Neben ihnen sind auch zahlreiche Landwirte im Einsatz, die helfen, wo sie können. SWR Aktuell hat auf seinem YouTube-Kanal nachgefragt, wie gut die Feuerwehren auf diese Ausnahmesituation vorbereitet sind.
- Arbeiten bei 500 Grad Hitze
- Klimakrise sorgt auch künftig für Waldbrände
- Unermüdlicher Einsatz der Feuerwehrleute
- Wo besteht Nachholbedarf?
- Neue Ausrüstungen und Taktiken erforderlich
- Hilfe durch Land- und Forstwirte unverzichtbar
Wenn der Wald brennt Wie gut ist Rheinland-Pfalz auf Waldbrände vorbereitet?
CDU-Innenminister Achim Schwickert sieht RLP bei der Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden gut aufgestellt. So sieht es der Feuerwehrverband.
Arbeiten bei 500 Grad Hitze: Wie halten Feuerwehrleute das aus?
Marlon Schäfer ist in seinem zivilen Beruf Land- und Baumaschinenmechatroniker. Seit 13 Jahren unterstützt er die Freiwillige Feuerwehr Langenfeld in der Verbandsgemeinde Vordereifel im Kreis Mayen-Koblenz. Bereits sein Vater und Großvater waren Feuerwehrleute.
Das Großfeuer bei Langscheid in diesem Monat war sein erster Waldbrand überhaupt und zudem sein längster und größter Einsatz jemals. Er sei sprachlos gewesen, als ihn das Ausmaß des Feuers bewusst geworden sei, sagt Schäfer dem SWR. Solche Bilder habe er zuvor nur aus dem Fernsehen gekannt. Anfangs sei der Brand noch klein gewesen, dann aber immer größer geworden, so der 23-Jährige.
Das war schon überwältigend, wie schnell sowas einfach passiert und wie schnell das Wasser weg ist.
Timm Hepp ist einer der beiden stellvertretenden Wehrleiter der Verbandsgemeinde Vordereifel. Der selbstständige Dachdeckermeister ist seit 25 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr und war beim Brand Abschnittsleiter eines Bereichs. Seine erste Schicht sei 24 Stunden lang gewesen, sagt der 39-Jährige.
Nach seiner Aussage war das Feuer wegen des hügeligen Geländes schwer zu löschen. Nach Angaben von Wehrleiter Udo Mohr hatten sich die Flammen mit 10 Meter pro Sekunde ausgebreitet. Zudem bereiteten die Transportwege im Wald größere Schwierigkeit, wenn überhaupt Waldwege vorhanden seien.
Viele Menschen haben in diesem Sommer unter der große Hitze gelitten. Das zeigen auch die jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts zu den Hitzetoten in Rheinland-Pfalz. Aber Feuerwehrleute wie Tim und Marlon müssen noch ganz andere Temperaturen aushalten. Sie stehen bei bis zu 500 Grad im Flammenmeer.
Tim Hepp sagt, "klar fährt man nach Hause, man trinkt eine Tasse Kaffee und probiert zu schlafen. Aber gedanklich ist man doch noch hier, man kann nicht einschlafen."
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Klimakrise sorgt wohl auch künftig für Waldbrände
Die Klimaveränderung ist derzeit weitweit zu spüren. In vielen Teilen der Welt hat es Wald- und Feldbrände gegeben - vor allem in Südeuropa, aber auch bei uns in Südwestdeutschland und in unseren Nachbarländern wie Belgien und in Nordrhein-Westfalen. Der Brandgeruch aus diesen Gebieten war auch bei uns zu spüren.
In Langscheid hatte eine Fläche von 50 Hektar gebrannt. Neben der Berufsfeuerwehr ist in solchen Lagen der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren unverzichtbar.
Unermüdlicher Einsatz der Feuerwehrleute
Marlon Schäfer empfindet es als "krassen Moment", dass vor einem Jahr in seiner Heimat noch alles schön grün war, jetzt aber alles verkohlt ist. Der 23-Jährige macht sich auch Sorgen um die Zukunft, denn solche Brände würden immer wahrscheinlicher. Schäfer war vor allem überrascht, wie schnell das Löschwasser aufgebraucht war.
Sein Kamerad Tim Hepp war beim großen Brand in Langscheid als erster vor Ort. Er war auch für die Planung der Feuerbekämpfung zuständig. Er musste sich einen Überblick verschaffen und überlegen, wie man das Flammenchaos am besten in den Griff bekommen kann. Sein erster Einsatz ging über 24 Stunden ohne Pause.
