Kira Hehn erlebt gerade eine aufregende Zeit. Seit ein paar Tagen ist die 20-Jährige aus Kirn im Kreis Bad Kreuznach in Budapest. "So richtig greifen, dass es nächste Woche losgeht, kann ich es noch nicht. Es fühlt sich irgendwie eher an, als wären meine Eltern und ich hier jetzt für einen Städtetrip im Urlaub."
Doch tatsächlich fällt mit einer Eröffnungsveranstaltung am Samstag der Startschuss für ein neues Medizin-Studium, das in Teilen in Ungarn und in Teilen in der Pfalz läuft. Kira Hehn Hehn bekommt dafür ein Stipendium des Vereins "Ärzte für die Westpfalz" und sie gehört zu den ersten etwa 40 jungen Menschen, die das private Studium absolvieren.
Drei Jahre Studium in Ungarn, dann drei Jahre in Kaiserslautern
"Die Vorfreude ist riesig. Ich wollte schon immer mehr über Krankheitsbilder wissen. Deswegen habe ich mich entschieden, ein Medizin-Studium anzufangen", erzählt die 20-Jährige im Gespräch mit dem SWR. Ihr erster Eindruck ist ebenfalls positiv: "Ich habe mich super auf das Land hier gefreut. Es sind wunderschöne Architekturen hier, die Personen sind alle total nett. Tatsächlich sprechen auch mehr Menschen deutsch, als ich gedacht habe."
Kira Hehn ist gespannt, was sie alles erwarten wird. Das Studium wird auf Deutsch sein. Eine Notenbeschränkung gibt es nicht. Die ersten drei Studienjahre findet der Unterricht in Budapest statt. Dann geht es für drei Jahre in Kaiserslautern weiter.
Neuer Gesundheits-Campus auf Pfaff-Gelände geplant
Dafür laufen dort die Planungen. Vorgesehen ist, dass die Studierenden an einem dann neuen Gesundheits-Campus auf dem Pfaff-Gelände unterrichtet werden. Ein 70 mal 40 Meter großes Gebäude mit drei Stockwerken soll gebaut werden, berichtet Andrea Bergsträßer, die Pflegedirektorin des Westpfalz-Klinikums. Das Krankenhaus ist der Kooperationspartner der Semmelweis-Universität in Budapest. Weitere Partner sind der Verein "Ärzte für die Westpfalz", die Stadt Kaiserslautern, der Kreis Kusel, der Donnersbergkreis und das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium.
Vertreterinnen und Vertreter des Klinikums haben sich vorher verschiedene Gebäude und auch Konzepte angesehen und wollen nun wenige hundert Meter vom Krankenhaus entfernt Ausbildung und Lehre unter einem Dach vereinen. "Im Gesundheitswesen wird es immer wichtiger, dass verschiedene Bereiche zusammenarbeiten. Wenn die jungen Menschen das bereits in der Ausbildung erfahren, dann ist das sicherlich ein guter Start für das Berufsleben und eben auch für die weitere Versorgung der Menschen", sagt Bergsträßer.
Auszubildende und Studenten lernen in gemeinsamen Räumen
Pflegeschüler, angehende Physiotherapeuten, künftige Anästhesie- oder Operations-Assistenten und Medizinstudenten sollen dann zusammen in gemeinsamen Räumen üben. "Das sind Simulationsräume, in denen die Menschen in der Theorie auf praktische Situationen vorbereitet werden und dabei eben auch das Zusammenarbeiten über die Berufsgruppen gelehrt und gelernt wird", erläutert die Pflegedirektorin.
Im Wintersemester geht es zunächst in Ungarn los Viele Bewerbungen für neues Medizinstudium in Kaiserslautern
Im Wintersemester geht es los: Dann starten die ersten Medizin-Studenten, die in Budapest und in Kaiserslautern studieren werden. Das Interesse daran ist groß.
