- Sind Onlineangebote für Psychotherapie hilfreich?
- Wann Selbsthilfegruppen Betroffenen helfen können
- Welche Vorteile haben Institutsambulanzen?
- Sozialpsychiatrischer Dienst als weiteres Angebot
Wer an einer psychischen Krankheit leidet, für den ist das lange Warten auf eine Psychotherapie oft eine Tortur. Manche Betroffene müssen ein Jahr und länger warten, bis sie einen Therapieplatz finden. So ging es auch Helmut, der in Wirklichkeit anders heißt, aber anonym über seine Erfahrungen sprechen möchte.
Sind Online-Angebote für Psychotherapie hilfreich?
Helmut lebt auf dem Land, er ist in der Eifel Zuhause. Er hat lange und erfolglos einen Platz in einer psychotherapeutischen Praxis gesucht. Die Praxen in seiner näheren und weiteren Umgebung waren alle überlastet und konnten ihn nicht aufnehmen. So versuchte er es mit einem Online-Angebot für Psychotherapie. In diesem Programm, das auch von der Krankenkasse bezahlt wurde, hatte er auch Gespräche mit einer Psychotherapeutin. Anfangs alle zwei Wochen, später alle vier Wochen.
Praktische Vorteile und Zusatzkosten
Helmut sagt, das Programm habe ihm schon etwas geholfen, insgesamt sei es aber eher schwierig für ihn gewesen. Es sei besser als nichts, sagt er. Da er in dieser Lebensphase beruflich auch häufig an verschiedenen Orten unterwegs war, war das Onlineprogramm für ihn auch praktisch. Bei akuten Problemen konnte er auch zusätzliche Onlinesitzungen mit seiner Therapeutin buchen, die musste er dann aber selbst bezahlen.
Onlineangebote können helfen, beinhalten aber auch Gefahren.
Solche Online-Angebote ersetzen natürlich keine Therapie, sagt Professor Wolfgang Lutz von der Universität Trier. Er leitet dort die Abteilung für klinische Psychologie und Psychotherapie und die Psychotherapieambulanz. "Onlineangebote können helfen, beinhalten aber auch Gefahren", sagt er.
Ohne zusätzliche Betreuung führe es tendenziell zu höheren Abbruchraten. Wenn eine Onlinetherapie von qualifizierten Therapeuten begleitet sei, dann habe sie auch relativ gute Effekte. "Ich glaube allerdings, dass die Onlineangebote oder die KI-Angebote die Menschen nicht ersetzen können".
Wann Selbsthilfegruppen Betroffenen helfen können
In der Reha hat Helmut dann andere Menschen kennen gelernt, die auch unter Depressionen litten. Sie schlossen sich nach der Reha zu einer Selbsthilfegruppe zusammen. Alle zwei Wochen treffen sie sich in einer Kleinstadt in der Eifel, viele der elf Mitglieder fahren dafür teils mehr als eine halbe Stunde. Sie reden miteinander und sind füreinander da, es haben sich auch echte Freundschaften entwickelt.
Es erleichtert, Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht.
Die Selbsthilfegruppe wird nicht von einem Therapeuten begleitet, die Mitglieder sprechen miteinander, tauschen sich aus. "Es erleichtert, Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht", sagt Helmut. Eine Selbsthilfegruppe könne aber kein Ersatz für eine Therapie sein, ergänzt er. Seine Gruppe könne deshalb auch niemanden aufnehmen, der noch keine Therapie gemacht hat.
Selbsthilfegruppen sind auf jeden Fall eine sehr gute Möglichkeit, ersetzen aber keine Therapie.
Professor Wolfgang Lutz von der Universität Trier betrachtet Selbsthilfegruppen differenziert. Gerade wenn man wirklich eine psychische Belastung oder Störung habe, sei das nicht immer hilfreich.
Aber in vielen Zusammenhängen ist das durchaus eine positive Möglichkeit und sehr wirksam, das ist in vielen Studien auch nachgewiesen. "Selbsthilfegruppen sind auf jeden Fall eine sehr gute Möglichkeit, ersetzen aber keine Therapie.", sagt Lutz. "Also wenn sie eine Angststörung haben oder eine schwere Depression, dann ist das mit Selbsthilfe nicht zu machen.“
Welche Vorteile haben Institutsambulanzen?
Viele Krankenhäuser mit Psychiatrischer Abteilung und auch die Universitäten mit dem Studiengang klinische Psychologie bieten ambulante Behandlungen in ihren Institutsambulanzen und Tageskliniken an. Auch dort gibt es teils Wartezeiten von mehreren Monaten bis zu einem Jahr. In der Institutsambulanz der Universität Trier werden im Jahr etwa 800 Erwachsene behandelt, dazu kommen noch 300 Plätze für Kinder und Jugendliche, außerdem eine Stressambulanz.
In diesen Ambulanzen behandeln angehende Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Sie haben ihr Studium schon abgeschlossen und sind in der fünfjährigen Weiterbildung. Die Psychotherapeuten in Ausbildung bekommen Supervisionen von ausgebildeten Psychotherapeuten. Der Vorteil einer Institutsambulanz ist, dass die Behandlungen wissenschaftlich begleitet werden. Die Ausbildung ist eng mit der aktuellen Forschung verbunden.
In der Institutsambulanz der Universität Trier gibt es auch das Angebot, zum Überbrücken der Wartezeit Behandlungen von Studierenden im Masterstudiengang zu bekommen. Auch begleitete Onlineangebote während der Wartezeit auf eine Therapie bietet diese Ambulanz an.
Sozialpsychiatrischer Dienst als weiteres Angebot
Wer seelische Probleme hat und in einer Krise ist, für den gibt es auch die Möglichkeit, sich an den sozialpsychiatrischen Dienst der Kreisverwaltungen zu wenden. Das Angebot ist für Menschen mit einer psychischen Erkrankung und auch für ihre Angehörigen und Freunde. Auch Menschen in Konflikt- und Krisensituationen und mit Suchtproblemen können hier Hilfe suchen. Es gibt persönliche Einzelgespräche, Familiengespräche, auch Hausbesuche sind möglich. Außerdem vermittelt der sozialpsychiatrische Dienst weitere Hilfsangebote.