Trinkgeld per Klick bei Kartenzahlung

Digitales Trinkgeld - praktisch oder nervig? 

Wer mit Karte zahlt, hat sie schon gesehen: die Trinkgeldtaste, die auffordert, ein paar Prozent mehr zu geben. Nicht nur in der Gastronomie, auch beim Friseur oder Bäcker taucht das Trinkgeld per Klick auf.

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Die einen finden es praktisch, die anderen empfinden es als Gängelei. Ein Café in Kaiserslautern nutzt bereits die Möglichkeit, Trinkgeld bei der Kartenzahlung direkt abzufragen. "Möchten Sie ein Trinkgeld geben?" steht dann im EC-Karten-Lesegerät. Und dann gibt es verschiedene Buttons zur Auswahl: beispielsweise 5, 10 oder 15 Prozent. Zur Auswahl steht auch "Nein".  

Welcher Trinkgeldtyp bist Du?

Laut BWL-Professor Oliver Kaul von der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) Mainz gibt es vor allem in der Gastronomie zwei Arten von Trinkgeldgebern: die Prozentrechner und die Aufrunder.

Prozentrechner hätten einen festen Prozentsatz im Hinterkopf, den sie auf jede Rechnung aufschlagen. Ganz oft seien es zehn Prozent. Die Aufrunder hingegen, runden - wie der Name schon sagt - die Summe gern auf und haben das Bestreben, einen glatten Betrag zu bezahlen.  

Umfrage: "Trinkgeldtaste" - ja oder nein?

Was macht das digitale Trinkgeld mit uns? 

Für die Prozentrechner sind die voreingestellten Buttons laut Kaul eher eine Erleichterung. So müsse nicht mehr selbst gerechnet werden und der Betrag stimme auf den Cent genau. Das wiederum könne bei den Aufrundern für Unzufriedenheit sorgen, die mit der Prozentrechnung oft nicht auf einen glatten Betrag kommen. Und das könne nicht im Sinne des Gastronoms sein.  

Außerdem sei Trinkgeld in Deutschland eine nette Geste, ganz im Unterschied zu den USA, wo 20 Prozent eine erwartete Zusatzleistung seien. Durch die digitale Variante würde die emotionale Komponente des Trinkgeldgebens geschmälert.  

Trinkgeldgeben ist in Deutschland das Anerkennen eines guten Service und hat dadurch eine emotionale Komponente.  

Trinkgeld per Klick kann zu unangenehmen Situationen führen

Der Experte erklärt außerdem, dass die Bedienung der digitalen Trinkgeld-Option intuitiv und leicht verständlich sein müsse. Man stelle sich die Situation vor, dass ein Kunde nicht merkt, dass er erst bezahlen kann, wenn er eine Trinkgeld-Option ausgewählt hat und dann laut angesprochen werden muss, ob er denn kein Trinkgeld geben wolle. "Das ist eine Situation, die ist dann sehr unangenehm."

Das sagen Gäste zur Trinkgeldtaste

Auch in einem Café in Kaiserslautern ergibt sich ein zweigeteiltes Bild: Ein Kunde befürchtet, das Geld komme am Ende gar nicht bei der Servicekraft an, weil es eben digital ist. Ein anderer fühlte sich nicht beeinflusst, sondern empfindet es eher als praktisch, dass man mit einem Klick Trinkgeld geben kann.  

Social-Media-Beitrag auf Instagram von swraktuell

Ob sich das digitale Trinkgeld auch außerhalb der Gastronomie wirklich durchsetzen kann, zum Beispiel in einer Bäckerei? Da ist der BWL-Experte Oliver Kaul unsicher: "Ich glaube, das ist ein Thema, das in Deutschland noch nicht wirklich angekommen ist."  

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
SWR