Eine außergewöhnliche Butterdose, ein spezieller Kochtopf, ein ausgefallenes Geschenk oder Perlen zum Basteln. Das und vieles mehr gibt es im Fachgeschäft Pallmann in der Kaiserslauterer Fußgängerzone. Allerdings nicht mehr lange. Ende Mai, Anfang Juni wird der Familienbetrieb schließen, nach mehr als 100 Jahren. 1910 wurde das Geschäft von Carl Pallmann gegründet. Seitdem von mehreren Generationen weitergeführt.
Die Schließungspläne hat Matthias Pallmann nach einem Rheinpfalz-Bericht dem SWR bestätigt. Er hat das Geschäft seiner Familie seit Ende der 80er Jahre geführt und hat nun zusammen mit seiner Familie entschieden, den Traditionsbetrieb zu schließen. Keine leichte Entscheidung für Matthias Pallmann. Darüber haben wir mit ihm gesprochen und auch über die Zukunft des Handels in Kaiserslautern.
SWR Aktuell: Herr Pallmann, Ihr Geschäft ist bekannt in Kaiserslautern und der Region. Deshalb war die Nachricht, dass Sie Ihr Fachgeschäft in diesem Jahr schließen, für viele sicherlich eine Überraschung. Warum haben Sie diese Entscheidung getroffen?
Matthias Pallmann: Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Aber wir haben die Entscheidung bewusst getroffen, als Familie. Ich werde in den nächsten Wochen 60, ich mache das jetzt schon fast 40 Jahre. Unsere Kinder haben beruflich andere Wege eingeschlagen, wofür wir natürlich vollstes Verständnis haben. Die Entscheidung zu schließen, war eine, die mir sehr viel abverlangt hat. Aber sie wurde getroffen, unter Abwägung aller Faktoren, die man da berücksichtigen muss. Es war trotzdem schwer.
SWR Aktuell: Die Schließung war also eine rein private Entscheidung?
Pallmann: Das hat keine wirtschaftlichen Gründe und es hat keine gesundheitlichen Gründe. Das bin ich auch gefragt worden. Ich fühle mich sehr fit. Aber wir müssen eins zur Kenntnis nehmen: Die Glasporzellan- beziehungsweise die Haushaltswaren-Branche, in der ich bin, ist deutschlandweit auf dem Rückzug. Wenn wir in die Pfalz schauen, da hat zum Beispiel der Kollege in Pirmasens schon zugemacht. Das ist eine strukturelle Entwicklung. Der muss man sich stellen. Obwohl es bei uns noch gut läuft. Aber man schließt ja nie in der Situation der Schwäche, sondern noch in der Situation der Stärke. Und das war uns ganz wichtig.
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SWR Aktuell: Ihre Entscheidung, Ihr Geschäft in Kaiserslautern zu schließen, das mussten Sie ja auch Ihren Mitarbeitern sagen. Das war sicherlich nicht einfach.
Pallmann: Wir haben immer gesagt, "unsere Mitarbeiter erfahren sowas zuerst". Und man hat im Leben ja viel Aufregung, vor der Abiturprüfung oder sonstigen Dingen. Aber das war für mich ganz schlimm. Wir sind im Betrieb eine Familie. Wir haben Leute, die schon lange bei uns sind. Das war schlimm. Aber wir stehen das jetzt gemeinsam durch und ich helfe meinen Mitarbeiterinnen wo ich kann, neue Arbeitsplätze zu finden.
Sowas war uns eigentlich schon immer wichtig. Seit 1910 - bei meinem Vater, meiner Mutter, bei unserem Firmengründer. Dass man fair und gut miteinander umgeht, das gehört einfach dazu. Man muss auch berücksichtigen: Mit den Mitarbeitern verbringt man oft mehr Zeit, als mit der eigenen Familie.
SWR Aktuell: Ihr Geschäft ist auch noch ein paar Monate geöffnet. Anfang Sommer soll Schluss sein. Was ist für die kommenden Monate geplant?
Pallmann: Wir haben jetzt quasi noch das volle Sortiment. Ansonsten haben wir unsere Angebote, wie immer im Frühjahr. Der Räumungsverkauf beginnt am 19. Februar. Manche Dinge kommen dann auch nicht mehr rein, der Laden wird also anders sein.
