Das Freihandelsabkommen, das die EU am 17. Januar mit dem südamerikanischen Mercosur unterzeichnet hat, beunruhigt die Landwirte im nördlichen Rheinland-Pfalz. Die Sorge der Bauern bringt Landwirtin Charlotte Peters aus Ochtendung auf den Punkt: "Es geht um Chancengleichheit. Wir produzieren hier in Deutschland unter den höchsten Produktionsstandards."
Es geht um Chancengleichheit. Wir produzieren hier in Deutschland unter den höchsten Produktionsstandards.
Zum Auftakt der Maifelder Landwirtschaftswoche 2026 waren neben Dutzenden Bauern auch Vertreter der Landespolitik ins Forum Polch gekommen. Das Mercosur-Abkommen war auch gleich Thema bei einer Podiumsdiskussion: Hendrik Hering (SPD), Tobias Vogt (CDU), Marco Weber (FDP), Jutta Blatzheim-Roegler (Bündnis 90/Die Grünen) und Helge Schwab (Freie Wähler) stellten sich den Fragen und Themen der heimischen Landwirtschaft.
Bauern wünschen sich mehr Respekt
Weber, der in Doppelfunktion auch in seiner Rolle als Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau auf der Bühne stand, appellierte für mehr Respekt aus der Politik: "Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Landwirte grundsätzlich ehrlich Geld verdienen wollen und den Staat nicht hintergehen wollen."
Statt weitere Dokumentationspflichten und Bürokratie aufzubauen, müsse das Vertrauen in die Landwirte gestärkt werden. Dem schloss sich auch Tobias Vogt (CDU) an: "Die Politik muss mehr in die Landwirte vertrauen. Und Hendrik Hering (SPD) bekannte sich zum Bürokratieabbau: "Wir dürfen nichts mehr oben drauf packen."
Ziel: Stärkung der heimischen Produktion
Der Landtagspräsident stellte mehrere Fragen in den Raum: "Worauf können wir verzichten? Und: Wo kann die Digitalisierung helfen?" Bauernpräsident Marco Weber unterstützte den Ansatz und formulierte abschließend, dass das übergreifende Ziel eine Stärkung der heimischen Produktion sein müsse.
Denn viele Landwirte zwischen der Grafschaft, dem Westerwald und dem Maifeld treibt die Sorge um, dass südamerikanische Agrarprodukte zu Niedrigpreisen bald den heimischen Markt fluten könnten, wenn die Zölle fallen. Bauernpräsident Weber sagt: "Die Stimmung ist schlecht. Die Marktpreise liegen im Prinzip alle am Boden, der Milchpreis ist im freien Fall. Also wirtschaftlich sind die Landwirte momentan an die Wand gedrückt, dann kommt Mercosur noch dazu."
EU-Standards als Thema bei Maifelder Landwirtschaftswoche
Nach seiner Ansicht brauche es jetzt Rahmenbedingungen, die den Import von Produkten regulieren, die den europäischen Standards nicht entsprechen. Auch Charlotte Peters fordert, die EU müsse ihre höheren Produktionsstandards "gegebenenfalls auch mit höheren Preisen absichern". Sie sei auch dafür, dass Importprodukte für den Verbraucher entsprechend gekennzeichnet würden.
Im EU-Ausland hat die Unterzeichnung des Abkommens in den vergangenen Tagen bereits für Proteste gesorgt. Ein Schritt, den die heimischen Landwirte aber nicht gehen wollen. Das hat Bauernpräsident Weber bei der Maifelder Landwirtschaftswoche bekräftigt.
Er sagt, es fehle an gesellschaftlichem Rückhalt, weil auch andere Wirtschaftsbereiche strauchelten. Es sei nicht angebracht, zu demonstrieren, "wenn derjenige auf dem Bürgersteig auch dieselben Themen, beziehungsweise noch mehr Probleme hat, weil er seinen Arbeitsplatz in Gefahr sieht."