Zwischen Jobchance und Flächennot

Das Dilemma um Industrieflächen in der Region Kaiserslautern

Internationale Logistiker wollen sich in der Region Kaiserslautern ausbreiten. Flächen gibt es dafür kaum noch, aber mögliche Arbeitnehmer. Aber sind diese Firmen ein Gewinn für die Region?

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Von Autor/in Maren Kaps

Das Industriegebiet Nord in Kaiserslautern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum für modernen Konsum entwickelt. "Die Ansiedlung von Amazon ist für Kaiserslautern Gold wert", sagte der ehemalige Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) bei der Eröffnung des Logistikzentrums. Besonders Unternehmen aus dem Bereich der sogenannten Value Added Logistics (VAL) - also Logistik mit zusätzlicher Wertschöpfung - haben laut der Wirtschaftsförderung Kaiserslautern (WFK) großes Interesse an diesem Standort.

Von Amazon bis ID Logistics: Das IG Nord Kaiserslautern

Eines der ersten Unternehmen in diesem Bereich war der französische Riese ID Logistics, der seit 2020 in Kaiserslautern ansässig ist. Rund 70.000 unterschiedliche Artikel und insgesamt eine Million Einzelstücke lagern hier den Angaben nach permanent. Dank eines hochintelligenten Systems können diese innerhalb kürzester Zeit verpackt und verladen werden.

Die Personalpolitik des Unternehmens, das laut offiziellen Angaben zum Start 500 Arbeitsplätze mit übertariflicher Bezahlung geschaffen hat, wurde 2022 vom damaligen Oberbürgermeister noch ausdrücklich gelobt. Im vergangenen Jahr erweiterte ID Logistics laut Branchenberichten die Anzahl der Festangestellten. "Der Standort Kaiserslautern entwickelt sich nicht nur wirtschaftlich positiv weiter", berichtete Robin Otto, der das Unternehmen in Deutschland leitet, zu diesem Anlass.

Eine Logistikhalle des Versandhändlers Amazon (Symbolbild).
Eine Logistikhalle des Versandhändlers Amazon. Auf rund 4400 m² hat das Unternehmen in Kaiserslautern ein Verteilzentrum. Christian Grube

Die WFK bestätigt auch aktuell ein ungebrochenes Interesse aus dieser Branche; zehn bis 15 Anfragen seien es allein in den vergangenen drei Jahren gewesen. "Aufgrund des vorliegenden Flächenmangels wurden die Anfragen dann meist nicht weiter ausgeführt und behandelt", teilt der Geschäftsführer der WFK mit. Auch auf Fachmessen wie der Expo Real würden sich Unternehmen regelmäßig nach Möglichkeiten im Raum Kaiserslautern erkundigen. Doch die Antwort bleibt oft dieselbe: Die Kapazitäten sind erschöpft, baureife Grundstücke fehlen. Dabei wäre das Areal am Schnittpunkt der Autobahnen A6 und A63 zum Beispiel für die Logistik-Branche strategisch sehr attraktiv.

Logistik als Jobmotor? Kaiserslautern sieht Chancen für den Arbeitsmarkt

Obwohl Logistikbetriebe wegen ihres großen Flächenverbrauchs und des hohen Verkehrsaufkommens oft kritisch gesehen werden, betont die WFK deren Bedeutung für den lokalen Arbeitsmarkt. Laut einer schriftlichen Stellungnahme der Wirtschaftsförderung belegen Daten der Arbeitsagentur Kaiserslautern eine hohe Zahl an Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Die Logistik biete diesen Menschen einen Zugang zum Arbeitsmarkt und Qualifizierungsmöglichkeiten. Für die Kommune bedeutet dies eine Entlastung, da Sozialleistungen eingespart werden und gleichzeitig Einkommensteuer in die Kasse kommt.

Der Sitz von Amazon im Industriegebiet in Kaiserslautern.
Amazon betreibt bisher drei Logistikzentren in Rheinland-Pfalz. Bald soll eines im nahegelegenen Zweibrücken dazukommen, an der Grenze zum Saarland.

Auch der aktuelle Marktbericht des Branchenexperten CBRE belegt eine deutliche Verschiebung der Investitionen. In den Ballungsräumen Frankfurt/Rhein-Main herrsche faktisch Vollvermietung, was die Mieten in die Höhe getrieben habe. Diese Sättigung der klassischen "Hubs" führt zu einer verstärkten Nachfrage im Westpfalz-Raum. Dieter Hartmüller (CDU), Ortsbürgermeister von Göllheim (Donnersbergkreis), beobachtet diese Entwicklung entlang der A63: "Die Rheinschiene ist voll, deshalb geht es immer mehr in Richtung Westpfalz", erklärt er im Gespräch. Neben der Anbindung an die Zentren Mainz und Frankfurt sei für Investoren vor allem die direkte Verbindung nach Frankreich ein wesentlicher Standortvorteil.

Metropolregion Westpfalz: Wenn die Rheinschiene voll ist

Doch Hartmüller erlebt in Göllheim auch, wie instabil die Lage trotz der guten Lage aktuell ist. Auf rund 20 Hektar wollte ein Entwickler von Logistik- und Industrie-Immobilien ab 2023 dort bauen. Doch noch rollten die Bagger nicht. Das Projekt liegt derzeit auf Eis, da das Unternehmen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht ohne feste Mieter, also spekulativ, bauen möchte. Für Hartmüller nicht schlimm. Er wünsche sich ohnehin einen Branchenmix für Flächen in der Verbandsgemeinde Göllheim, damit sich Wirtschaftsschwankungen in einzelnen Branchen weniger auswirken.

Denn auch wenn der ehemalige Lautrer Stadtchef vor knapp vier Jahren die Jobs bei ID Logistics noch lobte, hält sich das Unternehmen jetzt bedeckt: Aktuelle Anfragen zu Details der Beschäftigungsverhältnisse, den Löhnen oder der Zusammenarbeit mit dem benachbarten Amazon-Zentrum möchte ID Logistics derzeit nicht beantworten.

Wirtschaft in der Region Kaiserslautern: Sind Vorratsflächen die Lösung?

Diese Entwicklung befeuert eine grundlegende Debatte: Warum fehlen in der Westpfalz sogenannte "Vorratsflächen" für Industrie und Gewerbe, die Konkurrenten wie das Saarland oder Standorte in Rheinhessen so attraktiv machen? Während man in Alzey durch sofort verfügbare Flächen einen Pharmariesen wie Eli Lilly für eine Milliardeninvestition gewinnen konnte, muss in der Westpfalz oft jedes potenzielle Grundstück erst durch die Instanzen der Landesplanung erkämpft werden.

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Es stellt sich die Frage, ob die Politik durch eine aktivere Flächenplanung künftig wieder verstärkt klassische Industrie anlocken kann. Andernfalls wird die Region um Kaiserslautern wohl akzeptieren müssen, primär als Logistik-Hub zu wirken, um soziale Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt bewältigen zu können. Erste Ansätze für mehr kleinere Flächen sind die Erweiterung des Gebietes am Hertelsbrunnenring und drei weitere Flächen im Kreis Kaiserslautern.

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Maren Kaps
Maren Kaps, SWR Aktuell Studio Kaiserslautern

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