Tipps der Verbraucherzentrale

Betrug nimmt in der Pfalz zu: Wie man sich davor schützen kann

An die 200.000 Euro haben Menschen in der Westpfalz jüngst an Online-Betrüger verloren. Solche Fälle nehmen zu, die Täter werden immer professioneller, sagt die Verbraucherzentrale. Sie hat Tipps, worauf man achten sollte.

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Ein Mann aus der Südwestpfalz wollte Geld anlegen und einen hohen Gewinn machen. Stattdessen hat er mehr als 100.000 Euro verloren - in einer WhatsApp-Gruppe. Eine Frau aus dem Kreis Kusel wurde Opfer von Online-Betrug mit Aktien-Apps. Sie hat mehr als 87.000 Euro an falsche Finanzdienstleister verloren. Zuletzt häuften sich diese Nachrichten in der Westpfalz.

Südwestpfalz

Statt Gewinn in siebenstelliger Höhe Betrug in WhatsApp: Mann aus Südwestpfalz verliert mehr als 100.000 Euro

Ein Mann aus der Südwestpfalz wollte Geld anlegen und einen hohen Gewinn machen. Stattdessen hat er mehr als 100.000 Euro verloren - in einer WhatsApp-Gruppe.

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"Die Täter werden immer professioneller", sagt Maximilian Heitkämper von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Bundesweit stellen die Verbraucherzentralen immer mehr Ärger über dubiose Angebote für Dienstleistungen im Internet fest. Im ersten Halbjahr 2025 wurden dazu mehr als 2.900 Beschwerden erfasst. Das sind fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Opfer eines Betrugs: Sehe ich mein Geld wieder?

Im Gespräch mit dem SWR hat Maximilian Heitkämper von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Tipps, wie man erkennen kann, ob es sich bei einem Angebot um einen Betrug handelt. Außerdem erklärt er, ob man als Betrugs-Opfer eine Chance hat, sein verlorenes Geld wiederzusehen.

SWR Aktuell: Hand aufs Herz, sind Sie auch schon einmal Opfer eines Betrugs geworden?

Maximilian Heitkämper: Ich bin fast Opfer eines Betruges geworden. Ich hatte mal einen Anruf bekommen, bei dem mir ein Anrufer suggeriert hat, meine Tochter sei verunglückt, sei im Krankenhaus und ich soll jetzt eine hohe Summe bezahlen, damit die OP durchgeführt werden könne. Es fiel mir relativ leicht, das zu entkräften, weil meine vierjährige Tochter zu diesem Zeitpunkt neben mir saß. Da wusste ich, dass es sich um einen Fake-Anruf handelt.

SWR Aktuell: Es gibt aber immer mehr Menschen, die nicht erkennen, dass es sich bei einem Angebot um Betrug handelt. Gerade der Onlinebetrug nimmt zu. Erst kürzlich kam die Meldung, dass sich immer mehr Menschen über dubiose Angebote im Internet beschweren. Ist das auch in Rheinland-Pfalz so?

Heitkämper: Ja. Man muss leider sagen, das hat deutlich zugenommen. Sowohl, was die Telefon-Betrügereien als auch was die Online-Betrügereien angeht, haben wir regelmäßig Beschwerden.

SWR Aktuell: In der Westpfalz hatte kürzlich ein Mann mehr als 100.000 Euro verloren, eine Frau über 87.000 Euro - einmal bei einem Betrug in WhatsApp, einmal bei einem Online-Betrug mit Aktien-Tipps. Das sind sehr hohe Summen. Sind das Einzelfälle?

Heitkämper: In dieser Höhe kommt es nicht so häufig vor. Das erfordert auch auf Seiten der Täter einiges an Aufwand, um die Opfer so weit zu bringen, solche Überweisungen zu tätigen. Aber auch das haben wir schon bei uns gemeldet bekommen. Das sind besonders krasse Beispiele, die zeigen, wie hoch ein Schaden im Einzelfall wirklich werden kann. Die Regel sind aber deutlich kleinere Summen.

SWR Aktuell: Wie erkennt man denn, dass es sich bei einem Angebot um Online-Betrug handelt?

Heitkämper: Es gibt so ein paar Punkte, bei denen man besonders hellhörig werden sollte. Bei Online-Betrug sind das häufig die gleichen Themen: Entweder geht es um Geld oder wir sollen uns irgendwo weiterentwickeln und es geht meistens darum, dass wir am Ende des Tages mehr Geld verdienen sollen - oder aber es geht um Liebesthemen.

Darauf achten: Ist ein Angebot seriös?

Auch das Format sollte mir häufig Anlass zum Misstrauen geben. Nämlich dann, wenn es besonders reißerisch daher kommt. Wenn es die vermeintlich einfache Lösung ist, die vielleicht auch noch von der Öffentlichkeit geheim gehalten werden sollte, aber glücklicherweise wird sie mir jetzt offenbart. Solch eine reißerische Ansprache war eigentlich immer schon ein Indiz dafür, dass es sich hier um einen Betrugsversuch handelt. Meistens geht es damit einher, dass man auch nicht sonderlich viel Zeit hat, um eine Entscheidung zu treffen.

