"Wir haben plötzlich helle Räume, weil das Licht wieder durch die Fenster kommen kann", sagt Klaus Hartmann, Schulleiter des Heinrich-Böll-Gymnasiums in Ludwigshafen. Möglich wurde das, weil im Bereich des gemeinsamen Pausenhofs mit der Karolina-Burger-Realschule seit vergangenem Sommer fast 400 Tonnen Beton verschwunden sind. Abgebrochen wurden rund 360 Meter Blockstufentreppen und hoch gelegene Betonflächen. Stattdessen gibt es hier jetzt bepflanzte Hochbeete, umrahmt von Sitzflächen.
Ludwigshafen rechnet mit immer heißeren Sommern
"Wir haben seit vergangenem Jahr ein Klimaanpassungskonzept", sagte Ludwigshafens Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos). "Da stehen natürlich ganz viele Maßnahmen drin: Zum Beispiel Entsiegelung, zum Beispiel Bäume pflanzen, um Schatten zu schaffen, wenn es hier immer heißer wird." Dazu gehört auch das Schulhofprojekt im Stadtteil Mundenheim. 500.000 Euro wird es am Ende gekostet haben.
Gefühlte 44 Grad im Sommer Ludwigshafen: Stadt rüstet sich für Hitzesommer
Die Sommer in Ludwigshafen werden immer heißer. Im Jahr 2045 könnten - gefühlte - Temperaturen von 44 Grad im Sommer normal sein. Die Stadt will ihre Bürger vor Hitze schützen - aber wie?
Alles rund um Grünflächen und Bepflanzung wird aus dem Landes-Klimaschutzprogramm KIPKI bezahlt, immerhin rund 160.000 Euro. Die restlichen zwei Drittel, die unter anderem in barrierefreie Rampen zum Pausenhof, ein neues Schulhofpflaster und eine bessere Beleuchtung geflossen sind, zahlt die Stadt selbst.
Ich habe hier sehr nette und neugierige Schüler erlebt
"Schüler stellten viele Fragen"
Oliver Vögele gehört die Firma, die hier seit vergangenem Sommer tonnenweise Beton entfernt und abtransportiert und dann stattdessen Hochbeete angelegt hat. Bei den Arbeiten seien immer wieder Schülerinnen und Schüler vor allem der Karolina-Burger-Realschule vorbeigekommen, sagt Oliver Vögele. "Die haben sehr interessierte Fragen gestellt, zu dem, was wir hier machen. Aber auch zu unseren Berufen und ob sie sich nach ihrem Abschluss bei uns bewerben könnten." Dass die Schule wegen ihrer Schüler so in Verruf geraten ist, das könne er nicht nachvollziehen. "Die waren alle sehr nett und neugierig, das muss ich jetzt mal sagen."
1.200 Quadratmeter Schulhoffläche neu gestaltet
"Rund die Hälfte des neu angelegten Schulhofs nehmen die Grünflächen ein, die den maroden Beton ersetzen", sagt Bernd Lipowsky, der städtische Projektleiter. Fast 2000 kleine Stauden, Bodendecker und Sträucher wurden eingepflanzt und zwölf neue Bäume. Alle Pflanzen können eins besonders gut: Sie können Hitze ab. Und sorgen so auch bei größerer Trockenheit für ein angenehmes Klima im Pausenhof und für kühlen Schatten.
Am stärksten versiegelte Stadt Betonwüste Ludwigshafen: Stadt will öffentliche Plätze entsiegeln
Ludwigshafen ist laut der Deutschen Umwelthilfe die am stärksten versiegelte Stadt in Deutschland. Doch wegen der Industrieanlagen ist es nicht einfach, Flächen zu entsiegeln.
Cortenstahl und Natursteine verbaut
Die Beete sind mit rostfarbenem Cortenstahl eingefasst und teilweise mit Sitzflächen kombiniert. "Das war der Wunsch der Schüler, dass sie auch Möglichkeiten haben, sich in der Pause hinzusetzen", sagt Bernd Lipowsky. Außerdem wurde ein Teil des Schulhofs mit Natursteinen gepflastert und drei neue Pausenhofüberdachungen mit Glasdach sollen vor Regenschauern schützen. Auf dem Dach gibt es bereits eine große Solaranlage:
7,5 Millionen Euro KIPKI-Förderung Klimaschutz-Projekt: Solaranlage in Ludwigshafen fertig
Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Mundenheimer Schulzentrums ist fertig. Laut Stadt ist damit die größte von insgesamt 21 von der Stadt geplanten Anlagen betriebsbereit.
Stadt will weitere Flächen entsiegeln
Der Stadt stehen insgesamt 7,5 Millionen Euro aus dem Klimaschutzprogramm des Landes zur Verfügung, um seine Bürgerinnen und Bürger vor den Folgen eines Klimawandels zu schützen. Insgesamt sollen 17 Projekte verwirklicht werden, der umgebaute Schulhof des Schulzentrums Mundenheim ist eines davon.
Ludwigshafen: Große Plätze werden entsiegelt
Im Sommer werden dann unter anderem vier Plätze im Stadtzentrum entsiegelt und umgestaltet. Begrünt werden sollen dann laut Baudezernent Thewalt der Theaterplatz am Pfalzbau, der Bürgerhof, der Platz hinter dem Hack-Museum und der am Kulturzentrum "Das Haus".
"Das sind alles große Klimaanpassungsprojekte", sagt Thewalt. "Dabei geht es darum zu entsiegeln, zu beschatten und zu kühlen, aber auch darum Versickerungsmöglichkeiten zu schaffen für Starkregenfälle."