In zehn Jahren hunderte Wildtiere gerettet

Wildtierstation Maßweiler: Eine neue Heimat für Großkatzen zum Jubiläum

Vom Lost Place im Pfälzerwald zu einer modernen Wildtier-Auffangstation: In zehn Jahren haben Tierart und die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" hunderte Wildtiere gerettet.

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Von Autor/in Alexandra Dietz

Zehn Jahre Tierart Wildtierstation in Maßweiler in der Südwestpfalz – für Florian Eiserlo ist das weit mehr als eine Zahl. Er ist seit dem Anfang dabei und hat erlebt, wie aus einer Idee Schritt für Schritt eine große Wildtierstation wurde. "Wenn man mal rekapituliert, was alles passiert ist, welche Geschichten man erlebt hat, berührt einen das", sagt er.

Es ging um Gehege, Sicherheit und Personal. Vor allem aber ging es immer um die Tiere. Mit viel Zeit, Schweiß und Leidenschaft hat Eiserlo gemeinsam mit seinem Team Tierart - einer gemeinnützigen GmbH - groß gedacht und immer weiterentwickelt.

Wildtiere von der Rettung in Maßweiler bis zur Rückkehr in die Freiheit

Was Tierart besonders macht, zeigt sich oft in den Geschichten der Tiere. Mehr als 1.000 Rettungen wurden in den vergangenen Jahren durchgeführt. Wildkatzen, Füchse, Luchse, Marder, Eichhörnchen und Bilche fanden hier Hilfe. Manche können später wieder ausgewildert werden. Andere bleiben für immer. "Das Schönste hier ist eigentlich zu sehen, wie die Tiere aufblühen", erzählt Eiserlo. Er erinnert sich an Rettungen aus Zirkussen, lange Transporte und den Moment, wenn ein Tier ankommt. Für ihn sind genau diese Augenblicke die großen Highlights.

In zehn Jahren hatte Florian Eiserlo - Betriebsleiter der Tierart Wildtierstation - viele Gründe auf das Team stolz zu sein.
Florian Eiserlo ist Betriebsleiter der Tierart Wildtierstation. In zehn Jahren hatte er viele Gründe auf das Team stolz zu sein.

Zwischen Glück und Abschied liegen in der Pfalz oft nur wenige Monate

Eine, die diese Geschichten ganz nah miterlebt, ist Tierpflegerin Nicole Meyer. Seit sechs Jahren gehört sie zum Team. Sie sieht, wie verletzte und traumatisierte Tiere langsam wieder Vertrauen fassen. "Man muss auf jedes Individuum speziell eingehen“, sagt sie. Und manchmal sei ein kleines Zeichen ganz groß: "Sie kommen, sie prusten, sie freuen sich über dich."

"Verhätschelt wird das Wildtier aber nicht." Cheftiertrainerin Nicole Meyer hat ein enges Vertrauensverhäntlis zu Tigerdame Charlota.
Cheftiertrainerin Nicole Meyer hat ein ganz enges Vertrauensverhäntlis zu Tigerdame Charlota. "Verhätschelt wird das Wildtier aber nicht."

Besonders berührt sie, wenn Tiere wieder ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben können. Klettern, Schwimmen, Suchen, Entdecken. Für Meyer bedeutet Tierschutz deshalb auch, den Tieren in menschlicher Obhut möglichst viel Wildtierleben zurückzugeben.

Tragische Tiergeschichten: "Ohne Empathie geht nichts"

Zur Arbeit mit Wildtieren gehören auch die schweren Momente. Meyer erinnert sich besonders an Löwe Erion. Er kam abgemagert und ohne Mähne zu Tierart nach Maßweiler. "Man hat wirklich zuschauen können, wie er Stück für Stück wieder aufgeblüht ist“, erzählt sie. Drei Monate habe er in Maßweiler erleben können, dass sein Leben auch anders aussehen kann. Dann starb er während einer medizinischen Untersuchung.

"Diese drei Monate, die er hier war, waren wirklich schön für ihn." Ein Satz, der zeigt, wie nah Glück und Trauer in diesem Beruf beieinander liegen. "Ohne Empathie braucht man den Job nicht zu machen“, da ist sich das Team um Meyer und Eiserlo einig.

Vision für die Zukunft: Mehr Platz und mehr Chancen in der Pfalz

Die Wildtierstation ist noch lange nicht fertig: Eine jetzt vorgestellte neue Großkatzenanlage umfasst bereits 3.600 Quadratmeter Außengehege und fast 900 Quadratmeter Innenbereich. Das mit einem intelligenten Wegesystem, in dem die Tiere selbst Entscheidungen treffen und verschiedene Bereiche erkunden können. Eiserlo erzählt stolz: "Die Tiere bewegen sich selbstständig zwischen Bereichen, treffen Entscheidungen und bekommen Geräusche, Gerüche und andere Reize, wie in der Natur."

