere Ware aus dem Ausland ausweichen. Tragen sie die Kosten selbst, verdienen sie irgendwann kein Geld mehr. Gerade im Südwesten betrifft das viele Betriebe, weil hier Obst- und Gemüseanbau stark verbreitet sind.

Die Spargel- und Erdbeerbetriebe stünden ohnehin schon unter Druck, seit 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde, sagt Simon Schumacher, der Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer. Nach seinen Angaben hat jeder dritte Spargelbetrieb seit Einführung des Mindestlohns aufgegeben und jeder vierte Erdbeerbetrieb.

Expertin: Obst- oder Gemüseproduktion sinkt nicht

Der jetzt erneut steigende Mindestlohn könnte diese Entwicklung weiter beschleunigen, vermutet Hildegard Garming. Dass deswegen Obst- und Gemüseanbau schleichend aus Deutschland verschwinden, wie es manche Landwirte behaupten, glaubt sie trotzdem nicht.

Die Produktion insgesamt in Deutschland sinkt eigentlich nicht, wenn ich Gemüse oder Obst als Ganzes anschaue. Das heißt, es findet eine Veränderung statt in den Betriebsstrukturen. Es geben Betriebe auf und andere Betriebe wachsen.

Hohe Lohnkosten plus effiziente Produktion

Und diese Betreibe bauen dann oft auch noch andere, weniger arbeitsintensive Kulturen an: etwa Zwiebeln statt Beeren oder Kartoffeln statt Salat. Das macht die Produktion günstiger. Geld verdienen ist also hiermit einfacher.

Benjamin Luig ist Fachreferent für Agrarwirtschaft bei der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Auch er meint, Obst- und Gemüseanbau kann sich trotz hoher Lohnkosten rechnen, wenn die Produktion besonders effizient ist. Er verweist auf die Niederlande, wo der Mindestlohn mit 14,40 Euro über der aktuellen Höhe bei uns liegt.

Da hat sich in den letzen 15 Jahren die Fläche der Erdbeerproduktion reduziert. Die Erdbeerernte in den Erträgen hat sich verdreifacht, natürlich durch Anbau im Folientunnel, aber auch in Gewächshäusern.

Mehr Früchte unter Folien oder im Gewächshaus

Im sogenannten geschützten Anbau tragen die Pflanzen viel mehr Früchte als im Freiland. Längst wächst der Anteil des geschützten Anbaus, der wegen der vielen Folien durchaus umstritten ist, auch bei uns im Südwesten deutlich an. Die steigenden Lohnkosten dürften diese Tendenz nun weiter beschleunigen. Genauso wie die Entwicklung hin zu mehr Maschinen und Robotern in den Betrieben, die Handarbeit ersetzen können, sagt Simon Schumacher.

Ich denke, nächstes Jahr schon werden die ersten Roboter für Spargel auf den Feldern zu sehen sein. Auch in der Aufbereitung werden immer mehr Roboter eingesetzt, dass die Sortierung mit Robotern funktioniert.

Der Mindestlohn wird die Landwirtschaft bei uns im Südwesten also deutlich verändern. Das Ende von Obst und Gemüse aus der Region wird er wohl nicht einläuten.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Dominik Bartoschek
Onlinefassung
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele

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