Während sie in der Vergangenheit gewöhnlich zu Hausbränden oder Unfällen gerufen wurde, muss die Feuerwehr immer öfter ausrücken, um Waldbrände zu löschen. Freiwillige Feuerwehrleute sind aber neben ihrem Ehrenamt ganz normal berufstätig. Wie sind Beruf, Privatleben und Feuerwehreinsätze miteinander vereinbar?
- So schnell muss die Feuerwehr am Einsatzort sein
- So garantiert die Freiwillige Feuerwehr Neuwied Einsatzbereitschaft
- Neustadt an der Weinstraße hat die größte Freiwillige Feuerwehr
- So wird die Freiwillige Feuerwehr finanziert
- Feuerwehr, Beruf und Familie - ist das vereinbar?
- Welche Voraussetzungen muss man für die Freiwillige Feuerwehr mitbringen?
- So viele freiwillige-ehrenamtliche Feuerwehrleute gibt es in RLP
Eben noch im Büro oder auf der Baustelle, auf einmal klingelt der Funkmeldeempfänger, den Freiwillige Feuerwehrleute bei sich tragen, oder die App auf dem Smartphone schlägt Alarm. Dann heißt es, ab ins Feuerwehr-Gerätehaus und los zum Einsatz.
So schnell muss die Feuerwehr am Einsatzort sein
Die Feuerwehr in Rheinland-Pfalz muss nach dem Notruf innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein. Diese sogenannten Hilfsfristen sind in der Feuerwehrverordnung Rheinland-Pfalz gleich im ersten Paragraph festgelegt. Die Gemeinden sind verpflichtet, ihre Feuerwehr entsprechend aufzustellen.
Große Hitze und Trockenheit in Rheinland-Pfalz Sind die Freiwilligen Feuerwehren durch die vielen Wald- und Feldbrände überfordert?
Aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit in diesem Sommer sind in zahlreichen Regionen im Südwesten große Feld-, Wald- und Wiesenbrände ausgebrochen. Im Kampf gegen die Flammen sind viele ehrenamtliche Feuerwehrleute im Einsatz, die sich dabei freiwillig Gefahren aussetzen.
Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass die Gemeinden sich hauptsächlich auf Ehrenamtliche verlassen müssen. Denn Kommunen unter 90.000 Einwohnern müssen im Rheinland-Pfalz keine Berufsfeuerwehr haben.
Für die Einsätze werden diejenigen Freiwilligen herangezogen, die nicht zu weit entfernt von der Wache arbeiten, und Bereitschaften übernehmen können. Doch viele Kommunen leisten sich inzwischen einen Stamm von hauptamtlichen Feuerwehrleuten, die feste Dienste haben und bezahlt werden. So soll garantiert werden, dass sie schnell genug am Einsatzort sind. Erst 2025 haben beispielsweise Bad Kreuznach und Ingelheim hauptamtliche Feuerwehrleute eingestellt, die auch zu Einsätzen ausrücken.
So garantiert die Freiwillige Feuerwehr Neuwied Einsatzbereitschaft
Die Stadt Neuwied, mit weniger als 90.000 Einwohnern, hat schon vor 100 Jahren ein ganz besonderes Konzept eingeführt. Sie hat eine Kooperation mit den Neuwieder Stadtwerken, die zwei der acht hauptamtlichen Einsatzkräfte stellen. Dazu kommt rund 300 ehrenamtliche Feuerwehrleute. Zusätzlich aber - und das ist das Besondere - 24 Einsatzkräfte, die zwar auch zur Freiwilligen Feuerwehr gehören, aber einen Sonderstatus haben.
Die Männer und Frauen arbeiten in ihren ganz normalen Berufen, übernehmen aber alle drei Tage am Abend, in der Nacht oder an Feiertagen Bereitschaftsdienste. Sie müssen in Wohnungen neben der Feuerwache wohnen und dürfen während ihrer Bereitschaft das Gelände nicht verlassen. Dafür bekommen sie eine günstige Miete und eine monatliche Aufwandsentschädigung.
