Archäologie-Skandal um vermeintlichen Sensationsfund

Falscher Neandertaler von Ochtendung: DNA-Analyse bestätigt neuzeitliche Herkunft

Der vermeintliche Neandertaler-Schädel von Ochtendung stammt aus der Neuzeit. Das hat auch eine zweite Untersuchung bestätigt. Der Entdecker hatte das erste Gutachten angezweifelt.

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Von Autor/in Ahmet Şenyurt

Der jahrelang als Sensation präsentierte "Neandertaler von Ochtendung" ist auch laut einer DNA-Analyse des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ein moderner Mensch (Homo sapiens). Das hat das zuständige rheinland-pfälzische Innenministerium dem SWR auf Anfrage schriftlich bestätigt. Diese Analyse stehe "mit der C14-Datierung in Einklang".   

Zwei unabhängige Methoden, ein Ergebnis

Bereits 2024 hatte eine Radiokarbondatierung (C14) den Fund in das siebte oder achte Jahrhundert n. Chr. verortet. Der betroffene Landesarchäologe, der den Fund entdeckt und als "Neandertaler" begutachtet hatte, bezweifelte das Ergebnis der C14-Analyse und brachte eine mögliche Kontamination der Funde im Zuge früherer Restaurierung ins Spiel. Mit der genetischen Untersuchung stützen nun zwei unterschiedliche naturwissenschaftliche Methoden dieselbe zeitliche Einordnung. 

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Untersuchung seit 2025 bekannt - keine aktive Veröffentlichung  

Nach Angaben des Innenministeriums wurde die genetische Analyse bereits im Mai 2025 in Auftrag gegeben. Das Ergebnis lag ihm nach eigenen Angaben seit Dezember vor. Öffentlich kommuniziert wurde das Resultat zunächst nicht. Dazu erklärte das Ministerium gegenüber dem SWR: "Aus dem Gutachten ergaben sich weder für das weitere Disziplinarverfahren noch für den wissenschaftlichen Diskurs relevante neue Erkenntnisse, weswegen eine öffentliche Kommunikation dazu nicht erfolgte."  

Parallel zur wissenschaftlichen Neubewertung läuft seit 2022 ein Disziplinarverfahren gegen den betroffenen Landesarchäologen. Neben dem Neandertaler-Fund von Ochtendung werden weitere von ihm verantwortete Funde auf deren Authentizität überprüft.   

Disziplinarverfahren läuft weiter 

Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hob im Oktober 2025 die Suspendierung des Beamten auf. Seitdem erhält er wieder volle Bezüge. Das Innenministerium erklärte dazu: "Wir haben die Anmerkungen des Gerichts ausgewertet und bei der Fortführung des Disziplinarverfahrens berücksichtigt."   

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Ministerium räumt Vertrauensvorschuss ein 

Der Schädel-Fund war fast drei Jahrzehnte lang von Politik und Wissenschaft als bedeutender Nachweis eines Neandertalers in Rheinland-Pfalz dargestellt worden. In der Antwort auf eine Große Anfrage der Landtagsfraktion der Freien Wähler vom Januar, räumte das Innenministerium ein, man habe auf die Angaben des Landesarchäologen vertraut.   

Kritik an den Organisations- und Aufsichtsstrukturen weist das Innenministerium zurück: "Weder aus der Beantwortung der Großen Anfrage noch aus der Plenardebatte hätten sich entsprechende Anhaltspunkte ergeben", hieß es gegenüber dem SWR.   

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