Wichtige Verkehrswege führen in Rheinland-Pfalz entlang von Flüssen, die in tief eingeschnittenen, felsigen Tälern liegen. Steile, stark zerklüftete Abhänge grenzen oft unmittelbar an Ortschaften, an Straßen und Bahnstrecken, vor allem entlang von Rhein, Mosel und Nahe.
Immer wieder gibt es Steinschläge. Viele werden gar nicht öffentlich bekannt, weil sie keine Auswirkungen haben und Sicherheitsmaßnahmen wie Fangnetze und Zäune greifen. Diese Maßnahmen verursachen Kosten in Millionenhöhe.
Felssturz an der Loreley wird weiter untersucht
An der Loreley hat jetzt jedoch ein Felssturz zur vorübergehenden Sperrung der B42 geführt. Gesteinsbrocken landeten direkt auf der Bundesstraße. Zum Glück wurde niemand verletzt. Der berühmte Felsen wird nun Stück für Stück untersucht. Denn eine eindeutige Ursache steht bisher nicht fest. Industriekletterer sind im Einsatz, mit 3D-Drohnen-Aufnahmen wird der Hang analysiert. Die gut 130 Meter hohe Schieferfelswand entstand vor rund 400 Millionen Jahren aus Ablagerungen eines Meeres. Das einzelne Schiefergestein ist fest und stabil, als Felsformation ist es aber oft brüchig. Erosionsprozesse können dazu führen, dass sich einzelne Blöcke aus dem Verband lösen.
Steinschläge, Felsabbrüche, Hangrutsche Nach Felssturz an der Loreley - so wird das Mittelrheintal kontrolliert und gesichert
Regelmäßig wird das Mittelrheintal vom Landesbetrieb Mobilität und vom Landesamt für Geologie und Bergbau untersucht. Doch eine absolute Sicherheit wird es nie geben.
Bei Felsstürzen wirken nach Angaben des Landesamtes für Geologie und Bergbau (LGB) mehrere Prozesse über längere Zeiträume zusammen.
- Frost-Tau-Wechsel: Wasser dringt in Spalten, gefriert, dehnt sich aus und sprengt den Fels langsam auseinander. Häufige Wechsel von Frost und Tau sind besonders effektiv beim Lockern von Felsgestein. Auch andere Temperaturänderungen spielen eine Rolle.
- Durchweichung des Bodens und Gesteins:
- Starkregen kann Hänge plötzlich stark belasten. Felsabbrüche und Erdrutsche werden wahrscheinlicher, vor allem nach langen Trockenperioden, wenn Böden und Gestein bereits rissig sind.
- Verwitterung und Erosion: Chemische und physikalische Prozesse schwächen das Gestein.
- Vegetation und Wurzeldruck: Wurzeln können stabilisieren, aber auch Fels aufsprengen.
Ereignisse an Steilhängen werden heute genauer erfasst
Die Zahl dokumentierter Rutschungen oder Felsstürze allein sei kein sicherer Beleg für einen langfristigen Anstieg der Gefahren, teilt das Landesamt dem SWR auf Anfrage mit. Das LGB könne heute wesentlich genauer die Massenbewegungen auf Karten darstellen. Daher seien die heutigen Erhebungen nicht mit früheren vergleichbar.
Was jedoch festgehalten werden könne, sei, dass Erdrutsche und Steinschlag auf Grund von Starkregen zugenommen haben.
Klimawandel verstärkt bekannte Risiken
Der Klimawandel verändert genau diese Prozesse - und damit auch das Risiko von Felsstürzen. Klimaforscher erwarten für Rheinland-Pfalz: heißere Sommer, mildere Winter und mehr extreme Wetterereignisse. Dazu gehören intensiverer Starkregen sowie längere Dürre. Bei Starkregen muss verstärkt mit Muren und Erosionsschäden gerechnet werden. Muren sind schnell talwärts fließende Ströme aus Schlamm, Geröll, Gestein und Wasser.
Der Klimawandel schafft nicht völlig neue Gefahren, aber er verstärkt bekannte Risiken und kann Prozesse beschleunigen, die bisher über lange Zeiträume stattfanden.
Schon heute werden in Rheinland-Pfalz Felswände an kritischen Stellen regelmäßig überwacht:
- Geologische Gutachten für Straßen- und Bahntrassen unter Steilhängen werden erstellt.
- Felsbereinigung: Loses Gestein wird von spezialisierten Firmen entfernt.
- Sicherungssysteme wie Felsnägel, Netze, Anprall- und Steinschlagzäune werden installiert, besonders an vielbefahrenen Straßen und Bahnlinien entlang von Rhein und Mosel.
- Monitoring mit Drohnen, Laserscans oder Sensoren wird regelmäßig durchgeführt, um Bewegungen im Fels frühzeitig zu erkennen.
Der mögliche Ort eines Steinschlags oder Felssturzes lässt sich nach Angaben des Landesamtes für Geologie und Bergbau vielfach deutlich besser eingrenzen als deren konkreter Eintrittszeitpunkt. Hier setzen Gefahrenhinweiskarten an.
MABEIS-Projekt soll Gefahrenanalyse verbessern
Seit Jahren wird das MABEIS-Projekt vorangetrieben - das "Massenbewegungsinformationssystem Rheinland-Pfalz". Es soll die bestehende Rutschungsdatenbank des Landes ergänzen. Dort sind bereits zahlreiche Schadensfälle dokumentiert, die deutlich machen, wie wichtig Prävention ist. Ereignisse wie die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 oder der Felssturz bei Kestert im März 2021 verdeutlichten, wie wichtig eine verbesserte Gefahrenanalyse ist, so die Initiatoren.
Mit MABEIS sollen Gefahrenhinweiskarten erstellt werden, um mögliche Risiken frühzeitig erkennen zu können. Es handelt sich um Computermodelle, die als Grundlage dienen, um präzise Simulationen durchzuführen. Daraus werden Karten erstellt und regelmäßig aktualisiert. Bestehende Schutzmaßnahmen an den Hängen werden in die Modelle integriert.
Für November ist laut Landesamt für Geologie und Bergbau die Veröffentlichung von verschiedenen Daten des MABEIS-Projektes auf der Homepage des LGB geplant. Der Schwerpunkt liegt auf dem Einzugsgebiet der Ahr in Rheinland-Pfalz.