"Konzertmäßig liegt Lautern in der goldenen Mitte zwischen Frankfurt, Saarbrücken, Mannheim, Luxemburg, Karlsruhe und Hockenheim. Da verpasst man quasi nichts." Mit diesem Satz beschreibt der Musiker Bourdon im Buch "Soundtrack einer Stadt" die Bedeutung Kaiserslauterns für die damalige Musikszene.
Stadtführung in Kaiserslautern erinnert an lebendige Musikszene
Zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren entwickelte sich in Kaiserslautern eine lebendige Musik- und Kneipenszene — geprägt von Jazz, Rock’n’Roll, Punk und den Einflüssen der amerikanischen Community. Genau an diese Zeit erinnert jetzt die neue Stadtführung "Soundtrack KL" der Tourist Information Kaiserslautern.
Grundlage des Rundgangs ist das Buch "Soundtrack einer Stadt" von Matthias Aicher, Christina Bacher und Michael Halberstadt. Auch ehemalige Musikerinnen und Musiker schrieben eigene Texte für das Buch und öffneten dafür ihre privaten Fotokisten. Oder steuerten Erinnerungen aus alten Tagebüchern bei.
Die Führung nimmt Besucherinnen und Besucher mit zu Orten, die das Lautrer Nachtleben damals geprägt haben — darunter das "Goldene Dreieck", bestehend aus den Kneipen "Old Vienna", "THING", "Café Roma", "Waschbrett" oder dem "Benderhof". Viele dieser Clubs und Kneipen existieren heute nicht mehr oder werden längst anders genutzt.
Die "Pille", das "THING" und der "Benderhof" - Kult in Kaiserslautern
Geprägt wurde die Lautrer Musikszene damals auch von den amerikanischen Einflüssen in der Stadt. In Clubs und Kneipen lief früh amerikanische Musik — von Soul und Funk bis hin zu Rock’n’Roll und später elektronischer Musik. Viele Lautrerinnen und Lautrer feierten gemeinsam mit US-Amerikanern in Diskotheken, Bars oder Musikclubs.
Rund um das "Smile", die "Pille" und das "THING" spielte sich ein großer Teil des Lautrer Nachtlebens ab — oft lagen zwischen den Treffpunkten nur wenige Schritte.
Musik in ehemaliger Apotheke
Besonders die "Pille" ist vielen bis heute im Gedächtnis geblieben. Die Kneipe befand sich in einer ehemaligen Apotheke. Hermann Dusch erzählt bei der Führung von hohen Holzregalen, historischen Apothekengläsern und dem besonderen Charme des Raumes. Auch das "THING" prägte die Szene: Christina Bacher beschreibt den Club als "Holzkneipe", in der diskutiert, gefeiert und vor allem Blues- und Rockmusik gehört wurde. Dort liefen Songs von Eric Burdon, Bob Dylan oder Rod Stewart.
Eine der bekanntesten Stationen der Führung ist außerdem der Benderhof. Für viele Musikerinnen, Musiker und Studierende sei die Kneipe damals das "Wohnzimmer" der Lautrer Szene gewesen. Michael Halberstadt erzählt, dort mehr Zeit verbracht zu haben "als in der eigenen Wohnung". Bereits in den 50er-Jahren sei der Benderhof ein Tanzcafé gewesen, später entwickelte er sich zu einem wichtigen Treffpunkt der alternativen Musik- und Kulturszene.
Vom Lautrer DJ zum Millionen-Produzenten
Die Führung erinnert auch an bekannte Namen, die ihre Anfänge in Kaiserslautern hatten. So erzählt Mitherausgeber Hermann Dusch von Horst Nußbaum.
Bevor er als Musikproduzent Jack White bekannt wurde und später Künstler wie David Hasselhoff, Tony Marshall oder Howard Carpendale produzierte, spielte er zunächst Fußball beim FK Pirmasens und arbeitete in Kaiserslautern als Türsteher und DJ. In der damaligen Diskothek "Tabu" brachte er früh amerikanische Musik und R’n’B ins Lautrer Nachtleben.
"Stairway to Hertie": Mit der Rolltreppe zur Musikszene
Nicht nur Clubs und Kneipen spielen im Buch eine Rolle, sondern auch Orte wie die frühere Schallplattenabteilung bei Hertie. Für viele Jugendliche sei sie damals der erste Zugang zu neuer Musik gewesen. "Stairway to Hertie" nennen Christina Bacher und Michael Halberstadt ihre Erinnerungen an die Rolltreppe Richtung Musikabteilung. Heute sei "ganz Facebook voll mit kurzen Anekdoten über die Rolltreppe", erzählt Bacher bei der Führung.
Heute ruhiger geworden
Ganz verschwunden sei die kreative Szene in Kaiserslautern zwar nicht, sagt DJ Stefan Hörhammer. Trotzdem habe sich das Nachtleben stark verändert. "Die Stadt ist leer, die Geschäfte sind leer", sagt er. Früher habe man einfach gewusst, wo man sich trifft — heute seien viele Menschen eher für sich und am Handy.
Die ersten Führungen starten am 15. und 16. Mai jeweils um 16 Uhr. Treffpunkt ist der Salon Schmitt in der Pirmasenser Straße. Das Buch "Soundtrack KL" ist seit dem 12. Mai erhältlich.