Handelsabkommen EU-Indien

So profitieren RLP-Unternehmen durch Freihandel mit Indien

Die EU und Indien haben nach jahrelangen Verhandlungen ein Handelsabkommen abgeschlossen. Auch in Rheinland-Pfalz bietet das vielen Unternehmen neue Perspektiven.

Teilen

Stand

Von Autor/in Marcel Fehr

Die EU und Indien haben in ihrem Handelsabkommen eine deutliche Senkung der Zölle auf Produkte wie Autos, Wein und Pasta vereinbart. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und der indische Premier Narendra Modi unterzeichneten das Abkommen in Neu Delhi. Die deutsche Industrie begrüßte das Abkommen, vor allem Autobauer und Chemieproduzenten hoffen auf steigende Exporte.

Wirtschaftsverbände in RLP sehen große Chancen

Die Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz sehen im Freihandelsabkommen ein überfälliges Signal für eine handlungsfähige und zukunftsorientierte europäische Handelspolitik. In einer Phase, in der andere strategisch wichtige Abkommen - etwa mit den Mercosur-Staaten - weiterhin blockiert sind, zeige die EU damit, dass sie ihre internationalen Wirtschaftsbeziehungen aktiv und strategisch gestalten kann.

Der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmerverbände in Rheinland-Pfalz (LVU), Johannes Heger, sagte: "Als LVU sehen wir in dem Abkommen mit Indien große Chancen für die rheinland-pfälzische Wirtschaft." Besonders betroffen - und potenziell begünstigt - seien in Rheinland-Pfalz vor allem Chemie und Pharma, der Maschinen- und Anlagenbau, Automotive und Spezialfahrzeuge, Glas- und Medizintechnik sowie die Umwelt- und Energietechnik. Dazu kämen Chancen für die Wein- und Ernährungswirtschaft.

So wichtig ist der Handel mit Indien für RLP in Zahlen

Handelsbeziehungen zwischen Rheinland-Pfalz und Indien haben sich in den vergangenen Jahren deutlich entwickelt, wie die LVU auf SWR-Anfrage mitteilte. Die Exporte aus Rheinland-Pfalz nach Indien beliefen sich 2021 auf rund 540 Millionen Euro und stiegen 2022 auf etwa 640 Millionen Euro an. Die Importe aus Indien lagen 2021 bei rund 811 Millionen Euro und überschritten 2022 bereits die Marke von einer Milliarde Euro.

Auf Bundesebene erreichte der Handel zwischen Deutschland und Indien 2024 neue Rekordwerte, was darauf hindeutet, dass auch für ein exportstarkes Land wie Rheinland-Pfalz die wirtschaftlichen Beziehungen weiter an Bedeutung gewinnen.

Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) äußert sich zum Freihandelsabkommen mit Indien.
Daniela Schmitt (FDP), Wirtschaftsministerin in RLP

Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) sprach von einem guten und wichtigen Signal in einer Zeit, in der die Wirtschaft vor großen Herausforderungen steht. Rheinland-Pfalz sei ein exportstarkes Mittelstandsland, besondere Chancen böten sich außer für Industriebetriebe gerade für die Winzerinnen und Winzer. Indien sei ein Land mit einer jungen wachsenden Volkswirtschaft, da sei das Interesse an unserem qualitativ hochwertigem Wein groß.

Beispiel: Wie das Weinhaus Hauck vom Handelsabkommen profitieren will

Winzerin Jana Hauck aus Bermersheim (Rheinhessen) präsentiert Weine, die vor ihr auf dem Tisch stehen.
Winzerin Jana Hauck aus Bermersheim (Rheinhessen)

Wenn es nach Jana Hauck geht, könnte ihr Rotwein schon bald in Indien auf den Markt kommen. Bisher lagen die Zölle auf Weinexporte bei über 100 Prozent. Mit dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, ergeben sich für die Winzerin aus Bermersheim vor der Höhe neue Chancen. Und die kann sie dringend gebrauchen, denn auf dem heimischen Markt geht der Absatz zurück.

Allerdings funktioniert ein Freihandelsabkommen bekanntlich in beide Richtungen, doch Angst vor Konkurrenz aus Indien hat Jana Hauck nicht. Wettbewerb belebe das Geschäft und die Nachfrage in Indien sei bisher groß.

Beispiel: Evobeam aus Nieder-Olm hat lange auf das Handelsabkommen gewartet

Alexander Weil, Geschäftsführer bei evobeam GmbH steht in einer Lagerhalle
Alexander Weil, Geschäftsführer bei evobeam GmbH

Der Maschinenbauer Evobeam aus Nieder-Olm stellt Laser- und Elektronenschweißanlagen für Luft- und Raumfahrt her. Der Export nach Indien hat in den vergangenen Jahren aufgrund der Zoll- und Bürokratiehürden stark gelitten. Auf das Freihandelsabkommen hat Geschäftsführer Alexander Weil schon lange gewartet. 

Evobeam hat für den südostasiatischen Markt zusätzlich einen Vertriebsingenieur eingestellt, der sich zunächst auf den indischen Markt konzentrieren wird. "Wir sehen, dass wir auch im Luftfahrtbereich zunehmend Maschinen verkaufen könnten, durch die Veränderung der Wettbewerbssituation durch die niedrigeren Zölle sehen wir da sehr gute Chancen", sagt Weil.

Handelsabkommen EU-Indien Wie BW-Unternehmen von Indien profitieren

Die EU und Indien haben sich auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Die Verhandlungen laufen seit 2007. Auch in Baden-Württemberg profitieren Firmen davon.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Das EU-Indien-Abkommen einfach erklärt

Die aktuelle wirtschaftspolitische Lage trifft uns in Baden-Württemberg genauso wie Deutschland oder auch die gesamte EU. Wichtig, neue Märkte zu erschließen. Und die EU und Indien stehen unmittelbar davor, ein neues Handelsabkommen abzuschließen. Es wäre das größte Abkommen weltweit und für deutsche Unternehmen ein Gamechanger in Indien.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Marcel Fehr
Marcel Fehr auf der CMT
Onlinefassung
Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!