Etwas über 30.000 Mal haben Jugendämter in Rheinland-Pfalz im Jahr 2024 in Familien, Heimen oder Pflegefamilien geholfen. Das teilte Familienministerin Katharina Binz (Bündnis 90/Die Grünen) mit. Zum Vergleich: 2005 waren es noch rund 17.000 Fälle bei den Jugendämtern im Land.
Doch nicht nur die Hilfen sind gestiegen. Das zeigt der achte Kinder- und Jugendhilfemonitor von Rheinland-Pfalz.
Deutlich gestiegen sind nach Angaben des Berichts auch die Ausgaben der Kommunen für die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Im Vergleich von 2015 zu 2024 haben sich diese von 500 Millionen Euro auf 912 Millionen Euro fast verdoppelt. Demnach zeigt sich: Je höher die Kinderarmutsquote ist, desto mehr Geld muss auch in die Hilfe dafür investiert werden.
Kinderarmut in Städten ausgeprägter als auf dem Land
Die Kinderarmut unter den unter 15-Jährigen in Rheinland-Pfalz ist im Vergleich zu 2011 leicht gesunken: um knapp einen Prozentpunkt auf elf Prozent. Auffällig ist jedoch, dass auf dem Land knapp jedes zehnte Kind von Armut betroffen oder gefährdet ist – in den Städten jedoch knapp jedes fünfte Kind.
Eine weitere Entwicklung ist, dass seit 2011 gut drei Prozent weniger Jugendliche auf dem Land leben. In den Städten sind es dagegen knapp zehn Prozent mehr geworden. Deswegen müssen nach Angaben des Berichts die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in den Städten aufgrund steigender Nachfrage weiter ausgebaut werden.
Auf dem Land müssen demnach neue Konzepte umgesetzt werden, um eine familienfreundliche Infrastruktur zu sichern und Abwanderungen zu stoppen.
Mehr Arbeit an Schulen
Die Schulsozialarbeit wird in Rheinland-Pfalz immer wichtiger. Die Vollzeit angestellten pädagogischen Fachkräfte an Schulen haben sich laut dem Bericht in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt. Damit könne man auf den steigenden Bedarf an niedrigschwelligen und präventiven Maßnahmen reagieren.
Jugendämter bekommen immer noch viele Meldungen
2023 gab es knapp 10.000 Verdachtsmeldungen von Kindeswohlgefährdung bei den Jugendämtern in Rheinland-Pfalz. Bei mehr als einem Drittel der Meldungen hat sich nach Angaben des Berichts der Verdacht auf eine Gefährdung bestätigt. Bei knapp einem anderen Drittel der Meldungen wurde festgestellt, dass Familien Unterstützung brauchen. Die restlichen Meldungen haben sich nicht als Gefährdung bestätigt.