SWR1: Häufen sich Betrugsfälle bei Urlaubsbuchungen nun oder handelt es sich um eine ganz neue Masche?
Julia Gerhards: Das kennen wir jetzt schon ein Weilchen. Das gesamte Thema Fake- Wohnungsanzeigen, vor allem für Ferienwohnungen, wo wir ja eben nicht mal vorbeifahren können, um uns die Unterkunft vorher anzuschauen. Was wir jetzt zunehmend auch sehen, ist, dass sogar auf eigentlich seriösen Portalen, wo man sich vor sowas ja ein bisschen geschützt fühlt, immer mehr solche Maschen aufkommen.
Die Maschen der Urlaubsbetrüger erkennen
SWR1: Gibt es denn Möglichkeiten, dass wir solche Betrugsanzeigen erkennen?
Gerhards: Die werden immer besser, aber es gibt schon so ein paar typische Alarmsignale. Eines ist zum Beispiel, wenn mich jemand genau von solchen sicheren Plattformen, wo ich eigentlich einen bestimmten Schutz genieße, herunterlocken will. Da sollten immer die Alarmglocken schrillen!
Dann kann ich selbst versuchen herauszufinden, ob das Angebot, so wie ich es sehe, plausibel ist. Ich schaue im Internet nach: Wie sieht es denn da aus, stimmt das mit den Gegebenheiten, die mir mein potenzieller Vermieter weismachen will, überein? Ich gucke, ob ich die Bilder über eine Bildersuche noch woanders finde, und wie immer gilt: Wenn es zu schön ist, um wahr zu sein, ist es wahrscheinlich nicht wahr.
Internetbetrüger locken mit Fakes und Kryptowährung Betrug mit Investments: So hat ein Mann aus der Eifel 40.000 Euro verloren
Er investiert, das Geld vermehrt sich, die Berater wirken seriös – doch alles ist Betrug. Ein Eifeler ist auf eine raffinierte Online-Masche hereingefallen und will andere warnen.
SWR1: Beispielsweise vermeintliche Luxusvillen, die zu extrem günstigen Preisen angeboten werden?
Gerhards: Ja, oder einfach besonders verlockende Schnäppchen. Da sollten wir einfach immer besonders gut hinschauen.
Wenn es zu schön ist, um wahr zu sein, ist es wahrscheinlich nicht wahr.
Betrugsmaschen mit Psychotricks – Tipps der Verbraucherzentrale zum Schutz
SWR1: Eine 32-Jährige aus Mainz ist auf eine falsche Bankangestellte hereingefallen, hat 9.000 Euro verloren, und sie sagt: Ich hatte ein schlechtes Gefühl. Bei einem anderen Betrugsfall wurde ein Mann aus dem Landkreis Kusel um 24.000 Euro betrogen, auch er hatte ein schlechtes Gefühl. Warum ist es so schwierig, in so einer speziellen Situation auf das eigene Bauchgefühl zu hören?
Gerhards: Je extremer die Situation ist, in die wir als Verbraucher gebracht werden, umso eher sind es auch Fälle, in denen wir eben unmittelbar in Kontakt mit Tätern stehen. Das heißt, die können natürlich genau wahrnehmen und sind Experten darin, meine Stimmung aufzugreifen und mich unter maximalen emotionalen Druck und Zeitdruck zu setzen, sodass unser logisches Denken nicht funktionieren kann. Darin sind die Profis.
SWR1: Das heißt die Täter nutzen diese Situation im Prinzip aus?
Gerhards: Massiv ja, gerade bei dem Thema Schockanrufe. Wir werden damit konfrontiert, dass irgendeinem Menschen, der uns nahesteht, den wir lieben, was passiert ist oder Schaden droht. Da sind wir in einer Ausnahmesituation. Wenn wir noch kühl genug reagieren, dann werde ich eben massiv unter Zeitdruck gesetzt und ähnliches. Das sind einfach die Maschen, die immer wieder funktionieren. So sind wir Menschen gestrickt und wir werden da eben wirklich mit Psychotricks überrumpelt.
Expertin der Verbraucherzentrale zu Gast Eure Fragen zum Thema Internet- und Telefonbetrug
Telefonbetrug und Internetbetrug – die Maschen werden immer schwerer durchschaubar. Wir haben mit Andrea Steinbach von der Verbraucherzentrale über eure Fragen gesprochen.
Telefonbetrug als Masche – So reagiert ihr richtig
SWR1: Wie könnte man so ein Gespräch höflich beenden und dann rausfinden, ob das wirklich die Bank war oder ein Betrüger?
Gerhards: Gerade beim Stichwort Bankanrufe ist es gut, sich immer noch mal daran zu erinnern: Ich selbst kann von mir aus bei meiner Bank anrufen und nachfragen. Solche Gespräche, bei denen man merkt, da geht es um etwas Wichtiges, und ich bin unvermutet angerufen worden, unbedingt beenden. Gerne auch mit einer kleinen Notlüge, denn es fällt uns immer schwer, unhöflich zu sein. Wenn uns keine Notlüge einfällt, dann können wir sagen: Entschuldigung, ich kann mich gerade nicht darum kümmern. Ich melde mich bei Ihnen zurück, auf Wiedersehen. Daraufhin direkt auflegen und sich gar nicht lang bequatschen lassen.
SWR1: Und dann bei der Bank anrufen und fragen: Hallo, wart ihr das wirklich?
Gerhards: Genauso ist es.