"Der Reiz des Gründens ist die gefühlte Freiheit, die man hat", erzählt Tobias Ludwig, CEO und Mitgründer von LUBIS EDA. Das Startup aus Kaiserslautern automatisiert und beschleunigt die Entwicklung von Mikrochips. Halbleiterunternehmen sollen dadurch Zeit und Geld sparen.
Was Gründer auszeichnet: Risikobereitschaft
"Ich habe viele Gründer getroffen über die Jahre. Das ist oft ein sehr spezieller Persönlichkeitstyp", stellt Tobias Ludwig fest. Gründer seien vor allem risikofreudig. "Oftmals gibt es keine klaren Antworten. Man macht strategische Wetten und guckt, was am besten funktioniert."
Sich selbst beschreibt Tobias Ludwig als optimistischen Menschen, der positiv nach vorne blickt. Außerdem dürfe man als Gründer nicht zu ängstlich sein, was die private Zukunft angeht. "Wenn man sich davon frei machen kann, dass das Scheitern des Unternehmens auch das persönliche Ende bedeutet, dann ist das Gründen definitiv etwas, wo die Lernkurve viel steiler ist als in jedem Angestelltenverhältnis." Angst davor, dass seine Gründung "schief gehen könnte", hatte Tobias Ludwig einfach nicht.
Anna Johannsen hat schon mehrere Unternehmen gegründet. Ihr Bildungsunternehmen, DGO Deutschland, unterstützt Migranten mit Integrations- und Deutschkursen auf dem Weg in die Erwerbstätigkeit. Dabei richtet sich ihr Geschäftsmodell vor allem an Menschen, die in ländlichen Strukturen wenig Angebote wahrnehmen könnten. Eine Lücke im Bildungsbereich, die Anna Johannsen zur Gründung inspirierte. "Immer wieder brennt es in einem, bis man den Sprung wagt in die Selbstständigkeit", fasst sie ihre Entscheidung zusammen. "Gutes Tun und damit erfolgreich sein – das ist eine sehr schöne Kombination."
Was Gründerinnen und Gründer mitbringen sollten
📋 Unvollständige Liste, nach Auskunft von Gründer Tobias Ludwig und Gründerin Anna Johannsen:
- 🤯 Risikobereitschaft, Resilienz und Unsicherheitstoleranz: "Oftmals gibt es keine klaren Antworten. Man macht strategische Wetten und guckt, was am besten funktioniert", so Tobias Ludwig.
- 💭 Selbstreflexion: "Viele gute Gründer sind sehr reflektiert über ihre Schwächen", sagt Tobias Ludwig. Anna Johannsen betont die Bereitschaft dazu, in die ehrliche Analyse mit sich selbst zu gehen und herauszufinden, warum Dinge nicht funktionieren.
- 🤝 Mitgründer finden: Ein Team, das sich in seinen Stärken und Schwächen ergänzt, ist essenziell.
- 💸 Vertriebskompetenz: Kunden gewinnen, Verträge aushandeln und Einnahmen generieren – das sei zentral.
Mainzer Gründungswoche: Kostenlose Workshops für Gründungsinteressierte
Im Rahmen der Mainzer Gründungswoche führt Anna Johannsen in ihrem Workshop durch wichtige Fragen und Schritte, die sich Menschen vor einer Gründung stellen sollten.
Um mehr Gründungen zu fördern, empfiehlt Anna Johannsen, unterschiedliche Angebote bereitzustellen: Nicht jede Unternehmensgründung ist ein Startup, da gebe es Unterschiede. Frauen gründeten anders als Männer. Hier arbeitet Anna Johannsen an einem speziellen Programm für Gründerinnen, auch um diese bei der finanziellen Aufstellung unterstützen zu können, weil Frauen bei Gründungen von Geldgebern schlechter bewertet werden als Männer.
Für die Anfangsphase eines frisch gegründeten Unternehmens sei das Land Rheinland-Pfalz mit seiner Startup-Unterstützung gut aufgestellt, so Tobias Ludwig. Bürokratie, Auflagen und Steuern seien kein rheinland-pfälzisches Problem, sondern ein deutschlandweites, was es Startups unnötig schwer mache.
Kritisch sei für viele deutsche und europäische Startups die Phase, nachdem das erste Startkapital ausgegeben ist und neues Geld benötigt wird, um weiterzumachen. Zu diesem Zeitpunkt sei der Bedarf an Investitionen hoch, aber das Risiko eben auch noch. "Risiko mögen Deutsche überhaupt gar nicht, speziell Investoren", so Tobias Ludwig.
Rheinland-Pfalz als Gründungsstandort
Laut dem Gründungsreport der IHK Rheinland-Pfalz 2024 liegt Rheinland-Pfalz auf Platz 7 gemessen an der Gesamtzahl der Gründungen. Im Bereich der Startups reicht es nur für Platz 10 – Bayern führt hier die Rangliste an. Die Entscheidung, in Rheinland-Pfalz zu gründen, war für Ludwig und Johannsen jeweils eine ganz bewusste.
Arbeitsplätze in Kaiserslautern schaffen
LUBIS EDA in Kaiserslautern zu gründen, hatte für Tobias Ludwig zum einen persönliche Gründe, weil alle drei Gründer aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland kommen. Auf der anderen Seite hat das Unternehmen in Kaiserslautern gute Kontakte zur RPTU, der einzigen technisch-ingenieurwissenschaftlich ausgerichteten Uni in Rheinland-Pfalz. "Die Idee war, dass wir in Kaiserslautern das Startup sein können, wo Leute hinkommen zum Arbeiten."
Gründungsstandort Mainz: Sympathischer Fastnachts-Bundesligist im Rhein-Main-Gebiet
Steuerlich wäre ein Ort im rheinland-pfälzischen Hinterland günstiger gewesen, sagt Anna Johannsen. Für sie war aber klar, dass ihr Unternehmen bundesweit arbeiten wird und da mache es einen Unterschied, ob die Firma einen Standort hat, den niemand kennt. Mit Mainz würden die Menschen was verbinden, sei es Fastnacht, sei es Fußball. Da gebe es positive Assoziationen. Außerdem liege Mainz verkehrsgünstig im Rhein-Main-Gebiet.
An wettbewerbsfähigen Standorten und Starthilfe scheint es Rheinland-Pfalz nicht zu fehlen. Vielleicht aber tatsächlich an Risikofreudigkeit?