Wildes Parken auf vollen Rastplätzen

Zu wenig Parkplätze für Lkw an Autobahnen - darum ist das so gefährlich

Immer wieder stehen Lkw in den Auffahrten überfüllter Parkplätze. Sehr gefährlich für alle Beteiligten, Auto- und Lkw-Fahrer. In RLP fehlen laut ADAC gut 1.500 Stellplätze.

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Von Autor/in Sina Groß, Susanne Weber

"Grauenvoll. Sucherei ab 15, 16 Uhr. Fast unmöglich, was zu finden." So beschreibt Lkw-Fahrer Sven Timm kurz und knapp die Situation auf bundesdeutschen Park- und Rastanlagen. Das führt dann dazu, dass die "Brummis" dort abgestellt werden, wo eben noch eine Lücke ist. "Die stehen teilweise unbeleuchtet auf dem Verzögerungsstreifen. Manche hängen sich eine kleine Warnweste hintendran, die ein bisschen vor sich hinflattert."

Man steht nicht vernünftig, man steht nicht sicher, man hat zum Teil keine sanitären Anlagen.

Pflicht zu Ruhezeiten macht Parken notwendig

Immer wieder stehen Lastwagen gefährlich in den Auffahrten von hoffnungslos überfüllten Parkplätzen oder sogar in Nothaltebuchten. Sie sehen oft keinen anderen Ausweg. Einerseits müssen die Berufskraftfahrer und -fahrerinnen gesetzliche Ruhezeiten einhalten. Andererseits sind Stellplätze immer schwerer zu finden. Laut ADAC fehlen bundesweit nach wie vor rund 20.000 Lkw-Parkplätze, in Rheinland-Pfalz sind es gut 1.500.

ADAC: Viele Lkw parken hochriskant

Der ADAC hat an 100 deutschen Rastanlagen untersucht, wie viele Lkw regelwidrig parken. Erschreckendes Ergebnis: An fast jeder zweiten parkten Lkw hochriskant, also in Ein- und Ausfahrten oder sogar auf dem Seitenstreifen der Autobahn. Auf 85 Anlagen standen Laster im absoluten Halteverbot. Und an fast jeder Anlage parkten Laster laut ADAC-Untersuchung außerhalb markierter Flächen, etwa in den Fahrgassen zwischen den Stellplätzen.

Lkw sucht einen Platz auf einem vollbesetzten Parkplatz - bundesweit fehlen laut ADAC tausende Plätze
Ein Lasterfahrer sucht vergeblich einen Platz zum Halten. Picture Alliance

Dringender Handlungsbedarf auch in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz sah die Lage nicht anders aus. Besonders negativ fiel die Raststätte Heiligenroth an der A3 in Richtung Süden auf. Hier parkten im Untersuchungszeitraum im Schnitt sieben Lkw in Bereichen der Kategorie "Rot“, also etwa an den Ein- und Ausfahrten. Im Schnitt 16 Lkw waren im Bereich "Orange“ abgestellt, weitere 42 im Bereich "Gelb“. An der Raststätte Eifel West an der A1 Richtung Süden zeigte sich ein ähnliches Bild. Auf der Rastanlage Brohltal West an der A61 parkten bei der Untersuchung zwar keine Fahrzeuge in den gefährlicheren Bereichen, im Schnitt aber 39 im Bereich "Gelb“, also außerhalb der markierten Lkw-Parkflächen.

"Die Ergebnisse verdeutlichen, dass auch in Rheinland-Pfalz dringender Handlungsbedarf besteht, um sowohl die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten als auch die logistischen Herausforderungen für Lkw-Fahrer zu entschärfen“, sagt Christian Schmidt, Verkehrsexperte des ADAC Mittelrhein.

Parken ohne System auf dem Rastplatz funktioniert nicht gut

Wenn sich Lkw-Fahrer ihre Parkplätze selbst aussuchen, wird die zur Verfügung stehende Parkfläche oft nicht effizient genutzt. Viele parken relativ weit vorne alles zu, aus Angst, weiter hinten keinen Platz zu bekommen. Andere können nicht abfahren, weil sie durch um sie herum stehende Lkw blockiert werden. Streit und Ärger ist hier programmiert. Gerade als Frau kann man Probleme bekommen, wenn man den Vordermann zum Wegfahren bewegen muss, weiß LKW-Fahrerin Charlotte Oesterhoff.