Gegen illegale Käfighaltung von Wildtieren kämpft die Tieschutzorganisation "Vier Pfoten" seit Jahrzehnten.
Gegen illegale Käfighaltung von Wildtieren kämpft die Tieschutzorganisation "Vier Pfoten" seit Jahrzehnten. Bild in Detailansicht öffnen
Mehr als 1.000 Wildtiere konnten durch den Einsatz von der Tierschutzorganisation und dank vieler Helfer gerettet werden.
Mehr als 1.000 Wildtiere wurden über die Jahre von der Tierschutzorganisation gerettet. Bild in Detailansicht öffnen
Mitmachaktionen und interaktive Ausstellungen sind über die Jahre nach und nach entstanden in Maßweißer.
In den vergangenen zehn Jahren sind zahlreiche interaktive Mitmachstationen entstanden für Jung und Alt. Bild in Detailansicht öffnen
Wer sich für die Geschichte des Pelzes interessiert, wird ebenfalls auf dem ehemaligen Militärgelände fündig.
Auch die Geschichte des Pelzes wird auf dem ehemaligen Militärgelände erzählt. Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstellung erzählt von Tieren im Krieg und ihren unfreiwilligen Aufgaben, von Leid und Sterben.
"The Cave - Tiere im Krieg": Die Ausstellung erzählt von Tieren im Krieg und ihren unfreiwilligen Aufgaben, von Leid und Sterben. Bild in Detailansicht öffnen
2022 wurde Charlota geboren. Die Tigerdame wurde Opfer von illegalem Wildtierhandel in Tschechien.
Charlota wurde Opfer von illegalem Wildtierhandel in Tschechien. Sie wurde im Frühjahr 2022 geboren. Bild in Detailansicht öffnen
Sonnenbaden mitten im Pfälzerwald. Die weiße Tigerdame Charlota genießt seit dem Sommer 2023 ihr Freigehege.
Die weiße Tigerdame Charlota genießt seit dem Sommer 2023 die Sonne in ihrem Freigehege mitten im Pfälzerwald. Bild in Detailansicht öffnen
Dieses vollautomatisierte Freigehege ist speziell für die Bedürfnisse von Großkatzen gebaut.
Ein großer Meilenstein ist das neue vollautomatisierte Freigehege. Es ist speziell für die Bedürfnisse von Großkatzen gebaut. Bild in Detailansicht öffnen
Massiv und robust gebaut gegen starke Pranken und Krallen. So sieht dann wohl ein Kratzbaum für große Katzen aus.
So sieht dann wohl ein Kratzbaum für große Katzen aus. Massiv und robust gegen starke Pranken und Krallen. Bild in Detailansicht öffnen
Bis zu 18 Großkatzen sollen hier irgendwann mal Platz finden. Die Vision für die kommenden Jahre ist groß, kostet aber viel Geld.
Die Vision für die kommenden Jahre: Bis zu 18 Großkatzen sollen hier irgendwann mal Platz finden Bild in Detailansicht öffnen

Eiserlos Vision: Weitere 9.000 Quadratmeter sind geplant. In der Zukunft könnten irgendwann mal 15 bis 18 Großkatzen in Maßweiler ein zweites, artgerechtes Zuhause finden. Die nächsten zehn Jahre sollen deshalb nicht nur größer werden, sondern vor allem besser – für jedes einzelne Tier, das hier eine zweite Chance bekommt.

Was die Tierschutzorganisation fordert

Tiger, Löwen oder andere Großkatzen brauchen komplexe Lebensräume und Beschäftigung. In ungeeigneter Haltung können Stress und Verhaltensstörungen entstehen. Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" fordert deshalb unter anderem ein bundesweites Ende der privaten Haltung von Großkatzen und ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Die Wildtierstation "Tierart" kann die Arbeit mit den Wildtieren aber nicht allein stemmen.

Hinter der Station steht die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" mit einem internationalen Netzwerk aus Rettern, Schutzzentren, Kampagnen und Aufklärungsarbeit. Volker Gaßner, Geschäftsleiter in Deutschland, nennt Tierart deshalb auch einen "Ort der Hoffnung". Und er macht klar: Die neuen großen Gehege sind ein wichtiges und auch teures Projekt. Die Großkatzenanlagen kosten Millionen - wegen der hohen Sicherheitsanforderungen und Sonderanfertigungen.

Wie die Tierschützer für artgerechte Haltung kämpfen

Die Tierschutzorganisation finanziert ihre Arbeit nach eigenen Angaben ausschließlich aus Spenden. Damit werden unter anderem Tiere aus illegaler Haltung gerettet, medizinisch versorgt und Schutzzentren ausgebaut und betrieben. Der Grund für den Bedarf ist gleichzeitig das große Problem, gegen das "Vier Pfoten" seit Jahren kämpft: Wildtiere landen noch immer in Privathaltung, in viel zu kleinen Gehegen oder als Attraktion im Zirkus.

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Tiger, Waschbären, Silberfüchse und viele andere Tiere haben in der Tierauffangstation in Maßweiler ein Zuhause gefunden. Einige Vierbeiner ziehen bald um, in neue Gehege.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Alexandra Dietz
SWR-Reporterin Alexandra Dietz aus dem Studio in Kaiserslautern.

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