Man fühlt sich etwas in der Zeit zurückversetzt, wenn man durch die Flure der Verwaltungsgebäude in der Niederauerbachkaserne in Zweibrücken läuft. Es sind alte Gebäude, modern ist da nichts. Ein Anstrich würde den Gebäuden gut tun. Viel getan hat sich in den vergangenen Jahren nicht – das lag vor allem daran, dass das Geld fehlte, erklärt der stellvertretende Regimentskommandeur Thomas Krüger. Seit dem Wegfall der Wehrpflicht sei bei der Bundeswehr massiv gespart worden.
Die Bundeswehrkaserne in Zweibrücken wird saniert bis 2040
Das soll sich jetzt aber ändern. Möglich wird das, weil das Verteidigungsministerium in den kommenden Jahren Geld zur Verfügung stellt. Damit soll die Bundeswehr deutschlandweit besser aufgestellt werden, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Für die Niederauerbachkaserne heißt das: Rund 130 Millionen Euro fließen in den nächsten fünf Jahren in die Sanierung und Modernisierung.
Teile des Geländes sind bereits neu gemacht oder saniert worden. Darunter zum Beispiel die Kapelle. Diese ist im Sommer 2024 einweiht worden. Die Soldatinnen und Soldaten hatten sich eine neue Kapelle gewünscht um dort ihren gefallenen Kameraden gedenken zu können. Die Turnhalle wurde ebenfalls bereits saniert.
2026 rollen die Bagger und Abrissbirnen auf das Gelände der Bundeswehr
Ab dem kommenden Jahr geht es richtig los mit der Sanierung des Bundeswehrstandortes. Erste Gebäude werden abgerissen und anschließend komplett neu gebaut. Aus logistischen Gründen finden die Bauarbeiten in Etappen statt. Denn währenddessen müssen die Soldatinnen und Soldaten jeweils in anderen Gebäuden untergebracht werden. "Im Zelt schlafen soll niemand", erklärt Krüger schmunzelnd.
Beim Wiederaufbau müsse man sich auch an Vorgaben des Denkmalschutzes halten – etliche Gebäude auf dem Gelände stehen nämlich unter Denkmalschutz. Das heißt, dass auch die neuen Kasernengebäude wieder ähnlich aussehen werden wie die bisherigen. Länge, Höhe und Breite müssen bei den Neubauten zum Beispiel erhalten bleiben.
Truppenübungsplatz in Zweibrücken wird ebenfalls modernisiert
Auch der Truppenübungsplatz in Zweibrücken wird im Zuge der Sanierung modernisiert. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass bei Einsätzen wieder vermehrt Grabenkämpfe nötig seien – also Kämpfe aus dem Schützengraben heraus. Solche Szenarien müssen die Soldatinnen und Soldaten künftig intensiver trainieren, um für den Ernstfall bestmöglich vorbereitet zu sein. Gleiches gilt für Gefechte in Häusern. Um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden, wird das Übungsgelände ab 2026 entsprechend umgebaut.
Soldatinnen und Soldaten sind gerne in Zweibrücken stationiert
Die Soldatinnen und Soldaten sind aber offenbar gerne in Zweibrücken stationiert. Das ist im Gespräch mit dem stellvertretenden Regimentskommandeur deutlich geworden. Auch wenn die baulichen Bedingungen aktuell nicht die besten sind, fühlen sich die Soldaten wohl beim Fallschirmjägerregiment 26 - das in Zweibrücken stationiert ist.
Die Soldaten und Soldatinnen bringen schon das entsprechende Mindset mit. Sie sind gerne Fallschirmjäger.
Das Printmagazin Stern hatte die Kaserne in Niederauerbach jüngst als "Horror-Kaserne" bezeichnet. Dabei bezieht sich das Magazin auf Google-Bewertungen. Unter anderem von schimmligen Duschen ist die Rede. Diese Missstände, sofern sie überhaupt der Realität entsprochen haben, seien alle behoben worden, erklärt Krüger. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten hätte man auch in den vergangenen Jahren alles getan, um es den Soldatinnen und Soldaten so angenehm wie möglich zu machen.
Die Niederauerbach-Kaserne ist aktuell zu 90 Prozent ausgelastet. Deutschlandweit gibt es auch nur zwei Bundeswehrstandorte, an denen es Fallschirmjäger gibt. Neben Zweibrücken gibt es noch ein Regiment in Seedorf bei Hamburg.