Die Versorgung mit Blutspenden schwankt im Jahresverlauf stetig. In den Ferien brechen sie oft ein. In diesem Jahr hält es sich in Grenzen. Doch das sei nur eine Ist-Betrachtung, sagt Stephan David Küpper vom Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuz (DRK). Im Interview erklärt er, wofür die Blutspenden benötigt werden - und wie sich die Spendenbereitschaft aus Sicht des DRK entwickelt.
SWR Aktuell: Wie hoch ist der Bedarf an Blutkonserven in Rheinland-Pfalz pro Tag?
Stephan David Küpper: In RLP benötigen wir im Schnitt an Werktagen 800 bis 900 Blutspenden, um den Bedarf der Kliniken decken zu können. Der DRK-Blutspendedienst deckt dabei rund 75 Prozent des Gesamtbedarfs ab.
SWR Aktuell: Wie viel Blut wird etwa pro Tag durchschnittlich gespendet?
Küpper: Bestenfalls so viel, wie der Blutspendedienst geplant hat - die Planung kann dabei schwanken. Wir haben Phasen im Jahr, in denen wir wissen, dass es aufgrund vermehrter elektiver Eingriffe (ein nicht zwingend notwendiger Eingriff, der keinen Notfall darstellt. Anm. d. Red.) in den Krankenhäusern auch zu einem höheren Bedarf an Blutpräparaten kommen kann. Das ist zum Beispiel zu Jahresbeginn der Fall. Wenn über einen längeren Zeitraum weniger Blut gespendet wird als geplant, dann kommt es mitunter zu Versorgungsengpässen. Die Blutspendedienste versuchen immer einen Vorrat an fertig getesteten und hergestellten Blutpräparaten vorzuhalten, so dass wir schlimmstenfalls vier bis fünf Tage versorgen könnten, auch wenn keine Blutspenden nachfließen.
In diesem Sommer sind wir bislang ordentlich unterwegs.
SWR Aktuell: Wie viel Blut wird während der Sommerferien gespendet?
Küpper: In diesem Sommer sind wir bislang ordentlich unterwegs und können gut versorgen - aber das ist immer eine Ist-Betrachtung. Wir hatten auch schon Jahre, in denen die Sommerferien nicht das Problem darstellten, sondern der Herbst mit einem "Indian-Summer" oder eine früh einsetzende Erkältungswelle. Diese Faktoren können wir nicht beeinflussen und müssen daher sehr genau beobachten, wie sich das Spendeverhalten der Menschen entwickelt, um gegebenenfalls in Kommunikation und Terminorganisation nach- oder gegenzusteuern.
SWR Aktuell: Sind Schwankungen auch in anderen Ferien feststellbar oder in der Zeit zwischen den Jahren?
Küpper: Schwankungen gehören leider zu unserem Arbeitsalltag. Ferien, die Feiertagslage im Frühjahr und natürlich auch der Jahreswechsel sind dabei herausfordernde Phasen.
SWR Aktuell: Wie hat sich die Blutspendebereitschaft in den vergangenen Jahren entwickelt?
Küpper: Die sichere Versorgung mit Blutpräparaten stützt sich schon auf die Menschen, die bereit sind, mehrmals im Jahr Blut zu spenden. Wenn wir diese Mehrfach-Spendebereitschaft nicht hätten, sähe es schlecht aus um die Blutspende. Dieses Engagement zeigt sich insbesondere bei etwas älteren Bürgern - auch bei denen aus der Babyboomer-Generation. Doch diese fallen nun sukzessive aus dem Spendeprozess heraus, weil sie selbst erkranken und zu Blutempfängern werden.
Wenn wir Mehrfach-Spendebereitschaft nicht hätten, sähe es schlecht aus um die Blutspende.
Jüngere Menschen zwischen 18 und 30 Jahren spenden auch engagiert Blut, nur fehlt uns dort die Kontinuität. Der DRK-Blutspendedienst investiert daher intensiv in die Bemühungen, jüngere Blutspenderinnen und Blutspende zu aktivieren. Die passiert über die Social-Media Ansprache, Kampagnen wie der #missingtype-Kampagne und Schulprojekte. Beim DRK-Blutspendedienst West bald auch via TikTok.
SWR Aktuell: Bei welcher Blutgruppe ist der Bedarf am höchsten?
Küpper: Begehrt ist natürlich die Universalblutgruppe Null negativ, weil sie jedem Menschen (mit dem ABO-Blutgruppensystem) transfundiert werden kann. Dennoch unterscheiden wir als Blutspendedienst nicht bei unseren Appellen nach Blutgruppen.
SWR Aktuell: Wie geht es nach dem Blutspenden mit der Spende eigentlich weiter, wie ist ihr Weg?
Küpper: Blutspenden machen Kilometer - nach dem Prinzip: Aus der Region, für die Region werden die Blutspenden nach der Spende in die regionalen Institute verbracht, wo sie getestet (Labor) und weiterverarbeitet (Präparation) werden.
Aus einer einzigen Blutspende erarbeiten wir die Konzentrate roter Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und des Plasmas. Das bedeutet auch, das Blutspendende mit einer einzigen Spende bis zu drei Patienten helfen können.
Nach Labor und Weiterverarbeitung werden die fertigen Blutpräparate von den Instituten oder Depots in die Krankenhäuser gebracht, entweder in Rahmen der sogenannten Regelversorgungen, über Bestellung der Klinik oder mit einem Blaulicht-Transport im Notfall.
SWR Aktuell: Für welche Behandlungen braucht es besonders viel Blut?
Küpper: Die meisten Blutspenden gehen tatsächlich in die Krebstherapie (19 Prozent), es folgen Herz-Kreislauferkrankungen oder Magen-Darmerkrankungen. Heikel wird es immer dann, wenn es sehr schnell gehen muss - bei Unfällen oder bei unerwarteten Blutungen, zum Beispiel bei Geburten. Dann müssen die passenden Präparate sofort verfügbar sein.
Die Antworten liegen SWR Aktuell in schriftlicher Form vor.