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Viele junge Rheinland-Pfälzer sind wegen Kleinstkrediten verschuldet

Neues Handy, neue Sneaker: Fast alles kann online mittlerweile auf Raten gekauft werden. Wegen "Buy now, pay later" haben junge Menschen in Rheinland-Pfalz immer öfter Schulden.

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Von Autor/in Tim Saynisch

Jetzt kaufen - und erst in 30 Tagen bezahlen: "Buy now, pay later"-Angebote sind aus dem Online-Handel nicht mehr wegzudenken. Zahlungsdienstleister versprechen hierdurch "große Freiheit bei deinen Kaufentscheidungen" (PayPal) oder "flexible Zahlungsmethoden, die zu deinem Budget passen" (Klarna).

Für viele junge Rheinland-Pfälzer unter 30 Jahren werden die sogenannten BNPL-Services allerdings immer öfter zur Schuldenfalle.

"Es ist im Moment sehr einfach, Schulden zu machen. Ich bestelle ganz viel, mache dann Ratenpausen und verliere den Überblick. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Klienten 20 oder 30 verschiedene Forderungen bei Klarna haben. Ähnlich verhält es sich mit PayPal", schildert Lena Schleicher. Sie ist in Mayen Schuldner- und Insolvenzberaterin - explizit für junge Menschen bis 27 Jahre. Ein Angebot der Diakonie. Sie sagt, Konsumschulden seien aktuell der Hauptgrund, dass Klienten zu ihr kommen.

Jeder zweite BNPL-Nutzer wird laut Schufa abgemahnt

Nach Angaben der Schufa hatte im ersten Halbjahr 2025 jeder Dritte Verbraucher in Deutschland einmal BNPL-Angebote genutzt. Fast jeder Zweite von ihnen habe allerdings auch Mahngebühren zahlen müssen, weil Zahlungsfristen versäumt wurden. Besonders betroffen hiervon war demnach die Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen.

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Eine Studie der Uni Mainz beschriebt BNPL-Angebote als "leicht zugängliche Verschuldungsmöglichkeit". In der Statistik zur Überschuldung und Schuldnerberatung in Rheinland-Pfalz für das Jahr 2024 heißt es, diese Angebote seien "besonders auf eine jüngere, digitalaffine Gruppe ausgerichtet."

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Überschuldungsquote junger Menschen steigt

Laut dem "Schuldneratlas" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat die Anzahl neu aufgenommener Ratenkredite 2025 einen Rekordwert erreicht. Jeder zweite war demnach ein Kleinkredit von unter 1.000 Euro. "Besonders stark wuchs das Geschäft mit Internet-Krediten, das ein Plus von 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreshalbjahr erzielt", heißt es im Bericht.

Gleichzeitig sei die Überschuldungsquote junger Menschen unter 30 Jahren in Deutschland zum dritten Mal in Folge angestiegen. Sie lag demnach 2025 bei 6,95 Prozent und damit fast 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahr.

Auch Verbraucherinsolvenzen in RLP 2025 gestiegen

Laut statistischem Landesamt Rheinland-Pfalz hat in den ersten neun Monaten 2025 auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen um 5,7 Prozent zugenommen. Hierbei war Pirmasens einmal mehr trauriger Spitzenreiter mit fast 23 Insolvenzen pro 10.000 Einwohnern, direkt danach kommt Ludwigshafen. In der Stadt ist ungefähr jeder Siebte überschuldet. Den niedrigsten Wert konnte der Eifelkreis Bitburg-Prüm verzeichnen – mit 2,6 Insolvenzen pro 10.000 Einwohnern.

Lena Schleicher ist Schuldner- und Insolvenzberaterin in der Außenstelle Mayen der Diakonie Koblenz.
Lena Schleicher ist Schuldner- und Insolvenzberaterin in der Außenstelle Mayen der Diakonie Koblenz. Die Außenstelle ist spezialisiert auf die Beratung junger Menschen bis 27 Jahren.

Laut einer Statistik der Uni Mainz wurden 2024 in Rheinland-Pfalz insgesamt 23.755 Menschen in anerkannten und geförderten Schuldnerberatungsstellen beraten – der höchste Wert seit 2010. In der Beratungsstelle für junge Erwachsene in Mayen wurden laut Lena Schleicher im vergangenen Jahr 190 Schuldnerberatungen durchgeführt. Dies sei rund ein Viertel mehr als noch vor zehn Jahren.

Schuldnerberaterin: Junge Menschen agieren kurzsichtig

Die Schuldnerberaterin sieht unter anderem ein Mentalitätsproblem: "Die Menschen haben nicht mehr die Geduld, wie es früher war: Man hat auf etwas gespart und es sich dann gekauft. Heute ist alles verfügbar, die Geduld ist nicht mehr da." Die jungen Menschen, die sie betreue, seien zunehmend kurzsichtig in ihren Handlungen.

