Do it yourself KI-Projekt

Kaiser Friedrich Barbarossa spricht in Kaiserslautern mit Museumsbesuchern

Im Stadtmuseum Kaiserslautern kann man sich mit Kaiser Friedrich Barbarossa unterhalten. Möglich ist das durch künstliche Intelligenz.

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An der Wand hängt hochkant ein großer Monitor in einem braunen Holzrahmen. Dahinter schwarzer Stoff. Auf dem Monitor eine goldene Büste mit rotem Bart und blauen Augen – Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Auf einem Tischchen davor ein Mikrofon und ein grün-leuchtender Knopf, etwa so groß wie ein Taschenspiegel.

Unterhaltung mit Barbarossa per Knopfdruck

"Drücken sie mal drauf", sagt der Leiter des städtischen Kulturreferates Christoph Dammann. Friedrich neigt den Kopf und ich höre eine leicht roboterartige Stimme. Die sagt: "Seid gegrüßt, mein Freund! Ich bin Friedrich Barbarossa. Nach fast 900 Jahren im Kaiserberg zu Kaiserslautern erwacht. Was ist Euer Begehr?"

Nach einem erneuten Druck auf den grünen Knopf kann ich meine Frage stellen. Und prompt antwortet Barbarossa mit einem koketten Augenaufschlag. Mal witzig, mal sachlich, immer höflich. Und manchmal vielleicht sogar ein wenig eingebildet, wenn er beispielsweise Details über seine erfolgreichen Kreuzzüge in seine Antworten einbaut.

Avatar zum 750. Stadtjubiläum von Kaiserslautern

Die Idee zum Barbarossa-3D-Avatar hatte Kulturreferatsleiter Christoph Dammann zum 750. Stadtjubiläum von Kaiserslautern. "Wir haben uns überlegt, was wir digital Interessantes machen können, was andere noch nicht haben und was ein Anziehungspunkt für das Stadtmuseum sein könnte."

Im Stadtmuseum Kaiserslautern können Besucher mit Kaiser Friedrich Barbarossa reden
Ein Besucher beginnt eine Unterhaltung mit Friedrich Barbarossa. Bild in Detailansicht öffnen
Im Stadtmuseum Kaiserslautern können Besucher mit Kaiser Friedrich Barbarossa reden
Mit einem Druck auf den grün-leuchtenden Knopf kann man die Unterhaltung mit Barbarossa beginnen. Bild in Detailansicht öffnen
Im Stadtmuseum Kaiserslautern können Besucher mit Kaiser Friedrich Barbarossa reden
Bürgermeister Manfred Schulz (CDU) und der Direktor des Kulturreferates in Kaiserslautern haben das KI-Projekt "Frag Barbarossa" im Stadtmuseum vorgestellt. Bild in Detailansicht öffnen

Allerdings: Das Projekt durfte so gut wie nichts kosten, erzählt Dammann. Und von fünf angefragten Firmen hätte nur eine ein Angebot abgegeben: Bis zu 25.000 Euro habe das Unternehmen aufgerufen, sagt Dammann. "Das war eindeutig zuviel. Und dann habe ich ChatGPT gefragt, ob man sowas nicht selber machen kann. Und siehe da – man kann."

Ohne Programmierkenntnisse, aber mit KI zum Erfolg

Als erstes habe er mit Hife der KI aus einem Foto des goldenen Cappenberger Kopfes ein 3D-Modell erstellt. Dann sei es immer weiter gegangen. Mit den Programmiersprachen Html und Java Script habe er gearbeitet, obwohl er zuvor keine Ahnung davon gehabt habe, schmunzelt Dammann. Aber die KI habe geholfen. Das Projekt sei dann immer komplexer geworden, weil er immer mehr einbauen wollte. "Das hat dann zu großen Logikkonflikten im Programmablauf geführt. Dann musste ich zusammen mit ChatGPT die Fehler finden", sagt Dammann. Das sei ihm aber gelungen.

In Kaiserslauterns Barbarossa steckt ein halbes Jahr Arbeit

Nur einmal musste Dammann die Hilfe eines Fachmannes in Anspruch nehmen. Die Optik seines Barbarossa habe ihm noch nicht gefallen. Daher habe er sich einen 3D-Designer aus Kaiserlautern geholt, der ihm gegen ein überschaubares Honorar den Avatar aufgehübscht habe. Insgesamt hat Dammann etwa ein halbes Jahr lang an dem sprechenden Friedrich Barbarossa gearbeitet – immer in seiner Freizeit. Jetzt steht Barbarossa im Stadtmuseum. Direktor Bernd Klesmann ist begeistert: "Ich finde das spannend, ich hätte nie gedacht, dass das so problemlos funktioniert und dass das so lustig ist."

Und Christoph Dammann? Der ist stolz wie Bolle, dass ihm das Projekt geglückt ist. "Ich habe noch nie in Java Script programmiert. Und finde das irre, wie weit ich da gekommen bin und was da noch möglich ist." Denn, so sagt er, es müsse ja in Zukunft nicht bei Barbarossa bleiben. Im Bildungs- und Kulturbereich sei ein Avatar, das so gut funktioniert und gleichzeitig so gut wie kein Geld gekostet habe, absolutes Neuland. Daher hat er schon Ideen für weitere Avatare. Zum Beispiel könnte Lina Pfaff ihre und die Geschichte der Pfaff-Nähmaschinen erzählen. Das Projekt sei extrem ausbaufähig, glaubt Dammann. "Vor allem, weil ich gezeigt habe, dass das mit recht einfachen Mitteln auch einem Dussel wie mir ohne Geld gelingt!“

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SWR

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