Die EU und Indien haben in ihrem Handelsabkommen eine deutliche Senkung der Zölle auf Produkte wie Autos, Wein und Pasta vereinbart. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und der indische Premier Narendra Modi unterzeichneten das Abkommen in Neu Delhi. Die deutsche Industrie begrüßte das Abkommen, vor allem Autobauer und Chemieproduzenten hoffen auf steigende Exporte.
Wirtschaftsverbände in RLP sehen große Chancen
Die Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz sehen im Freihandelsabkommen ein überfälliges Signal für eine handlungsfähige und zukunftsorientierte europäische Handelspolitik. In einer Phase, in der andere strategisch wichtige Abkommen - etwa mit den Mercosur-Staaten - weiterhin blockiert sind, zeige die EU damit, dass sie ihre internationalen Wirtschaftsbeziehungen aktiv und strategisch gestalten kann.
Der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmerverbände in Rheinland-Pfalz (LVU), Johannes Heger, sagte: "Als LVU sehen wir in dem Abkommen mit Indien große Chancen für die rheinland-pfälzische Wirtschaft." Besonders betroffen - und potenziell begünstigt - seien in Rheinland-Pfalz vor allem Chemie und Pharma, der Maschinen- und Anlagenbau, Automotive und Spezialfahrzeuge, Glas- und Medizintechnik sowie die Umwelt- und Energietechnik. Dazu kämen Chancen für die Wein- und Ernährungswirtschaft.
So wichtig ist der Handel mit Indien für RLP in Zahlen
Handelsbeziehungen zwischen Rheinland-Pfalz und Indien haben sich in den vergangenen Jahren deutlich entwickelt, wie die LVU auf SWR-Anfrage mitteilte. Die Exporte aus Rheinland-Pfalz nach Indien beliefen sich 2021 auf rund 540 Millionen Euro und stiegen 2022 auf etwa 640 Millionen Euro an. Die Importe aus Indien lagen 2021 bei rund 811 Millionen Euro und überschritten 2022 bereits die Marke von einer Milliarde Euro.
Auf Bundesebene erreichte der Handel zwischen Deutschland und Indien 2024 neue Rekordwerte, was darauf hindeutet, dass auch für ein exportstarkes Land wie Rheinland-Pfalz die wirtschaftlichen Beziehungen weiter an Bedeutung gewinnen.
Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) sprach von einem guten und wichtigen Signal in einer Zeit, in der die Wirtschaft vor großen Herausforderungen steht. Rheinland-Pfalz sei ein exportstarkes Mittelstandsland, besondere Chancen böten sich außer für Industriebetriebe gerade für die Winzerinnen und Winzer. Indien sei ein Land mit einer jungen wachsenden Volkswirtschaft, da sei das Interesse an unserem qualitativ hochwertigem Wein groß.
Beispiel: Wie das Weinhaus Hauck vom Handelsabkommen profitieren will
Wenn es nach Jana Hauck geht, könnte ihr Rotwein schon bald in Indien auf den Markt kommen. Bisher lagen die Zölle auf Weinexporte bei über 100 Prozent. Mit dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, ergeben sich für die Winzerin aus Bermersheim vor der Höhe neue Chancen. Und die kann sie dringend gebrauchen, denn auf dem heimischen Markt geht der Absatz zurück.
Allerdings funktioniert ein Freihandelsabkommen bekanntlich in beide Richtungen, doch Angst vor Konkurrenz aus Indien hat Jana Hauck nicht. Wettbewerb belebe das Geschäft und die Nachfrage in Indien sei bisher groß.
Beispiel: Evobeam aus Nieder-Olm hat lange auf das Handelsabkommen gewartet
Der Maschinenbauer Evobeam aus Nieder-Olm stellt Laser- und Elektronenschweißanlagen für Luft- und Raumfahrt her. Der Export nach Indien hat in den vergangenen Jahren aufgrund der Zoll- und Bürokratiehürden stark gelitten. Auf das Freihandelsabkommen hat Geschäftsführer Alexander Weil schon lange gewartet.
Evobeam hat für den südostasiatischen Markt zusätzlich einen Vertriebsingenieur eingestellt, der sich zunächst auf den indischen Markt konzentrieren wird. "Wir sehen, dass wir auch im Luftfahrtbereich zunehmend Maschinen verkaufen könnten, durch die Veränderung der Wettbewerbssituation durch die niedrigeren Zölle sehen wir da sehr gute Chancen", sagt Weil.