Schleicher wünscht sich mehr finanzielle Bildung in den Schulen und fordert, dass Finanzen auch im Elternhaus kein Tabuthema sein dürften: "Kinder und Jugendliche müssen von Anfang an lernen, wie das Leben funktioniert, was das Leben kostet."

Klarna und PayPal: Prüfen Bonität der Kunden immer ab

Gleichzeitig sieht sie Zahlungsdienstleister und Händler in der Pflicht. Sie fordert: Mobilfunkanbieter dürften bei einer schlechten Schufa-Auskunft keine Verträge mehr vergeben. Und: Buy-now-pay-later-Anbieter sollten Schuldner für den Bestellprozess sperren, wenn diese zu viele offene Forderungen haben.

Der Zahlungsdienstleister Klarna erklärt auf SWR-Anfrage, dass man immer Bonitätsprüfungen bei Kunden durchführe, die BNPL-Services nutzen wollen.

Wir prüfen bei jeder einzelnen Transaktion die Zahlungsfähigkeit des Kunden und treffen für jeden Kauf eine neue Kreditentscheidung.

"Wir prüfen bei jeder einzelnen Transaktion die Zahlungsfähigkeit des Kunden und treffen für jeden Kauf eine neue Kreditentscheidung", so eine Unternehmenssprecherin. Dabei greife man auf interne Daten, wie die bisherige Zahlungshistorie des Kunden, aber auch auf Daten externer Auskunfteien zurück.

Auch PayPal versichert auf SWR-Anfrage, dass "Buy now, pay later" nur nach erfolgreicher Bonitätsprüfung zur Verfügung stehe. In einer Stellungnahme des Konzerns heißt es wörtlich: "Dies dient sowohl als Schutzmaßnahme für den Kunden, um einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Zahlungsoptionen sicherzustellen, als auch für PayPal, um Zahlungsausfälle zu vermeiden."

EU-Richtlinie verpflichtet zur Bonitätsprüfung

Aufgrund einer neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie sind Finanzdienstleister wie Klarna und Paypal seit November 2025 dazu verpflichtet, auch bei Kleinkrediten unter 200 Euro die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden zu überprüfen.

Schuldnerberaterin Lena Schleicher sieht das als "Schritt in die richtige Richtung." Sie fordert von der Politik gleichzeitig mehr Finanzbildung in Schulen und von den Zahlungsdienstleistern eine weniger aggressive Werbung für junge Zielgruppen. Bisher sei diese noch "besonders bunt, besonders lustig, es ist passende Musik eingespielt - das lockt. Aber die jungen Menschen sind einfach noch nicht so gesettled und daher vulnerabel."

Auch Verschuldung von Senioren nimmt zu

Neben jungen Menschen sind deutschlandweit auch immer mehr Senioren verschuldet. Laut Creditreform "Schuldneratlas" verzeichnete die Altersgruppe Ü70 den zweitstärksten Anstieg der Überschuldungsquote - um 0,13 Prozent auf nunmehr 3,12 Prozent. Damit waren 2025 rund 22.000 Senioren mehr als noch im Vorjahr verschuldet. Mit Blick auf die Gesellschaft hält der Bericht fest: "Die Überschuldungszahlen steigen besonders deutlich an den Rändern."

In Rheinland-Pfalz war laut Sozialministerium zuletzt ein Rückgang in dieser Altersgruppe zu verzeichnen, Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor. Das Ministerium erklärte deshalb auf SWR-Anfrage, man beobachte die aktuellen Zahlen des Schuldneratlas 2025 "seitens der Landesregierung aufmerksam."

Caritas: Beratungsbedarf unter Senioren steigt an

Lara Kiefer von der Caritas in Koblenz beobachtet die Lage ebenfalls genau. Sie verantwortet seit dem Jahreswechsel eine neue, niederschwellige Finanzberatung für Menschen ab 60 Jahren in Koblenz-Ehrenbreitstein. Das Projekt wird mit EU-Mitteln gefördert.

Kiefer sagt, der Beratungsbedarf in dieser Altersgruppe nehme zu: "Die gestiegenen Kosten bringen viele, die bisher gut über die Runden gekommen sind, in Bedrängnis." Im Gegensatz zu jungen Menschen seien bei ihren älteren Klienten Konsumschulden fast nie ein Problem, sondern vielmehr "die klassischen Treiber, wie gestiegene Nebenkosten oder auch gestiegene Mieten, die nicht mehr gezahlt werden können."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Tim Saynisch
Foto von Multimediareporter Tim Saynisch

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