Am 27. Februar 2026 ist der bundesweite Equal Pay Day - ein Tag, der darauf hinweist, dass Frauen noch immer schlechter bezahlt werden als Männer. Rein statistisch betrachtet müssen Frauen bis zum Equal Pay Day arbeiten, um das zu verdienen, was Männer bereits zum 31. Dezember des Vorjahres verdient hatten. Laut Statistischem Bundesamt verdienten sie im Jahr 2025 im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer. Damit bleibt die Lohnlücke genauso groß wie im Vorjahr.
Viel Teilzeit, wenig Führung
Die schlechtere Bezahlung von Frauen hat verschiedenste Gründe. Laut Gewerkschaften nehmen sie häufiger einen Teilzeitjob an, sind seltener in Führungspositionen und arbeiten öfter in schlechter bezahlten Berufen. Bei den eben erwähnten 16 Prozent Lohnunterschied wird dies nicht berücksichtigt. Es handelt sich um den sogenannten unbereinigten Gender Pay Gap: Er vergleicht nur den durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen mit dem von Männern.
Gleiche Arbeit, weniger Lohn
Anders sieht es mit dem sogenannten bereinigten Gender Pay Gap aus: Hier werden in etwa gleiche Tätigkeiten verglichen. Doch auch hier tut sich noch immer eine Lücke auf: Frauen verdienten laut Statistischem Bundesamt 6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
Lage in Rheinland-Pfalz kaum besser
In Rheinland-Pfalz war der unbereinigte Gender Pay Gap mit 14 Prozent etwas niedriger als im Bundesdurchschnitt. Der Equal Pay Day war hier deshalb schon am 20. Februar. Doch auch hier gibt es seit mittlerweile zwei Jahren keine positive Veränderung. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems verdienten Frauen in Rheinland-Pfalz im Jahr 2025 durchschnittlich 22,02 Euro pro Stunde, Männer 25,63 Euro. Der bereinigte Gender Pay Gap lag ebenso wie im Bund bei 6 Prozent.
Wenig "Lifestyle" bei Teilzeit mit Kindern
Dass Frauen weniger als Männer verdienen, liegt vor allem an der geringeren Arbeitszeit. Für diese Teilzeit sind Kinder oft der Hauptgrund. Denn die Hauptlast der Care-Arbeit liegt überwiegend bei den Müttern. Arbeiten in Teilzeit ist daher oft die Möglichkeit der Wahl, Arbeit mit Kinderbetreuung zu verbinden, sagt die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Rheinland-Pfalz /Saarland (DGB) Susanne Wingertszahn:
Frauen arbeiten fast viermal so häufig in Teilzeit wie Männer. Teilzeit hemmt oft die Karriere und führt viel zu selten in eine Führungsposition.
Laut Hans-Böckler-Stiftung sind Frauen am Tag eine Stunde und 19 Minuten länger mit unbezahlter Sorgearbeit beschäftigt als Männer.
Doch auch bei gleicher Arbeitszeit werden Frauen oft schlechter bezahlt. Das liegt laut Wingertszahn daran, dass in Berufen und Branchen, die mehrheitlich von Frauen besetzt sind, schlechter bezahlt wird. Zum Beispiel bei Erziehern und in der Altenpflege. Ähnlich sieht es im Einzelhandel oder bei Frisören aus. Um das zu ändern, versuchen Politiker und gemeinnützige Organisationen junge Frauen für Berufe zu begeistern, die noch immer von Männern dominiert sind.
Engagement für mehr Frauen in MINT-Berufen
Katja Rickert will bei der Bezahlung für mehr Gerechtigkeit sorgen. Als Projektleiterin von "FairPay", gefördert vom Ministerium für Familie, Frauen und Integration Rheinland-Pfalz, bietet sie kostenfreie Vorträge und Workshops für Frauen an. Das Projekt wird vom Weiterbildungsträger "Arbeit und Leben" angeboten.
Eines der Ziele ist, Frauen auch für die sogenannten MINT-Berufe zu begeistern. Damit werden Tätigkeiten in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik bezeichnet. Sich als Frau für solch männlich dominierte Berufsfelder zu entscheiden und dort selbstbewusst aufzutreten, sieht Rickert als einen Hebel, um eine wirtschaftliche Eigenständigkeit als Frau zu erlangen.
Freie Wirtschaft und öffentliche Hand: Chancen für Frauen unterschiedlich
Bei der Berufskarriere mit Kindern macht es aus Erfahrung der Projektleiterin auch einen Unterschied, ob man in der freien Wirtschaft oder für Stadt, Land oder Bund arbeitet:
"Im öffentlichen Dienst sind die Chancen, Beruf und Familie zu vereinbaren einfacher, weil sich schon entsprechende Strukturen etabliert haben. Für die Frauen entsteht hier seltener ein Karriere-Knick und Frauen in Führungspositionen werden gefördert."
Sie kenne einige Frauen in der öffentlichen Verwaltung, die Kinder haben und Karriere gemacht haben." Da jeder Arbeitgeber unterschiedlich sei, lohne es sich aber immer im Einzelfall in Erfahrung zu bringen, ob eine Karriere mit Kindern möglich ist.
Gemeinsam die Lohnlücke schließen
Trotz Initiativen und Appellen hat es bei der Bezahlung von Frauen zuletzt keine große Bewegung gegeben, weder im Bund noch in Rheinland-Pfalz. Die DBG-Vorsitzende Susanne Wingertszahn nimmt deshalb vor allem die Politik in die Pflicht. So müsse die Bundesregierung ab Juni eine EU-Richtlinie zur Transparenz bei Löhnen und Gehältern umsetzen.
Drei Jahre nach dem Beschluss der EU soll die sogenannte Entgelttransparenzrichtlinie dafür sorgen, dass Unternehmen Bewerber auf eine Stelle zum Beispiel darüber informieren, wie groß der Gender Pay Gap bei ihnen ist. Außerdem sollen Bewerberinnen und Bewerber erfahren, in welchem Bereich das Einstiegsgehalt liegt und die Möglichkeit haben, ein gleiches Gehalt einzuklagen.
Weitere Baustellen sieht der Gewerkschaftsbund bei mehr Kinderbetreuung, mehr Teilzeitarbeit und den Tarifverträgen. Diese vielen Mosaiksteine sollen in Zukunft dazu führen, dass der Equal Pay Day eines Tages mit Silvester zusammenfällt. Dann hätten Frauen zum gleichen Zeitpunkt genauso viel verdient wie Männer.