Da hab ich dann als Frau auch keine große Lust, mitten in der Nacht zu klopfen und die zu wecken. Da wird man manchmal auch nicht ernst genommen oder es wird einer schon mal frech. Am Ende bleibt nur, die Polizei zu rufen, weil man an der Weiterfahrt gehindert wird.

ADAC-Untersuchung Kolonnen-Parken: So könnte die Lösung für Lkw-Stellplätze aussehen

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Mehr Parkplätze durch Kolonnen-Parken?

Intelligente Parksysteme sollen hier Abhilfe schaffen. Beim sogenannten Kolonnen-Parken müssen Lkw-Fahrer an der Raststätte, an der sie ihr Fahrzeug abstellen wollen, ein Ticket ziehen. Dabei müssen sie angeben, wie lange sie rasten wollen. Je nach Abfahrtszeit bekommen sie einen Parkplatz zugewiesen. So können mehrere Lkw hintereinander stehen, ohne sich zu blockieren, denn der vorderste ist derjenige, der zuerst den Rastplatz verlässt, der hinterste derjenige, der am längsten bleibt.

Was sich in der Theorie gut anhört, klappt in der Praxis nicht immer. Darauf verweist ADAC-Experte Schmidt. Bei Montabaur an der A3 gebe es zwar seit rund 20 Jahren ein solches Lkw-Parksystem. Doch es werde weder gepflegt noch kontrolliert, sodass letztlich nicht mehr wirklich viel funktioniere.

Kolonnen-Parksystem in Montabaur: Lkw an Schranke
Lkw-Parksystem in Montabaur

ADAC: Bund muss mehr tun

Nicht nur die Anschaffung eines solchen Systems koste Geld, sondern eben auch die Instandhaltung. Für Christian Schmidt ist klar, dass hier der Bund zuständig ist. Er sei für die Autobahnen, Parkplätze und Stellflächen verantwortlich und müsse mehr für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer tun, fordert Schmidt.

Einige Lkw-Fahrer tricksen System aus

Es gibt jedoch nicht nur technische Probleme, sondern auch einige Lkw-Fahrer, die mit ihrem Verhalten das System untergraben. Lkw-Fahrerin Oesterhoff sind die Fahrer ein Dorn im Auge, die so tun, als würden sie auf der Rastanlage gar nicht parken, sondern nur durchfahren wollen. Auch ihr Kollege Steve Bauert hat schon beobachtet, dass manche Fahrer kein Ticket holen, weil sie Kosten befürchten. Sie führen erst an den Parkplätzen vorbei, lenkten dann aber rückwärts auf die Parkspur. So komme jemand, der früher weg wolle, nicht los.

Abgestellte Anhänger verstopfen Parkfläche

Ein weiteres großes Problem nach Ansicht vieler Fahrer: abgestellte Anhänger, die über Wochen Parkplätze blockieren. Christian Schmidt vom ADAC kennt dieses Phänomen nur zu gut: Sattelauflieger, die nicht einmal angemeldet und illegal über Wochen abgestellt sind oder die im schlimmsten Fall auf dem Parkplatz illegal entsorgt wurden. Er fordert, diese Auflieger schnellstmöglich zu prüfen und zur Seite zu schaffen. Bei Parkplätzen, die wie etwa in Montabaur ein Kolonnen-Parksystem haben und deshalb mit Kameras ausgestattet sind, müsste es nach Ansicht von Schmidt möglich sein, den Halter zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen.

Schnelle Besserung nicht in Sicht

Etwa 70 Prozent aller Rastanlagen bundesweit sind laut einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen nachts überlastet. Was müsste sich also ändern? Die Forderung von Charlotte Oesterhoff ist einfach: Mehr Parkplätze, mehr Parkmöglichkeiten. Und darüber hinaus müsse auch mehr kontrolliert werden.

Dann müssen die halt abgeschleppt werden, wenn die so sch.. stehen. Dann muss irgendwann auch der Staat reagieren. Die wollen uns auf der Straße, die wollen die Lieferung über die Straße. Dann müssen die auch dafür sorgen, das wir irgendwo ruhig stehen und schlafen können.

Ob das Park-Problem irgendwann gelöst wird? Fest steht jedenfalls: Bis es soweit ist, werden Lkw-Fahrer wie Sven Timm noch viel Zeit mit der abendlichen Parkplatzsuche verbringen müssen.

Mahlberg

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Sina Groß
Susanne Weber
Bild von Susanne Weber, Redakteurin bei SWR Aktuell in Rheinland-Pfalz

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