Auto Club erfasst Parkplatz-Mangel

"Wir müssen falsch parken": Lkw-Fahrer im Dilemma - in BW fehlen Tausende Plätze

Überfüllte Rastplätze, Lastwagen auf dem Standstreifen und in Ausfahrten: An Autobahnen im Land gibt es viel zu wenig Parkplätze für Lkw. Der Auto Club Europa schlägt Alarm und fordert mehr Flächen.

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Von Autor/in Kiara Roller, Christian Susanka

Stundenlang am Steuer - und dann kein Parkplatz in Sicht: Weil Parkplätze fehlen, stellen viele Lkw-Fahrer ihre Fahrzeuge notgedrungen auf Standstreifen oder in Ein- und Ausfahrten ab. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch frustrierend für die Fahrer. Auf Autobahnen herrscht akute Parkplatznot - darauf macht der Auto Club Europa (ACE) aufmerksam. Falsch geparkte Lkw an Raststätten gefährden den Verkehr, warnt der Verkehrsclub. Um das Ausmaß zu verdeutlichen, haben ACE-Vertreter die Zahl verkehrsgefährdend abgestellter Lastwagen erfasst. Der Club fordert nun entschlossenes Handeln – und sieht vor allem Städte und Gemeinden in der Pflicht.

Gefährliche Parksituation an der A5: Lastwagen stehen in Ausfahrten

Dienstagabend gegen 20 Uhr auf dem Rastplatz Mahlberg Ost (Ortenaukreis) an der A5: Die regulären Lkw-Parkplätze sind schon längst zugeparkt, aber immer noch fahren Lkw auf den Rastplatz ein. Das Team des ACE zählt an diesem Abend 17 Falschparker, vier davon verkehrsgefährdend. Auch auf der Gegenfahrbahn Richtung Basel ist der Rastplatz Mahlberg West zugeparkt. Zwei Lkw stehen sogar in der Ausfahrt des Rastplatzes direkt neben der Fahrbahn.

Einer, der an diesem Abend absichtlich falsch parkt, ist Lkw-Fahrer Manpreet Singh. Er stammt aus Indien und ist für eine slowenische Spedition unterwegs. Den Lkw hat er in der Ausfahrt der Autobahntankstelle Mahlberg abgestellt. Mit seinem Kollegen Sukhjinder Singh ist er an diesem Tag aus der Nähe von Lyon gekommen. Am nächsten Morgen müssen sie bei einer Firma unweit von Lahr (Ortenaukreis) vorfahren. Die Autobahn wollen sie für die Nacht nicht verlassen, sagen sie. Hier haben sie Toiletten und Waschbecken.

"Wir müssen oft einfach falsch parken", erklären die beiden Männer im Gespräch mit dem SWR. Das sei frustrierend. Manchmal würden sie auch auf Pkw-Plätzen parken, wenn alle anderen Plätze belegt sind. Unter den Lkw-Fahrern der verschiedenen Nationen sei die Solidarität groß. Man würde sich immer gegenseitig helfen, um noch eine Lücke zu finden.

Autoclub-Erhebung zeigt: Rastplätze sind zu voll

Der ACE hat erhoben, wie häufig Verkehrsrisiken durch parkende Lkw auftreten. Ergebnis: Die Überbelegung von Parkplätzen ist eher die Regel als die Ausnahme. In Baden-Württemberg wurden zwischen Februar und Juni 21 Autobahnstellplätze untersucht. Bei 20 stellten die Mitglieder des ACE eine Überbelegung fest. Einen negativen Rekordwert notierten die Tester auf der A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe: Bei der Raststelle Pforzheim Nord hielten sie eine Überbelegung von 110 Prozent fest. Aber auch an der A5 fanden sie deutlich mehr Lkw vor als erlaubt.

Lkw auf dem Lkw-Stellplatz Mahlberg Ost
Dicht gedrängt, fast kein Platz zum Aussteigen und Rangieren: Viele Lkw-Fahrer finden keinen geeigneten Parkplatz.

Autoclub gibt Lkw-Fahrern keine Schuld am Falschparken

Der Autoclub Europa sieht vor allem die Politik in der Verantwortung. Clubvertreter Elias Schempf fordert: Städte und Gemeinden müssten mehr Flächen für Parkplätze ausweisen. Der Bund sollte das Geld zusteuern. Den Lkw-Fahrern will der ACE keine Schuld an den zugeparkten Rastplätzen geben. Diese müssten sich eben an ihre Lenkzeiten halten. Es gehe nicht um einfache Schuldzuweisungen oder ein Schwarzer-Peter-Spiel, erklärt Schempf gegenüber dem SWR.