SWR Aktuell: Und wie geht es nach der Schließung mit dem Gebäude in der Lauterer Fußgängerzone weiter?
Pallmann: Wir haben gemeinsam als Familie entschieden, dass wir das Gebäude umbauen werden. Das Lager wird zu Wohnungen und das Erdgeschoss, wo jetzt die Firma drin ist, das wird auch in den Umbau einbezogen. Das werden wir als Gewerberaum vermieten. Da suchen wir sogar schon Mieter.
Ich bin hier in Kaiserslautern aufgewachsen, lebe gerne in dieser Stadt und wir machen jetzt was Neues. Bei der Gewerbefläche werden wir als Eigentümer die Hand drauf haben, dass da auch was Gutes rein kommt. Ich bin mir der Verantwortung für meine Stadt bewusst und es wird bestimmt gut. Es ist jetzt eine Betriebsübergabe an die andere Generation. Wir geben das Gebäude an unserer Kinder weiter.
SWR Aktuell: Lassen Sie uns mal noch weiter in die Zukunft blicken. Es gibt immer weniger Fachgeschäfte, Familienbetriebe wie Ihren, kleine besondere Geschäfte. Was glauben Sie, wie werden sich Innenstädte verändern?
Pallmann: Ich denke, die Innenstädte werden künftig immer noch vom Handel dominiert werden. Ja, es gibt viele Leute, die im Internet schauen, was für sie interessant ist. Aber dann in die Geschäfte vor Ort gehen, um das live zu sehen und dort zu kaufen. Aber es gibt immer Veränderungen in der Branche.
In meiner Branche zum Beispiel: Haushaltswaren bekommen Sie auch im Supermarkt oder in Möbelhäusern. Sowas wie unser Haus wird wahrscheinlich in Zukunft in der Breite nicht mehr zu finden sein. Aber es gibt andere Branchen, die sich neu entwickeln. Das merkt man auch jetzt schon, Cafés oder Start-ups, die Töpfern anbieten zum Beispiel. Handel verändert sich, schon immer.
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SWR Aktuell: Sie sind ein Geschäftsmann, der sich in der Vergangenheit auch sehr für den Handel in der Innenstadt eingesetzt hat. Auch oft deutliche Worte gefunden hat. Damit in Zukunft weiter neue Geschäfte nach Kaiserslautern kommen und auch Erfolg haben: Was braucht es da Ihrer Meinung nach in der Stadt?
Pallmann: Das Hauptproblem, das über allem schwebt, ist die Verschuldung der Städte. Die haben keinerlei Möglichkeiten mehr zu investieren, in Infrastruktur. Dazu gehören Park-Leit-Systeme oder Parkhäuser. Damit die Leute die Innenstadt gut erreichen können. Dazu gehört auch die Stärkung des ÖPNV. Aber es ist eben überall klamm.
Es muss etwas passieren, dass die Städte leben und attraktiv bleiben. Wir müssen mehr auf Bedürfnisse hören.
Und ich habe in Kaiserslautern die letzten Jahre ein gewisses Unverständnis für den Handel bemerkt. Gleichzeitig hat man gedacht, Handel ist selbstverständlich. Man schiebt Probleme in der Innenstadt auch immer leicht auf das Internet. Aber man braucht in Kaiserslautern mehr Fantasie. Es ist nicht damit getan, ständig Musik-Veranstaltungen zu machen in den Abendstunden. Das ist schön, aber der eine oder andere Euro den man dafür ausgibt, wäre auch mal interessant für andere Aktionen. Solche, die die Verweildauer in der Innenstadt auch tagsüber erhöhen. Damit man nachhaltige Dinge schafft.
Alleine als Händler geht es nicht. Man ist selbst verantwortlich, wenn es im eigenen Laden nicht funktioniert. Aber vor dem Geschäft, da fehlt es in Kaiserslautern noch ein bisschen an Fantasie. Und natürlich an Mitteln. Trotzdem muss etwas passieren, dass die Städte leben und attraktiv bleiben. Also ich denke nicht, dass in Lautern die Lichter ausgehen. Aber es gibt viel zu tun und man muss mehr hören wo die Bedürfnisse sind. Das Ohr bei den Händlern haben und nicht immer meinen, man müsste den Händlern das Handeln erklären. Vielleicht müssen wir da einfach ein bisschen sensibler sein.