Zehn Jahre Tierart Wildtierstation in Maßweiler in der Südwestpfalz – für Florian Eiserlo ist das weit mehr als eine Zahl. Er ist seit dem Anfang dabei und hat erlebt, wie aus einer Idee Schritt für Schritt eine große Wildtierstation wurde. "Wenn man mal rekapituliert, was alles passiert ist, welche Geschichten man erlebt hat, berührt einen das", sagt er.
Es ging um Gehege, Sicherheit und Personal. Vor allem aber ging es immer um die Tiere. Mit viel Zeit, Schweiß und Leidenschaft hat Eiserlo gemeinsam mit seinem Team Tierart - einer gemeinnützigen GmbH - groß gedacht und immer weiterentwickelt.
Wildtiere von der Rettung in Maßweiler bis zur Rückkehr in die Freiheit
Was Tierart besonders macht, zeigt sich oft in den Geschichten der Tiere. Mehr als 1.000 Rettungen wurden in den vergangenen Jahren durchgeführt. Wildkatzen, Füchse, Luchse, Marder, Eichhörnchen und Bilche fanden hier Hilfe. Manche können später wieder ausgewildert werden. Andere bleiben für immer. "Das Schönste hier ist eigentlich zu sehen, wie die Tiere aufblühen", erzählt Eiserlo. Er erinnert sich an Rettungen aus Zirkussen, lange Transporte und den Moment, wenn ein Tier ankommt. Für ihn sind genau diese Augenblicke die großen Highlights.
Zwischen Glück und Abschied liegen in der Pfalz oft nur wenige Monate
Eine, die diese Geschichten ganz nah miterlebt, ist Tierpflegerin Nicole Meyer. Seit sechs Jahren gehört sie zum Team. Sie sieht, wie verletzte und traumatisierte Tiere langsam wieder Vertrauen fassen. "Man muss auf jedes Individuum speziell eingehen“, sagt sie. Und manchmal sei ein kleines Zeichen ganz groß: "Sie kommen, sie prusten, sie freuen sich über dich."
Besonders berührt sie, wenn Tiere wieder ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben können. Klettern, Schwimmen, Suchen, Entdecken. Für Meyer bedeutet Tierschutz deshalb auch, den Tieren in menschlicher Obhut möglichst viel Wildtierleben zurückzugeben.
Tragische Tiergeschichten: "Ohne Empathie geht nichts"
Zur Arbeit mit Wildtieren gehören auch die schweren Momente. Meyer erinnert sich besonders an Löwe Erion. Er kam abgemagert und ohne Mähne zu Tierart nach Maßweiler. "Man hat wirklich zuschauen können, wie er Stück für Stück wieder aufgeblüht ist“, erzählt sie. Drei Monate habe er in Maßweiler erleben können, dass sein Leben auch anders aussehen kann. Dann starb er während einer medizinischen Untersuchung.
"Diese drei Monate, die er hier war, waren wirklich schön für ihn." Ein Satz, der zeigt, wie nah Glück und Trauer in diesem Beruf beieinander liegen. "Ohne Empathie braucht man den Job nicht zu machen“, da ist sich das Team um Meyer und Eiserlo einig.
Vision für die Zukunft: Mehr Platz und mehr Chancen in der Pfalz
Die Wildtierstation ist noch lange nicht fertig: Eine jetzt vorgestellte neue Großkatzenanlage umfasst bereits 3.600 Quadratmeter Außengehege und fast 900 Quadratmeter Innenbereich. Das mit einem intelligenten Wegesystem, in dem die Tiere selbst Entscheidungen treffen und verschiedene Bereiche erkunden können. Eiserlo erzählt stolz: "Die Tiere bewegen sich selbstständig zwischen Bereichen, treffen Entscheidungen und bekommen Geräusche, Gerüche und andere Reize, wie in der Natur."
Eiserlos Vision: Weitere 9.000 Quadratmeter sind geplant. In der Zukunft könnten irgendwann mal 15 bis 18 Großkatzen in Maßweiler ein zweites, artgerechtes Zuhause finden. Die nächsten zehn Jahre sollen deshalb nicht nur größer werden, sondern vor allem besser – für jedes einzelne Tier, das hier eine zweite Chance bekommt.
Was die Tierschutzorganisation fordert
Tiger, Löwen oder andere Großkatzen brauchen komplexe Lebensräume und Beschäftigung. In ungeeigneter Haltung können Stress und Verhaltensstörungen entstehen. Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" fordert deshalb unter anderem ein bundesweites Ende der privaten Haltung von Großkatzen und ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Die Wildtierstation "Tierart" kann die Arbeit mit den Wildtieren aber nicht allein stemmen.
Hinter der Station steht die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" mit einem internationalen Netzwerk aus Rettern, Schutzzentren, Kampagnen und Aufklärungsarbeit. Volker Gaßner, Geschäftsleiter in Deutschland, nennt Tierart deshalb auch einen "Ort der Hoffnung". Und er macht klar: Die neuen großen Gehege sind ein wichtiges und auch teures Projekt. Die Großkatzenanlagen kosten Millionen - wegen der hohen Sicherheitsanforderungen und Sonderanfertigungen.
Wie die Tierschützer für artgerechte Haltung kämpfen
Die Tierschutzorganisation finanziert ihre Arbeit nach eigenen Angaben ausschließlich aus Spenden. Damit werden unter anderem Tiere aus illegaler Haltung gerettet, medizinisch versorgt und Schutzzentren ausgebaut und betrieben. Der Grund für den Bedarf ist gleichzeitig das große Problem, gegen das "Vier Pfoten" seit Jahren kämpft: Wildtiere landen noch immer in Privathaltung, in viel zu kleinen Gehegen oder als Attraktion im Zirkus.