Kindergesundheitsbericht 2025 sieht kritische Versorgungslage

Psychotherapie-Engpass in RLP: Kinder warten viel zu lange

Rheinland-Pfalz hat die schlechteste Versorgung mit Kinder- und Jugendpsychotherapeuten in ganz Deutschland. Der am 2. Dezember in Berlin vorgestellte Kindergesundheitsbericht warnt vor wachsenden psychischen Belastungen - und Experten fordern: Mehr Plätze, jetzt!

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Von Autor/in Anna-Lara Weidinger

Der Bericht der Stiftung Kindergesundheit zeigt alarmierende Defizite in der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in ganz Deutschland. Aber das Schlusslicht ist Rheinland-Pfalz. Das Bundesland zählt neben den ostdeutschen Ländern zu den am schlechtesten versorgten Regionen im psychosomatischen Bereich. Im Bundesvergleich herrscht in Rheinland-Pfalz die niedrigste Arztdichte für Fachärztinnen und Fachärzte des Gebiets, nur 3 von ihnen kommen auf 100.000 Einwohner.

Seit der Corona-Panademie sei der Bedarf an Behandlungsplätzen aber sprunghaft gestiegen, ein deutliches Zeichen dafür, dass die Belastungen bei Kindern zugenommen haben. In Rheinland-Pfalz verschärft sich die Situation dadurch, dass vor allem in ländlichen Gebieten Praxen fehlen, und stationäre Betten sind knapp.

Regionale Engpässe und steigende Nachfrage

Während immer mehr Kinder und Jugendliche psychologische oder psychiatrische Hilfe brauchen, fehlen Fachkräfte und Wartezeiten dauern monatelang an. Zwar besitze "Deutschland ein hochdifferenziertes Versorgungssystem für psychische Störungen bei Minderjährigen", so die Stiftung Kindergesundheit, doch gebe es regionale Lücken.

Lange Wartezeiten für einen Therapieplatz

Im Sprachheilzentrum Meisenheim lernen Kinder, ihre Angst vor oder ihre Unsicherheit beim Sprechen zu überwinden - sie haben teilweise lange Wartezeiten auf sich genommen, wie viele Kinder in Rheinland-Pfalz, die einen Therapieplatz benötigen. Das Zentrum ist eine Einrichtung zur Therapie von Kommunikationsstörungen bei Kindern und Jugendlichen, die etwa Probleme mit der Aussprache oder auch größere Kommunikationsblockaden haben.

Die Nachfrage übersteigt bei weitem die verfügbaren Kapazitäten, sodass viele Familien lange Wege und Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Sobald die Kinder in die Therapie aufgenommen werden, erwartet sie ein Förderprogramm, das weit über klassische Sprachtherapie hinausgeht.

Therapiehund "Jimbo" im Sprachheilzentrum Meisenheim
"Jimbo" begleitet im Sprachheilzentrum Meisenheim die Kinder der Gruppe "Lummerland" im Rahmen ihrer Therapie

Die Gruppe "Lummerland" zum Beispiel besteht aus Kindern mit verschiedenen Altersstufen und unterschiedlichen sprachlichen Schwierigkeiten. Die Vielfalt wird gezielt genutzt, um gegenseitiges Lernen und soziale Unterstützung zu fördern: Ältere Kinder helfen den Jüngeren, und die Sprachstärkeren unterstützen die Schwächeren.

Besonderes Highlight ist der Hund "Jimbo", der als festes Gruppenmitglied viel Ruhe und Entspannung in die teils unruhige Runde bringt. Wenn er in der Gruppe einschläft, signalisiert das den Kindern, dass es Zeit ist, still zu sein und sich auf die Übungen zu konzentrieren.

Längere Wartezeiten führen zu längeren Therapien für Kinder

"Je länger die Kinder warten müssen, desto länger dauert die Therapie", schildert Direktorin Belinda Fuchs. Und nicht nur die stationäre, sondern auch die ambulante Versorgung mit Psycho-, Sprach- und Ergotherapeuten ist schlecht. "Wenn die Kinder im Vorfeld schon intensiver oder frühzeitiger ambulant hätten behandelt werden können, wäre unter Umständen auch der stationäre Aufenthalt nicht so lange und wir könnten dann früher ein neues Kind einbestellen."

Die Kinder der Therapiegruppe "Lummerland" beim Unterricht
Die Kinder der Therapiegruppe "Lummerland" beim Unterricht

Kritische Versorgungslage insbesondere im ländlichen Raum

Um den Notstand zu beheben, fordern Experten gezielte Nachwuchsförderung und bessere Vergütung, da der Fachkräftemangel anhält. "Die Versorgungslage ist vielerorts angespannt. Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie fehlen zunehmend", fasst das Vorwort des Berichts die Lage zusammen.

Politische Impulse wie der Vorschlag des Gemeinsamen Bundessausschusses, die U10-Untersuchung, die zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahrs durchgeführt werden soll, zur Pflicht zu machen, könnten helfen - um frühzeitig zu erkennen, wenn ein Kind therapeutische Hilfe benötigt.

Aber die Fachärzte für die Behandlung fehlen weiterhin. Auch wenn mehr Psychotherapeuten und therapeutinnen ausgebildet werden, bis sie eingesetzt werden können, dauert es Jahre. Der Bericht schlägt deshalb Sofortmaßnahmen vor, bis es soweit ist: Etwa digitale Hilfen auszubauen, Assistenzärzte und kommunale Lotsen einzusetzen, um die Familien zu den vorhandenen Plätzen zu führen.

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Anna-Lara Weidinger
SWR-Autorin Anna-Lara Weidinger

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