Wirbel um sein Alter

Mit 19 Jahren ins Amt gewählt: Tim Sieper zu Freuden und Frust als Ortsbürgermeister

Tim Sieper wurde vor sieben Monaten zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. Was hat den Studenten in seinem Amt überrascht? Zum Jahresende zieht er Bilanz. 
 

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Von Autor/in Clara Holzhauser

Während viele Gemeinden in Rheinland-Pfalz in die Schlagzeilen kommen, weil sie keine Bürgermeister oder Bürgermeisterinnen finden, interessieren sich Medien für Eckenroth (Landkreis Bad Kreuznach) gerade wegen ihres Bürgermeisters. Tim Sieper (Partei des Fortschritts/PdF) ist seit Mai 2025 Bürgermeister der Ortsgemeinde mit rund 200 Einwohnern. Das Besondere: Zu diesem Zeitpunkt war er 19 Jahre alt und wurde zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. Inzwischen ist er 20.

Wirbel um Tim Siepers Alter

Seinen Amtsantritt dürfte er sich ruhiger vorgestellt haben. Aber seine Geschichte sorgte medial für viel Aufmerksamkeit, auch international – spätestens als die Kindernachrichtensendung "logo!" über ihn berichtete: "Es gab einen Beitrag über mich und eine amerikanische Highschool hat das dann in ihrem Deutschunterricht durchgenommen. Die Schüler haben mir geschrieben und dann habe ich mich mit denen über mein Bürgermeisteramt ausgetauscht", erinnert er sich gerne.

Über diese Erfahrung habe er sich gefreut, über die Folgende eher weniger: "Es ist mal passiert, dass Leute hier durch Eckenroth gewandert sind und die haben dann bei mir privat geklingelt, weil sie mit dem jüngsten Bürgermeister sprechen wollten. Das fand ich nicht so schön. Auf Festen kann man mich immer gerne ansprechen, aber im privaten Bereich mag ich das nicht."

Wie Tim Sieper Bürgermeister wurde

Ein kurzer Rückblick: Der Vater von Tim Sieper wurde bei der Kommunalwahl 2024 zum Bürgermeister gewählt. Im März musste er das Amt dann aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Deswegen wollte Tim Sieper die Nachfolge antreten und wurde im Mai vom Ortsgemeinderat gewählt. Damals war er noch in keiner Partei, im August schloss er sich der PdF an.

Viele Herausforderungen in Eckenroth

Tim Sieper hatte sich bei Amtsantritt viel vorgenommen. Er merkte jedoch schnell, dass einiges doch nicht so läuft, wie er es sich vorgestellt hatte: "Ich hatte am Anfang meiner Amtszeit Ideen, die ich gerne umsetzen wollte. Aus Kostengründen haben dann viele nicht funktioniert. Wir sind finanziell im Haushalt leider nicht mehr so gut aufgestellt." Der Grund: "Der Kindergarten musste renoviert werden und das hat einen Haufen Geld gekostet."

Und weiter: "Ich habe von meinem Vater ja schon mitbekommen, was man als Bürgermeister machen muss, wie Feste zu planen oder Sanierungsarbeiten in Auftrag zu geben. Aber dann sind auch Sachen auf mich zugekommen, die ich erstmal nicht verstanden habe, wie der Haushaltsplan, mit den vielen Graphen und Zahlen. Aber ich habe mir dann Hilfe von einem Ansprechpartner bei der Verbandsgemeinde geholt."

Sieper erhält Unterstützung von anderen jungen Bürgermeistern

Tim Sieper ist dankbar für die Unterstützung. Die bekommt er auch von Amtskollegen: "Es gibt eine WhatsApp-Gruppe für junge Bürgermeister in Deutschland. Und wenn ich dann die Meinung vom kompletten Kollektiv brauche, schreibe ich rein. Da bekommt man auch am Samstagabend eine Antwort. Ich habe mal reingefragt, welche Sicherheitskonzepte man bei einem Fest beachten muss und wie das mit Fluchtwegen aussieht." 

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500 Euro Aufwandsentschädigung als Ortsbürgermeister

Der 20-Jährige erzählt, dass er für seine Arbeit als Ortsbürgermeister etwa 500 Euro im Monat als Aufwandsentschädigung bekomme: "Also leben kann ich nicht davon. Man muss den Job gerne machen, wer das fürs Geld macht, ist fehl am Platz."

Bürgemeisterjob: "Am Anfang hat mich das gestresst"

Tim Sieper ist ein vielbeschäftigter junger Mann: Neben seinem Amt als Ortschef studiert er Sport- und Bewegungstherapie an einer Fernuniversität. Dazu gehört, dass er 40 Stunden in der Woche in einem Fitnessstudio in Bad Kreuznach arbeitet.

Während dieser Zeit bekomme er oft Anrufe von Bürgern, erzählt er, um deren Anliegen er sich dann nicht direkt kümmern könne: "Am Anfang hat mich das gestresst, aber jetzt nicht mehr. Ich bekomme das Bürgermeisteramt und mein duales Studium trotzdem ganz gut koordiniert."

Eckenroth habe nicht so viele Einwohner, da sei es leichter, meint er. "Wenn eine Gemeinde mehr Einwohner hat, wird es schwieriger. Ich habe grad erst mitbekommen, dass bei uns in der Nähe in einer Gemeinde der Ortbürgermeister mit dem Beigeordneten zurückgetreten ist, weil das einfach zu viel war mit Vollzeitjob und Familie."

 

"Negative Kommentare kommen halt auf Social Media"

Am meisten Spaß mache ihm der direkte Kontakt mit den Bürgern. Er berichtet stolz: "Und auch dafür zu sorgen, dass sie auf Festen eine schöne Zeit haben, wie beim Mexikanischen Abend im Oktober in Eckenroth. Die Veranstaltung war ein Erfolg und es sind viele Leute gekommen."

Tim Sieper erzählt, dass die meisten Menschen positiv auf ihn reagieren, vor allem im persönlichen Austausch, wenn sie erfahren, dass er in dem jungen Alter Bürgermeister ist. "Negative Kommentare kommen halt auf Social Media, wo Menschen zum Beispiel schreiben, dass ältere Leute geeigneter wären für das Bürgermeisteramt und ich zu jung dafür bin." Davon lasse er sich aber nicht runterziehen.

 

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Solaranlagen und LED-Lampen

Für die Zukunft wünscht sich Tim Sieper mehr Geld für Eckenroth: "Da bin ich mal gespannt, wie viel wir vom Sondervermögen bekommen. Der Gemeinderat und ich müssen uns dann abstimmen, was wir mit dem Geld machen. Ich persönlich würde unser Gemeindehaus so sanieren, dass wir energetisch fast komplett unabhängig sind. Man könnte beispielsweise Solaranlagen und LED-Lampen kaufen."

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