Wenn man dann tiefer in die Prüfung reingeht und dann mal versucht ein bisschen zu recherchieren, wie seriös so ein Angebot ist, dann sollte man als erstes schauen, ob ich jemanden im Hintergrund finden kann, der dafür auch gerade steht. Habe ich ein Impressum? Habe ich eine Person, einen Namen, der auch wirklich greifbar ist? Taucht die Person vielleicht auch irgendwo mal im Netz auf? Also wenn ich das suche, habe ich Rezensionen, die darauf schließen, das ist ein seriöses Angebot? Oder habe ich sogar Warnungen? Das ist dann quasi schon der Schritt, der solche Angebote in der Regel entlarvt.

SWR Aktuell: Bei einem weiteren Fall hat eine Frau aus dem Donnersbergkreis einem Online-Bekannten Geld in fünfstelliger Höhe "geliehen", es aber nicht wieder zurückbekommen. Ist das ein besonderer Fall oder gelten da die gleichen Tipps?

Heitkämper: Da gelten die gleichen Tipps. Das sind aber Mechanismen, die nochmal ganz besonders auf diesen psychologischen Druck und auch die wenige Zeit, die man häufig hat, einspielen. Solange ich die Person nicht einmal persönlich getroffen habe, sie also wirklich physisch vor mir steht, sollte ich dort einfach misstrauisch bleiben.

Diese Tätergruppen sind mittlerweile so professionell, dass eine Live-Schalte mit mir mit einer x-beliebigen Person erstellt wird. Gerade, wenn es auch um hohe Summen geht. Es reicht nicht, dass ich mit einer Person mal digital gesprochen habe. Um das wirklich hart zu verifizieren, brauche ich mehr Informationen.

Verbraucherzentrale: Ist die Bank dubios, dann Finger weg

SWR Aktuell: Was raten Sie Menschen, die mit dem Gedanken spielen, bei einem Online-Angebot Geld anzulegen oder auch direkt zu investieren?

Heitkämper: Bei einer Investition würde ich im immer schauen, welches Institut dahinter steckt. Ist das eine seriöse Bank, dann kann ich da schon einmal relativ sicher sein. Die hat einen Einlagensicherungsfonds, die hat Regeln, da kann nicht so einfach eine Betrugsmasche angeheftet sein. Ist das irgendeine dubiose Organisation, zu der ich gar keine Informationen habe, die gar nicht irgendwo greifbar ist, dann sollte ich einfach gerade im Investitionsbereich sagen: Finger weg davon!

SWR Aktuell: Wenn es jetzt aber zu spät ist und man ist Opfer eines Online-Betruges geworden - kann man dann noch etwas tun, um sein Geld zurückzubekommen?

Heitkämper: Schwierig. Wenn man sehr schnell ist, kann man manchmal ein bisschen was tun. Je professioneller diese Tätergruppen sind, desto besser sind die natürlich auch darauf ausgerichtet, ihre Geldkanäle zu verschleiern oder auch geflossene Gelder schnell umzuleiten. Wenn ich eine Überweisung auf ein anderes Bankkonto habe und die noch relativ kurz zurückliegt, kann ich meine Bank kontaktieren und diese Überweisung rückgängig machen lassen - mit dem Hinweis, dass es sich hier um einen Betrugsfall handelt.

"Gesundes" Misstrauen, wenn Geld überwiesen wird

Wenn auf der anderen Seite das Geld noch nicht vom Konto heruntergezogen worden ist, kann das manchmal dazu führen, dass das rückgängig gemacht werden kann. Wenn ich eine Kreditkartenabrechnung habe, dann kann ich sie mit einem längeren Nachlauf sogar noch zurückzahlen lassen. Das Gleiche gilt bei einer Lastschrift.

Das wissen diese Täterinnen und Täter natürlich auch und deswegen sind solche Zahlungsmittel, die sich über einen längeren Zeitraum wieder zurückdrehen lassen, bei denen natürlich nicht die erste Wahl. Da werden häufig dann Wege wie zum Beispiel auch Kryptowährungen genutzt, wo mir dann als Einzahlender und Überweisender die Handhabe fehlt, um etwas zurückbuchen zu lassen. Da ist dann auch schon das Mittel, das mir vorgeschlagen wird, um eine Zahlung zu tätigen, das sollte dann auch schon bei mir gesundes Misstrauen hervorrufen.

SWR Aktuell: Was kann die Verbraucherzentrale tun, dass der Online-Betrug nicht immer weiter zunimmt?

Heitkämper: Wir können Aufklärungsarbeit leisten. Das tun wir auch durch unsere breit gestreuten Informations-Artikel, die wir auch regelmäßig aktualisieren. Das Beste, was man tun kann, ist die Leute durch Vorbereitung dazu zu bringen, dass sie sich selber schützen können. Wenn das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen ist und das Geld geflossen ist, dann kann man Schadensbegrenzung betreiben, aber meistens kommt man nicht mehr an die Summen ran.

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Erstmals publiziert am
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Das Gespräch führte
Sebastian Stollhof
SWR-Reporter Sebastian Stollhof

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