Sich eine Pause zu nehmen, sei unmöglich, denn er habe die Einatzkräfte und die Fahrzeuge koordinieren müssen. Insgesamt sei er 31 Stunden am Stück wach gewesen. Und auch danach könne man nicht wirklich abschalten.
Wo besteht Nachholbedarf bei den Freiwilligen Feuerwehren?
Der Klimawandel allein löst keinen Waldbrand aus. Oft ist es der Mensch, der eine Zigarettenkippe achtlos wegwirft, im Wald bei großer Hitze grillt, auch wenn die Behörden es verboten haben oder sein Auto mit heiß gelaufenem Katalysator auf einer knochentrockenen Wiese abstellt.
Aber durch die extremen Hitzeperioden ist der Wald nun mal ausgetrocknet. Wird ein Feuer entfacht - aus welchem Grund auch immer - brennt es intensiver. Sind die Feuerwehren auf diese sich häufenden Vegetationsbrände ausreichend vorbereitet?
Der Waldbrand-Experte Ulrich Cimolino sagt, dass die bisherige Ausbildung Vegationsbrandbekämpfung nicht vermittelt.
"Wir haben in den letzten Jahren versucht, hierzu das Ausbildungsmaterial zu verbessern. Damit wir einige Fehler auch nicht mehr machen. Also nicht mit der falschen Kleidung reingehen, nicht mit der falschen Taktik vorgehen. Nicht mit den falschen Werkzeugen auf zu große Feuer zugehen, um eben Verletzungen zu vermeiden", sagt Cimolino.
Neue Ausrüstung und Taktiken erforderlich
Viele Feuerwehrleute kämpfen mit Ausrüstung und Taktiken, die eigentlich für andere Brände gedacht sind - wie etwa Hausbrände. Das ist eine Gefahr für die Bevölkerung aber auch für die Feuerwehrleute selbst.
Für die Waldbrände gibt es eine etwas leichtere Ausrüstung für die Feuerwehrleute. Denn laut Marlon Schäfer ist es sehr heiß, man stehe direkt in den Flammen, müsse viele Wege zu Fuß machen und alles mitschleppen.
Es gebe eine spezielle Kiste nur für Waldbrände, so Schäfer. Darin sei extra ein Löschrucksack. Anfangs habe er am Sinn des Löschrucksacks gezweifelt. Aber der Einsatz habe gezeigt, dass es wirklich nicht so schlecht sei.
"Du bist super flexibel – den kannste anschnallen, auch recht bequem für 20 Kilo auf dem Rücken. Und du kannst gezielt Glutnester ablöschen - das geht wirklich gut. Wir haben so eine Pistole dafür - da ist quasi keine Pumpe drin, das musst du von Hand pumpen. Ist ein bisschen wie im Schwimmbad, eine Spielzeugpumpe, aber funktioniert echt gut - da war ich begeistert", betont Schäfer.
Hilfe durch Land- und Forstwirte unverzichtbar
Aber es braucht noch viel mehr Unterstützung, als man sich vorstellen kann. Beim Waldbrand in Langscheid war vor allem die Hilfe der vielen Landwirte höchst willkommen.
Wir hatten ein massives Aufgebot von Landwirten hier, Forstwirte waren auch viele hier. Die sind hier mit ner Raupe durchgefahren, mit ner Fräse, die haben uns gut geholfen, die haben relativ schnell Schneisen in den Wald reingeschlagen, dass uns das Feuer da nicht mehr weglaufen konnte. Die Landwirte sind mit Fässern gekommen, haben wirklich auch massivst Löscharbeiten durchgeführt."
Einige dieser Landwirte haben sich zur Gruppe "Red Farmer" zusammengeschlossen. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk Freiwilliger, die mit schweren Maschinen und Wassertanks helfen.
Fazit: Viele freiwillige Helfer sind da - aber bei der Ausrüstung klemmt es
Die Bilanz ist also gemischt. Wir haben viele engagierte Ehrenamtliche, die helfen und schützen wollen. Aber viele Feuerwehren sind auf diese neue Art der Bedrohung noch nicht eingestellt. Benötigt werden Übung, Ausbildung und die passende Ausrüstung. Dafür braucht es politische Entscheidungen bis hinunter auf die kommunale Ebene.