"Nur noch Zeit zum Schlafen" Dauerstress für Ehrenamtliche: Feuerwehr im Kreis Bad Kreuznach am Limit
Waldbrand am Rotenfels oder Feuer in einer Industriehalle: Die Feuerwehren im Kreis Bad Kreuznach sind im Dauereinsatz. So erleben zwei Ehrenamtler aus Bad Sobernheim die Zeit.
Neustadt an der Weinstraße hat die größte Freiwillige Feuerwehr
Die größte Einheit der Freiwilligen Feuerwehr in Rheinland-Pfalz hat Neustadt an der Weinstraße. Dort gibt es 422 Freiwillige aktive Einsatzkräfte. Hauptamtliche Feuerwehrleute hat die Stadt nicht, selbst der Wehrleiter, Stefan Klein, arbeitet als Geschäftsführer eines Handwerksbetriebes.
Die Feuerwehreinsätze sind vielfältig, wie die Grafik zeigt. Erst 2025 hat Neustadt an der Weinstraße eine Schnelleinsatzgruppe (SEG) mit 52 Kräften ins Leben gerufen, die als Medizin-Taskforce ausrückt. Sie unterstützt Rettungskräfte bei der Versorgung von Verletzten und kümmert sich psychologisch um Opfer.
So wird die Freiwillige Feuerwehr finanziert
Die Kosten für die Freiwillige Feuerwehr tragen die Kommunen. Allerdings erhalten sie vom Land jährlich eine Pauschale, die sich nach Einwohnerzahl und Fläche der Kommune richtet. Mit dem Geld können die Kommunen Feuerwehrfahrzeuge oder Geräte beschaffen. Für den Neubau von Feuerwachen kann die Gemeinde eine Extra-Förderung beantragen. Für die Jahre 2025 und 2026 stellt das Land den Kommunen jeweils 20 Millionen Euro für den Brand- und Katastrophenschutz zur Verfügung.
Für die Personalkosten sind die Gemeinden zuständig. Wer sich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, bekommt dafür kein Geld. Die Arbeit ist ehrenamtlich. Aber was ist, wenn die Feuerwehrleute von ihrer Arbeit zu einem Einsatz weggerufen werden? In diesem Fall ist der Arbeitgeber verpflichtet, das Gehalt weiter zu zahlen. Die Gemeinde erstattet dem Arbeitgeber aber die Lohnkosten. Auch Selbstständige bekommen von der Gemeinde den Arbeitsausfall erstattet.
Feuerwehr, Beruf und Familie - ist das vereinbar?
Stefan Klein, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Neustadt, arbeitet neben seinem Hauptberuf 80 bis 100 Stunden im Monat für die Feuerwehr. "Ich bin überzeugter Ehrenamtler", erzählt er, "ich mach das aus Liebe zu meiner Stadt und aus Idealismus".
Die Arbeit mache einfach Spaß. "Bei uns gibt es die Arzthelferin, den Handwerker und den Ingenieur, den ganzen Querschnitt unserer Bevölkerung. Wir haben keine Probleme, Freiwillige zu finden", sagt er. Warum das so ist? Guter Teamgeist, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und eine gute technische Ausstattung, die den Job auch für junge Leute interessant mache, meint Klein.
Die gesellschaftliche Anerkennung, die Wertschätzung durch die Gesellschaft sei für die Feuerwehrleute der Motivationsmotor, sagt Klein.
Welche Voraussetzungen muss man für die Freiwillige Feuerwehr mitbringen?
Wer sich aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren will, muss mindestens 16 Jahre alt sein (Jüngere sind bei der Jugendfeuerwehr). Bewerberinnen und Bewerber müssen einen medizinischen und körperlichen Eignungstest machen. Die Ausbildung findet dann bei der Feuerwehr statt, mit einem Grundlehrgang, Erste-Hilfe-Kurs und weiteren Lehrgängen.
So viele freiwillige-ehrenamtliche Feuerwehrleute gibt es in RLP
In Rheinland-Pfalz gibt es 2.250 Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr. Dort sind insgesamt 56.400 ehrenamtliche Feuerwehrleute im Einsatz. Nur knapp 9,8 Prozent von ihnen sind Frauen und Mädchen (5.500).