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MTV Unplugged mit Bob Dylan: Nicht einfach nur ein Rückblick

Bei MTV Unplugged spielt Meister Bob Dylan 1994 viele seiner Klassiker. Der Meister spielt beim Rückblick seine Vergangenheit aber nicht nach. Er interpretiert sie neu.

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Von Autor/in Bernd Rosinus

Eigentlich wollte Bob Dylan den Abend bei MTV Unplugged ausschließlich mit traditionellen Folk-Songs bestreiten, also mit Material, das gar nicht von ihm selbst stammt. Das hätte perfekt zu seinem Ursprung gepasst.

MTV hat ihn aber dann davon überzeugt, doch seine eigenen bekannten Songs zu spielen. Am Ende wurde es dann eine Art Rückblick auf seine frühen Werke, wenn auch auf eine ganz eigene Art interpretiert.

Bob Dylan vor MTV Unplugged:  Im Rampenlicht, aber noch vor der kreativen Hochphase

Anfang der 90er war Dylan in so einer Art Zwischenphase. Seine letzten Studioalben bestanden größtenteils aus Coverversionen alter Folk- und Bluesstücke. Neues eigenes Material war eher rar.

Gleichzeitig war Dylan live sehr präsent: 1992 war sein großes dreißigjähriges Jubiläumskonzert. 1994 war der Auftritt beim Woodstock-Jubiläum. Er stand also wieder im Rampenlicht, war aber noch nicht in der neuen kreativen Hochphase. Die kam dann ein bisschen später.

Ein Mann, eine Gitarre, ein Song: Bob Dylan ist das fleischgewordene Unplugged-Konzept

In dieser Phase kommt MTV Unplugged um die Ecke – und das ist genau Bob Dylans Terrain. Er ist das fleischgewordene Unplugged-Konzept. Ein Mann, eine Gitarre, ein Song, mehr braucht es eigentlich nicht. Und trotzdem hat er hier das Format ein bisschen gebogen. Er hat mit Band gespielt und es gab sogar eine Hammondorgel. Es war also nicht komplett reduziert.

Bob Dylan - Knockin' On Heaven's Door (MTV Unplugged)

MTV Unplugged: Dylan blickt zurück, spielt aber seine Vergangenheit nicht nach

Bob Dylan bei einem Konzert 1963. | MTV Unplugged mit Bob Dylan: Nicht einfach nur ein Rückblick
Bob Dylan bei einem Konzert 1963. Bei MTV Unplugged interpretiert er seine frühen Werke neu. picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Anonymous

Dylan behandelt seine Songs nie als feste Versionen. Gerade die Klassiker aus den 60er-Jahren klingen im Album deshalb ganz anders als früher. Ein gutes Beispiel ist: "The Times They Are A-Changin'". Im Original ist das ein klarer, fast hymnischer Protestsong. Bei MTV Unplugged wirkt er deutlich lockerer.

Der Song hat mehr Groove durch die Band, aber vor allem eine viel freiere Phrasierung, ist weniger predigend, sondern fast schon erzählend. Der Song verliert dadurch etwas von seiner Strenge und bekommt eine zeitlose, fast entspannte Note. Das zeigt: Dylan spielt seine Vergangenheit nicht nach.

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Bernd Rosinus
SWR1 Musikchef Bernd Rosinus erzählt die Geschichten zu den größten Hits aus der Rock- und Popmusik. © SWR
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Das Gespräch führte
Dörte Tebben
Dörte Tebben