Die Kommunen müssen Flächen für die Vergrößerung der Rastplätze bereitstellen, die Autobahn GmbH ist bereit zu erweitern und zu bauen.

Lkw-Fahrer geraten in große Schwierigkeiten, wenn sie ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht einhalten. Gleichzeitig versuchen viele von ihnen, den akuten Parkplatzmangel gemeinsam zu bewältigen - etwa, indem sie anderen Fahrern Platz schaffen oder gefährlich abgestellte Fahrzeuge sichtbar kennzeichnen. Schempf berichtet: "Ich habe zum Beispiel gesehen, wie ein Lkw-Fahrer sogar noch seine Warnweste an einen Lkw gehängt hatte, um auf sein Fahrzeug aufmerksam zu machen, das in der Einfahrt zu einem Rastplatz stand."

Auch Wohnmobilbesitzer suchen verzweifelt einen Parkplatz an Raststätten

Auch der Däne Paul Holst sucht noch eine Parklücke. Zusammen mit seiner Frau ist er auf der Rückreise vom Frankreich-Urlaub. Die Holsts fahren zwar keinen Lkw, mit dem Wohnmobil dürfen sie allerdings nicht auf den Auto-Parkplatz, erklärt der pensionierte Fahrer. Seine Frau auf dem Beifahrersitz erzählt: "Seit Mulhouse sind wir am Suchen, um eine Parklücke zu finden, wir sind heute morgen um neun Uhr losgefahren, jetzt wollen wir uns ausruhen."

Die beiden Dänen haben Glück und finden eine Lücke, die gerade freigeworden ist. Das Problem der langwierigen Stellplatz-Suche und der überlasteten Rastplätze kennen sie, in Dänemark sei es genauso schlimm.

Dänen auf dem Lkw-Parkplatz mit ihrem Wohnmobil
Diese Wohnmobilbesitzer aus Dänemark haben endlich einen Parkplatz gefunden. Aber das war nicht einfach.

Speditionsverband: 3.000 Stellplätze fehlen in BW

Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbandes Spedition und Logistik Baden-Württemberg, spricht von einem jahrzehntelangen, hausgemachtem Problem:. "Bei Lkw-Stellplätzen wurde geschlafen", erklärt er im Gespräch mit dem SWR. In Baden-Württemberg würden rund 3.000 Stellplätze fehlen. "2024 wurden etwa 120 neue Stellplätze gebaut. Damit brauchen wir weitere 25 Jahre, um das auszugleichen", präzisiert der Verbandschef.

Auch Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sieht die aktuelle Situation kritisch: "Aus Sicherheitsgründen ist es wichtig, dass Lkw-Fahrer rechtzeitig Pause machen." Eine mögliche Maßnahme: Parkplätze für Lkw könnten künftig digital reserviert werden. Wenn die Kapazitäten an den Raststätten nicht ausreichen, müssten zusätzliche Stellflächen in Autobahnnähe geschaffen werden: "Hierzu bedarf es einer fortgesetzten Anstrengung der Autobahngesellschaft in Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden auf allen Ebenen", so Hermann.

Eine digitale Lösung kann sich auch der ACE vorstellen - zumindest, um den Mangel effizienter zu verwalten. Uwe Witfer, Regionalvorsitzender des ACE in Baden-Württemberg, schlägt vor, Stellplätze mit Sensoren auszustatten - ähnlich wie in modernen Parkhäusern. "Diese Sensoren spiegeln dann dem Fahrer per App in die Kabine, ob der Stellplatz frei ist oder nicht", so Witfer.

Lastwagen belegen Parkplätze für Autos - Einfahrtsbeschränkungen könnten helfen

Es brauche auch mehr analoge Lösungen, betont der Auto Club Europa. Auf dem Rastplatz Mahlberg sei das schon ganz gut gemacht. Dort sei der Pkw-Bereich mit einer Einfahrtsbegrenzung für Fahrzeuge unter 2,50 Meter Höhe ausgestattet - so blieben die Stellflächen tatsächlich den Autos vorbehalten, sagt ACE-Vertreter Elias Schempf. Wichtig sei jedoch, dass die Barriere sowohl an der Ein- als auch an der Ausfahrt installiert sei. Er habe tatsächlich schon Lkw-Fahrer erlebt, die ihren Lastwagen rückwärts in den Pkw-Bereich geschickt hätten. "Lkw-Fahrer sind kreativ und erfinderisch, wenn sie einen freien Parkplatz suchen."

ACE-Mitarbeiter zeigen auf Einfahrtsbeschränkung
Solche Einfahrtsbeschränkungen für Fahrzeuge die höher als 2,5 Meter sind, können verhindern, dass Lkw auf einem Pkw-Parkplatz parken.
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Kiara Roller
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Silas Schwab
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