Darüber hinaus soll der Campus aber auch ein Treffpunkt für die jungen Menschen werden, mit Innenhof, mit Café, "ein Ort zum Wohlfühlen", so Bergsträßer. Bis das aber alles so weit sein wird, ist noch einiges zu tun. Das weiß auch die Pflegedirektorin: "Es ist wichtig, dass alle Befürworter und Protagonisten an einem Strang ziehen und wir so einen guten Plan entwickeln können, um das zügig nach vorne zu bringen."
Kaiserslautern will sich gegen Städte mit Uni behaupten
Das Projekt sei ehrgeizig, aber noch sei man "im Rahmen des Machbaren". Was das neue Gebäude kosten wird, steht noch nicht fest. Andrea Bergsträßer ist aber überzeugt davon, dass der Gesundheits-Campus und speziell auch das Medizin-Studium einen Mehrwert für die Region haben wird: "Wir werden immer weniger Hausärzte haben, die Menschen gehen in den Ruhestand und wir müssen dafür sorgen, dass es ausreichend Nachwuchs gibt."
Das sieht auch Kajetan von Eckardstein so, der stellvertretende ärztliche Direktor: "Wir müssen uns gegen andere größere und attraktivere Universitätsstädte behaupten, müssen versuchen, die jungen Kolleginnen und Kollegen, die von der Universität kommen, hier am Westpfalz-Klinikum und der Region als Ärztinnen und Ärzte zu halten. Und das ist so ein bisschen die Intention, dass wir hier in Kaiserslautern ein Medizinstudium anbieten."
700 junge Menschen sollen an Medizin-Campus lernen
Mehr als 200 Studierende und etwa 500 Auszubildende sollen einmal am Medizin-Campus in Kaiserslautern lernen. Dafür braucht es aber auch Lehrkräfte. "Wir gehen davon aus, dass wir zwischen zwölf und 14 zusätzliche Ärzte einstellen müssen, die dann hier im Rahmen der klinischen Ausbildung die Studierenden mit betreuen und ihnen das medizinische Fach-Handwerk beibringen", sagt von Eckardstein.
Er war bereits in Budapest, hat die Semmelweis-Universität kennengelernt und ist beeindruckt: "Es ist eine großartige Stadt, es gibt einen sehr modernen Campus. Die Kolleginnen und Kollegen dort machen schon seit über 30 Jahren eine deutschsprachige medizinische Ausbildung, haben somit eine große Erfahrung in der Ausbildung von internationalen Studierenden."
Praktische Ausbildung am Westpfalz-Klinikum
Auch wenn es noch ein paar Jahre dauern wird: Die Vorfreude auf die ersten Studierenden ist bei dem stellvertretenden ärztlichen Direktor bereits da. "Mir macht es Spaß, junge Kolleginnen und Kollegen zu unterrichten. Wenn wir das hier machen können und dann die jungen Kolleginnen und Kollegen in der Region halten können, dann wäre das großartig."
News, Geschichten, Umfragen und mehr SWR Studio Kaiserslautern bei WhatsApp: So abonnieren Sie den Kanal
Das SWR Studio Kaiserslautern hat einen eigenen WhatsApp-Kanal. Da gibt es Nachrichten, lustige Themen und mehr aus dem Westen der Pfalz.
Eine der ersten Studierenden in Kaiserslautern wird dann vermutlich Kira Hehn sein. Sie ist bereits gespannt auf das Westpfalz-Klinikum: "Wir werden dann viel mit Patienten zu tun haben. Das wird von der Sprache her vermutlich am Westpfalz-Klinikum deutlich einfacher sein, als hier auf ungarisch. Außerdem hat das Westpfalz-Klinikum unglaublich viele Fachrichtungen."
Ein Abenteuer in Ungarn
Die 20-Jährige kann sich gut vorstellen, danach auch zumindest für einige Jahre am Westpfalz-Klinikum zu bleiben. Jetzt startet aber erst einmal das Abenteuer in Budapest - ohne Eltern in der ersten eigenen Wohnung.